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Agrarrohstoffe Preise unter Druck

13.01.2010 ·  Nach einem beinahe schon unheimlichen Höhenflug stehen die Preise der an den Terminbörsen gehandelten Agrargüter unter Druck, unter anderem wegen voraussichtlich guter Ernten in den Vereinigten Staaten.

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Nach einer deutlichen Aufwärtsbewegung von September des vergangenen Jahres bis noch vor wenigen Tagen stehen die Terminkontrakte für Mais massiv unter Druck. Der Preis des generischen Kontrakts ist am Chicago Board of Trade innerhalb von drei Tagen um knapp zwölf Prozent auf zuletzt 373,25 Dollar je Scheffel gefallen. Auch die Preise anderer Agrargüter wie Weizen, Soja und Reis stehen unter Druck.

Der Grund dafür lässt sich relativ einfach ausmachen. Nach Schätzungen des amerikanischen Landwirtschaftsministeriums, sind die Ernten im vergangenen Jahr deutlich besser ausgefallen als erwartet. Die Landwirte hätten weltweit auf die hohen Preise des Jahres 2008 mit erhöhter Produktion reagiert, heißt es. Die amerikanischen Mais- und Sojaernten hätten im vergangenen Jahr sogar Rekordwerte erreicht, zeigen die Daten.

Lagerbestände nehmen zu

Das führt erstens dazu, dass die globalen Lagerbestände wieder zunehmen, nachdem sie in den vergangenen Jahren sie bei einigen Gütern auf vergleichsweise tiefe Niveaus gefallen waren. Tatsächlich sind die globalen Vorräte an Mais, Weizen, Soja und Reis mit zusammen 482,3 Millionen Tonnen 8,3 Prozent größer als noch im vergangenen Jahr, erklärte das Landwirtschaftsministerium.

Zweitens gehen auf diese Weise Rohstoffzockern die Argumente aus, die mit allen nur denkbaren Knappheitsthesen versuchen, Anleger in die engen Märkte zu locken. Renditen von 20 Prozent und mehr könnten Anleger dieses Jahr erzielen, wenn sie ihr Geld in ausgewählte Rohstoffe steckten, erklären auf Rohstoff-Fonds spezialisierte Vermögensverwalter wie Tiberius laut trommelnd. Wen wird's verwundern, füllen sie doch mit der Spekulation und mit der teuren Verwaltung der Anlegergelder ihre eigenen Taschen. Mit anderen Anlageklassen, vor allem Aktien, sei dieses Jahr kaum Geld zu verdienen, erklären sie weiter.

Tatsächlich lassen sich viele Rohstoffmärkte aufgrund ihrer geringen Größe mit relativ geringen Summen unabhängig von der fundamentalen Lage bewegen. Genau diese Abkoppelung jedoch führt zu Schwierigkeiten, indem sie die Terminmärkte für die Realwirtschaft nicht nur nutzlos, sondern sogar gefährlich machen. Aus diesem Grund hat der Deutsche Bauernverband ein staatliches Eingreifen gegen Spekulanten am Agrarmarkt verlangt.

Zocker erhalten Gegenwind

Verbandspräsident Gerd Sonnleitner brachte in einem Interview der „Berliner Zeitung“ eine Spekulationssteuer ins Gespräch. Außerdem forderte er, dass „Finanzierungsgeschäfte“ strikt mit Eigenkapital hinterlegt werden wie andere Bankgeschäfte auch. Dann könne jemand, der das Geld nicht habe, die Ware auch nicht kaufen. Das würde die Flut an schnellen Käufen und Verkäufen deutlich eindämmen, hieß es mit Blick auf die geringen Margen, die an den Terminmärkten für den fiktiven Handel mit Kontrakten hinterlegt werden müssen. Dagegen deuten die guten Ernten und hohen Vorräte zumindest kurz- und mittelfristig eher auf fallende als auf steigende Preise für Agrargüter hin.

Die in dem Beitrag geäußerte Einschätzung gibt die Meinung des Autors und nicht die der F.A.Z.-Redaktion wieder.

Quelle: @cri
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