Die überraschende Ankündigung Indiens, bis auf weiteres keine Baumwolle mehr auszuführen, wirbelt die Märkte durcheinander. Am Montag hatte das indische Generaldirektorat für Außenhandel die Ausfuhr ab sofort untersagt. Damit soll die Versorgung der heimischen Textilindustrie gesichert werden.
Der Preis für ein Pfund (453,6 Gramm) legte kurz darauf um fast 5 Prozent auf 92 Dollar-Cent zu. Indien ist nach den Vereinigten Staaten der zweitgrößte Baumwollexporteur der Welt. Am Dienstag stieg der Preis nochmals um bis zu 2 Prozent auf 94 Cent.
Unklarheiten führen zu Preisspekulationen
Analysten sprachen von Unklarheiten in der indischen Anordnung, die zu den steigenden Preisen führten. So nennt der Erlass keine zeitliche Begrenzung. Zugleich heißt es, er gelte auch für Ausfuhren, für die schon Zertifikate ausgestellt worden seien. Die Behörde wies auch auf das Horten von Baumwolle im Ausland hin, gegen das sie mit ihrem Schritt vorgehen wolle. Das Agrarministerium allerdings wusste nichts von dem Bann, sagte Landwirtschaftsminister Sharad Pawar.
Bislang hat Indien in diesem Fiskaljahr, das am 31. März endet, schon 9,4 Millionen Ballen Baumwolle ausgeführt. Ein Ballen sind 170 Kilogramm. Im Januar hatte die Regierung eine Obergrenze von 8,4 Millionen für das Gesamtjahr verhängt. Die Überschreitung hat die Beamten in Neu-Delhi zum Eingreifen verleitet. Die Textilindustrie ist Indiens zweitwichtigster Arbeitgeber nach der Landwirtschaft. Die Preise in China, Indiens wichtigstem Kunden für Baumwolle, zogen sofort nach der Ankündigung um mehr als 1 Prozent an. Die Terminkontrakte auf Baumwolle legten um 4,5 Prozent zu.
Preiseffekt überschaubar
Von der Entscheidung in Neu-Delhi werden insbesondere Baumwollbauern in Amerika, dem größten Exporteur, und Australien profitieren. Australien ist der viertgrößte Exporteur von Baumwolle. Die Australier planen nun einen Anstieg ihrer Ausfuhr um 89 Prozent auf 955.000 Tonnen in diesem Fiskaljahr, das am 30. Juni endet. Im nächsten Fiskaljahr soll die Ausfuhr auf 1,1 Millionen Tonnen steigen. „Indien beschert uns eine Gelegenheit, unsere Märkte in Übersee auszubauen“, sagte Australiens Landwirtschaftsminister Joe Ludwig.
Da die Ernten rund um die Erde aber ausreichend sind, dürfte sich der Preisanstieg aufgrund des indischen Embargos mittelfristig im Rahmen halten. „Wir werden wohl keine immensen Anstiege erleben. Aber es wird nun eben auch keinen Rückgang der Preise geben“, sagte Abah Ofon, Analyst der Standard Chartered Bank in Singapur. Eine Wiederkehr der Rekordpreise aus dem März vergangenen Jahres erwarten die Marktbeobachter nicht. Damals kostete das Pfund Baumwolle 2,20 Dollar.
Das amerikanische Landwirtschaftsministerium hatte im Februar erklärt, China werde seine Einfuhr wegen der schwachen Nachfrage auf dem heimischen Markt um eine Million Ballen verringern. Die Bank Credit Suisse warnte in einer Analyse am Dienstag davor, dass der „Superzyklus“ der chinesischen Nachfrage nach Rohstoffen vor dem Ende stehe. Die Branchenvereinigung International Cotton Advisory Comittee schätzt, dass die Produktion der Baumwollfarmer die Nachfrage spätestens 2013 deutlich übersteigen werde. Dann sei mit fallenden Preisen zu rechnen.