20.08.2010 · Die russische Landwirtschaft leidet momentan unter der größten Dürre seit mindestens einem halben Jahrhundert. Analysten halten es für möglich, dass das Land zum Weizen-Importeur wird. Das treibt den Preis des Gutes.
Von Alexander ArmbrusterDer Preis für Weizen ist wieder gestiegen. An der Terminbörse Chicago Board of Trade verteuerte sich ein Scheffel (27,2 Kilogramm) des Getreides zur Lieferung im September am Donnerstag um 2,7 Prozent auf 6,795 Dollar. Die gleiche Menge, die auch als Bushel (siehe Infografik) bezeichnet wird, kostete zur Lieferung für den Dezember dieses Jahres 7,10 Dollar und damit ebenfalls über zwei Prozent mehr als am Tag zuvor.
Grund für den abermaligen Preisanstieg war eine am Markt für Agrarrohstoffe geführte Debatte darüber, wie viel Weizen Russland in diesem Jahr aus anderen Ländern importieren muss. Fachleute des Instituts für Landwirtschaftliche Marktstudien in Moskau äußerten, Russland werde zwischen 1,5 und 2,2 Millionen Tonnen Weizen importieren. Die russische Tageszeitung „Wedomosti“ nannte sogar einen Einfuhrbedarf in Höhe von 5 Millionen Tonnen.
Wird Russland zum Importeur?
„Es kann gut sein, dass Russland in diesem Jahr ein Netto-Importeur von Weizen sein wird“, sagte Eugen Weinberg, Rohstoffexperte der Commerzbank. Das bedeutete, dass Russland sogar mehr Weizen ein- als ausführen würde, und wäre für den Agrarmarkt insofern eine beachtliche Nachricht, als dass das Land in den vergangenen Jahren mit normaler Ernte der drittgrößte Exporteur von Weizen auf der ganzen Welt gewesen ist.
Nach Angaben Weinbergs exportierte Russland im Vorjahr noch rund 18 Millionen Tonnen Weizen. In Reaktion auf die Debatte am Markt äußerte ein Sprecher des russischen Landwirtschaftsministeriums, dass die Regierung momentan keine höheren Importe prüfe: „Nichts dergleichen steht zur Diskussion hier.“
Die russische Landwirtschaft leidet momentan unter der größten Dürre seit mindestens einem halben Jahrhundert, die auch zu Bränden geführt hat. Deshalb kommt es zu großen Ernteausfällen - besonders betroffen ist dabei Weizen. Die russische Regierung verhängte zu Beginn dieses Monats deswegen ein Exportverbot für dieses Getreide, welches am 15. August in Kraft trat und zunächst bis zum 1. Dezember befristet sein soll. Nach der Ankündigung kletterte der Weizenpreis vorübergehend sogar auf mehr als 8 Dollar pro Scheffel.
Langfristig keine großen Folgen
Russland selbst wird nach Ansicht von Rohstoffanalyst Weinberg versuchen, seinen Weizenbedarf vor allem durch Importe aus Kasachstan zu decken, wenngleich es aus der Kaukasusrepublik keine 5 Millionen Tonnen beziehen könne. Ein Problem der aktuellen Dürre sei jedoch, dass das Land auch in der anstehenden Aussaatzeit Schwierigkeiten haben werde und im kommenden Jahr vor derselben Situation stehen könnte.
Weinberg hebt allerdings hervor, dass der in Russland verknappte Weizen vor allem als Tierfutter verwendet werde mit der Folge, dass die russischen Fleischproduzenten schneller als geplant ihre gehaltenen Tiere schlachten könnten, wodurch mehr Fleisch auf den Markt käme und zugleich weniger Weizen gebraucht würde.
Für den Weizen-Weltmarkt erwartet Weinberg hingegen keine lange dauernden Verwerfungen. „Das Weizenangebot wird sich im kommenden Jahr erhöhen, weil viele Bauern aufgrund des gestiegenen Preises mehr Ackerflächen mit Weizen bestellen werden.“ Das werde den Weizenpreis drücken. Zudem seien die Weizenvorräte durch gute vergangene Ernten vergleichsweise hoch. Nach jüngsten Angaben des amerikanischen Landwirtschaftsministeriums lagern rund um den Erdball momentan ungefähr 190 Millionen Tonnen Weizen.
Die Preise für Agrarerzeugnisse insgesamt werden Weinbergs Ansicht nach allerdings im kommenden Jahr zulegen, weil die Bauern zwar mehr Weizen, im Gegenzug aber weniger andere Getreidesorten anbauen werden. „An der gesamten Anbaufläche ändert sich ja nichts.“
| Name | Kurs | Prozent |
|---|---|---|
| Gold | 1.569,50 $ | +0,06 % |
| Silber | 28,24 $ | +0,57 % |
| Platin | 1.430,00 $ | +0,92 % |
| Palladium | 592,00 $ | +0,34 % |
| Rohöl Brent Crude | 106,90 $ | +0,14 % |
| Gas | 0,53 £ | −0,56 % |
| Kaffee | 1,68 $ | +1,27 % |
| Zucker | 0,20 $ | +0,36 % |
| Orangensaft | 1,09 $ | +0,32 % |
| AMEX GOLD BUGS | 601,37 | -- % |
| AMEX OIL | 1.151,96 | -- % |
| Rogers International | 24,14 | +0,50 % |