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Agrarrohstoffe Orangensaft und Bauholz werden immer teurer

09.02.2010 ·  Die Preise von Orangensaft und Bauholz legen an den amerikanischen Terminmärkten schon seit Monaten deutlich zu. Die Gründe: Sorge über Frostschäden in Florida einerseits und massiv reduzierte Kapazitäten in der Holzindustrie andererseits.

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Die Preisentwicklung an den Energie- und Rohstoffmärkten ist noch ausgeprägter als in anderen Bereichen. Das lässt sich darauf zurückführen, dass immer mehr spekulative Anleger in relativ engen Märkten mit Finanzinstrumenten mit „großen Hebeln“ operieren. Das heißt, sie benötigen nur vergleichsweise wenig Eigenkapital, um die Preise in Bewegung bringen zu können. Bewegung jedoch brauchen sie, um Erträge erwirtschaften und ausweisen zu können, da Rohstoffe und Edelmetalle weder Kupons noch Dividenden abwerfen.

Diese Grundkonstellation führt bei Energie- und Rohstoffterminkontrakten immer wieder zu zyklischen Kursentwicklungen. Zunächst ist eine günstige Datengrundlage nötig. Sie wird von cleveren Marktteilnehmern zunächst genutzt, um Positionen an einem Markt einzugehen. Das führt zum Beginn einer Preisbewegung.

Rohstoffmärkte sind wegen spekulativer Aktivitäten zyklisch und volatil

Im weiteren Ablauf werden die so genannten Trendfolgesysteme angezogen. Darunter versteht man markttechnisch orientierte Händler oder gar automatisierte Handelsysteme, die ohne Rücksicht auf die fundamentale Lage auf etablierte Preistrends aufspringen und diese durch zusätzliche Käufe oder Verkäufe noch verstärken.

Ab diesem Zeitpunkt werden immer mehr Marktbeobachter auf die Entwicklung aufmerksam oder durch „Experten“, die ihre längst eingegangenen Positionen „bereden“, darauf hingewiesen. Das führt schließlich zu immer mehr Agentur- und letztlich zu sich häufenden Medienberichten. Auf diese Weise werden zuletzt auch viele Privatanleger zum Einstieg in den entsprechenden Markt bewegt. Das bringt weitere Preisimpulse in den Markt. Schließlich treten zuletzt die Banken mit entsprechenden Zertifikaten und massiver Werbung in Erscheinung. Genau dann jedoch ist der Markt zumindest im Agrarbereich häufig „reif“ und die zuerst eingestiegenen Anleger beginnen Gewinne mitzunehmen.

Denn sie wissen genau, dass Mais-, Weizen-,- Soja- und andere Anbauer durch hohe Preise zur Ausdehnung ihrer Produktion verleitet werden. Das führt bei der nächsten Ernte unter normalen Umständen zu zunehmendem Angebot und zu fallenden Preisen. Diese Entwicklung nehmen sie durch rechtzeitige Gewinnmitnahmen voraus.

Orangensaft- und Bauholzpreise haben zyklischen Auftrieb

Bei manchen Agrargütern sind solche Zyklen vergleichsweise kurz. Bei anderen, wie Orangen oder gar Bauholz, dauern sie länger. Denn neue Plantagen lassen sich nicht auf die Schnelle aus dem Boden zaubern und Produktionskapazitäten in der Forstwirtschaft lassen sich nicht von heute auf morgen schließen und wieder öffnen. In diesem Rahmen kann die Nachricht vom Dienstag, nach welcher die Orangenernte in Florida in der laufenden Erntesaison 4,4 Prozent geringer ausfallen wird, als bisher prognostiziert, den in den vergangenen Wochen schon etablierten Kursauftrieb weiter bestätigen. Kaltes Wetter habe viele Früchte beschädigt, teilte das amerikanische Landwirtschaftsministerium mit.

Auf dieser Basis und in Verbindung mit der ultra lockeren Geldpolitik der Zentralbanken dürfte der Aufwärtstrend der Orangensaftkontrakte noch weiter laufen können. Alleine am Dienstag legt er um drei Prozent zu auf zuletzt 138,4 Cents je Pfund.

Am Dienstag legt auch der Terminkontrakt auf amerikanisches Bauholz ein weiteres Prozent zu auf zuletzt 274,1 Dollar je 1000 Board Feet (entspricht etwa 2,36 Festmeter) und setzt damit den schon im vergangenen Oktober etablierten Aufwärtstrend fort. Der Dollarpreis des Kontrakts hat seitdem knapp 70 Prozent zugelegt. Der Grund für diese Entwicklung liegt keineswegs in der Erholung der amerikanischen Bauindustrie. Sondern die Holzindustrie hat ihre Kapazitäten in den vergangenen Monaten aufgrund massiver Verluste so stark zurückgefahren, das geringe Impulse ausreichen, um für einen weiteren Auftrieb zu sorgen. Experten halten den Bauholz-Futuresmarkt allerdings für sehr klein im Vergleich mit den physischen Geschäft. Deswegen sei die Preisentwicklung einerseits sehr volatil. Auf der anderen Seite werde der Markt beobachtet. Das führe zur Tendenz, das Angebot am physischen Markt zurückzuhalten, sobald die Preise steigen. Auf diese Weise kann sich der Trend selbst verstärken.

Privatanleger können zwar grundsätzlich mit einem Zertifikat mit der Isin DE000AA0M624 auf die Holzpreis-Entwicklung wetten. Allerdings zeigt der Blick auf die Vergangenheit, dass sich dessen Wert nur unterdurchschnittlich an der Preisentwicklung des Futures orientierte. Ideal ist es also nicht.

Die in dem Beitrag geäußerte Einschätzung gibt die Meinung des Autors und nicht die der F.A.Z.-Redaktion wieder.

Quelle: @cri
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