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Agrarrohstoffe Rohstoffmärkte sind spekulativ überhitzt

06.03.2008 ·  An den internationalen Finanz- und Rohstoffmärkten geht es drunter und drüber. Rekordpreise und -kurse an den Rohstoff- und Devisenmärkten werden begleitet von spekulativen Exzessen. Evan Dooley hat sich am Weizenmarkt „verzockt“.

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An den internationalen Finanz- und Rohstoffmärkten geht es drunter und drüber. Während ein Ende der Volatilität an den Börsen nicht abzusehen ist, fällt der Dollar ins Bodenlose und verbucht gegen Währungen wie den Euro oder gegen die Rohstoffe ein Rekordtief nach dem anderen.

Die Preise von Öl, Gold, Silber, Platin und Agrarrohstoffen befinden sich auf nie oder sehr lange nicht mehr gesehenen Niveaus. Die Trends nach oben scheinen nicht mehr aufzuhalten zu sein. Ob sich solche Preis- und Kursbewegungen auf Basis einer fundamentalen, industriellen Nachfrage noch erklären lassen, kann bezweifelt werden.

Spekulative Anleger horten Rohstoffe und verzerren auf diese Weise die Märkte

Denn inzwischen bestimmen längst spekulative Anleger die Trends. Das zeigt sich nicht nur an den rasch wachsenden Platinbeständen, die von verschiedenen Fonds gehortet werden und auf diese Weise das Angebot künstlich verknappen. Verschiedene Quellen berichten, dass einzelne Hedge-Fonds in die Lagerhaltung eingestiegen sind. So stellt sich die Frage, wie relevant die offiziellen Lagerhaltungsdaten denn sein mögen, auf deren Veröffentlichung der Markt regelmäßig gebannt blickt und auf die er unter Umständen heftig reagiert.

Gleichzeitig deutet bei verschiedenen Rohstoffen auch die große Anzahl an offenen Kontrakten an den Terminmärkten auf einen starken spekulativen Auftrieb hin. Sie werden bestätigt durch starke Kursbewegungen, wie sie vor wenigen Tagen im Weizenhandel in Chicago zu beobachten waren. Am 27. Februar verzeichnete der Kontrakt Kursbewegungen von bis zu 25 Prozent innerhalb des Tages: Nach einer starken Eröffnung fiel der Preis im Tagesverlauf bis auf 1.078 amerikanische Cents je Scheffel am Mittag. Am Nachmittag sprang der Kurs jedoch nach oben bis auf 1.349,5 Cents je Scheffel.

Das ist die größte Preisbewegung, die bei Weizen bisher jemals zu beobachten war. Inzwischen ist klar geworden, was passiert ist. Denn Index-Zocker wie Jérôme Kerviel sitzen nicht nur in Paris bei der Société Générale, sondern lassen sich auch an anderen Orten und in anderen Märkten finden. So hat der 40jährige Futures-Händler Evan Dooley von MF Global seinem Arbeitgeber mit verunglückten Wetten auf Weizen insgesamt einen Schaden von 141,5 Millionen Dollar zugefügt.

Die Seriosität der Marktteilnehmer zeigt sich an Einzelbeispielen

MF Global trennte sich in der vergangenen Woche von Dooley, der im Büro in Memphis im Bundesstaat Tennessee tätig war. Hier habe er bei seinem Weizenhandel „das autorisierte Handelslimit substantiell überschritten“, hieß es zur Begründung. Es sei Dooley gelungen, auf eigene Rechnung erhebliche Positionen an Weizenfutures in einer sehr kurzen Zeit in den Morgenstunden des 27. Februar - zwischen null und 6.00 Uhr morgens - ins Handelssystem einzugeben, teilte MF Global mit. Dooley setzte dabei auf einen fallenden Weizenpreis. Er habe 15.000 Futures oder 75 Millionen Scheffel oder umgerechnet 35,24 Liter gehandelt, hieß es von einer Person aus dem Umfeld, die anonym bleiben möchte. Abhängig vom Kurs schwankte die Position im Wert zwischen 800 Millionen und einer Milliarde Dollar.

Da der Weizenpreis jedoch weiter kräftig anzog, war das Unternehmen gezwungen, die Kontrakte zurückzukaufen. Das führte zum Preissprung nach oben auf ein zwischenzeitliches Niveau, das der Markt trotz der anhaltenden Stärke bisher nicht wieder erreicht hat.

MF Global hat nach eigenen Angaben sofort die Risikokontrollen verstärkt und eine unabhängige Untersuchung eingeleitet. Warum ein Mann wie Dooley mit seiner persönlichen Schuldengeschichte es allerdings schaffen konnte, an allen Kontrollen vorbei derart hohe Summen zu handeln, erklärte das Unternehmen nicht.

Der Blick auf seine Biographie kann die Händler an den Finanzmärkten und ihre Motive in ein schiefes Licht rücken. Denn Evan Dooley war zwar das Jonglieren mit großen Geldsummen gewöhnt. Allerdings scheint er eine Zockernatur gewesen zu sein. Dooley hatte bereits im Jahr 2002 die Privatinsolvenz erklärt und dabei sein Haus samt Auto verloren. Laut Scheidungsunterlagen soll er in dieser Zeit nicht selten mehrere Nächte in Folge am Spieltisch verschiedener Casinos in Tunica im amerikanische Bundesstaat Mississippi verbracht haben. Seine Ex-Frau behauptet, er habe gespielt und getrunken und wiederholt Mitglieder ihrer Familie um Geld angepumpt. Das spricht für sich.

Die in dem Beitrag geäußerte Einschätzung gibt die Meinung des Autors und nicht die der F.A.Z.-Redaktion wieder.

Quelle: @cri
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