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Agrarrohstoffe Heftige Preisschwankungen an den Getreidemärkten erwartet

15.12.2006 ·  Vor der nahenden Feiertagsruhe ziehen sich die kommerziellen Kräfte von den Terminbörsen zurück und überlassen Spekulanten die Szene. Erst danach dürften die Getreidemärkte wieder die Risiken für die Produktion im Preis berücksichtigen.

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Die Weizenpreise stehen vor allem an den amerikanischen Märkten seit Mitte Oktober unter Druck. Nicht wenige Fachleute halten dies aber nur für ein Zwischenspiel. In den nächsten Wochen könnten die Notierungen aus rein jahreszeitlichen Gründen zunächst einmal stark schwanken, weil sich die kommerziellen Kräfte wegen der nahenden Feiertagsruhe von den Terminbörsen zurückziehen. Sie überlassen dann der Spekulation, und hier vor allem den Termin- und Hedge-Fonds, die Szene.

Nach der Jahreswende muß nach Darstellung von Analysten mit abermaligem Preisdruck gerechnet werden, der sich bis Ende Februar/Anfang März fortsetzen könnte, wenn der Markt historisch gewachsenen saisonalen Verhaltensmustern folgen sollte.

Vorräte werden auf historische Tiefs fallen

Danach dürfte er beginnen, die 2007/08 (Juli/Juni) zu erwartenden Risiken für die Produktion im Preis zu berücksichtigen, denn im neuen Erntejahr steht es bei Weizen, aber auch bei Reis und Mais auf der Kippe. Es geht um die Frage, ob die Versorgung der Welt gesichert werden kann. Dabei greifen die Entwicklungen bei allen Getreiden ineinander, weil sie sich unter dem Aspekt ihrer Verwendung teils ergänzen und teils austauschen lassen. Ein Erntedebakel in nur einem bedeutenderen Erzeugerland oder viele kleine in verschiedenen Ländern könnten die Bilanzen an diesen Märkten aus den Angeln heben. Die Vorräte werden sich Ende 2006/07 in allen Fällen im Verhältnis zum Verbrauch auf historischen Tiefs bewegen.

Es liegen bereits erste, naturgemäß jedoch sehr vage Voraussagen zur Weizenproduktion im nächsten Erntejahr vor. Ausgehend von einer starken Zunahme der Anbaufläche für den bereits ausgebrachten Winterweizen auf der nördlichen Halbkugel, der der Saison 2007/08 zugerechnet wird, erwarten Experten einen kräftigen Anstieg der Weltproduktion.

Sorge über die Winterweizenernte in Teilen Chinas

Informa, ein privater Analysedienst, kündigt eine Rekordernte von 646 Millionen Tonnen an. Der Ertrag der Saison 2006/07 wird mit 594 Millionen Tonnen angegeben. Das amerikanische Landwirtschaftsministerium (USDA) weist die Ernte in der am 11. Dezember erschienenen Statistik mit nur 588,56 Millionen Tonnen aus. 2005/06 waren noch 619,27 Millionen Tonnen erzeugt worden. Das Ministerium erwartet, daß Weltverbrauch 2006/07 gegenüber der vergangenen Saison von 623,8 auf 615,2 Millionen Tonnen sinkt. Davon entfallen 104,28 Millionen Tonnen auf Futterweizen.

Während Fachleute die Angaben des USDA für 2006/07 in mehreren Punkten als wenig überzeugend und zu optimistisch bezeichnen, erklären sie zu der Produktionsprognose von Informa für 2007/08, es müßten schon ideale Witterungs- und Wuchsbedingungen herrschen, um die Ernte so hoch ausfallen zu lassen. Schon heute herrsche Sorge über die Winterweizenernte in Teilen Chinas, wo es lange zu trocken gewesen sei. Gleiches gelte für einige amerikanische Erzeugergebiete.

Mais und Sojabohnen im Wettbewerb um Flächen

Entscheidend dürfte aber sein, wie die inzwischen überwinternden jungen Pflanzen die kalte Jahreszeit überstehen. Für im Frühjahr auszubringenden Sommerernten auf der nördlichen Halbkugel wird von großer Bedeutung sein, wie sich dann die Preisverhältnisse zwischen allen Getreiden und Ölsaaten darstellen, die um die vorhandenen Anbauflächen konkurrieren. Der Wettbewerb um die Flächen hat bei Mais und Sojabohnen in Amerika bereits begonnen, doch wird sich auch Weizen mit fortschreitender Zeit an ihm beteiligen. Reis läuft hier wegen der besonderen Wuchsbedingungen zwar außer Konkurrenz, doch spielt er auf der Verbrauchsseite bei Weizen eine zunehmend wichtige Rolle. Da dieses Getreide sehr knapp ist, muß er durch andere Erzeugnisse ersetzt werden. Vor allem in Asien kommt hier besonders Weizen in Frage.

Kritische Stimmen meinen, dies werde weder vom USDA noch vom Internationalen Getreiderat (IGC) angemessen in den Verbrauchschätzungen für Weizen berücksichtigt. Gleiches gelte für den Bedarf an Futterweizen, da Futtergetreide im allgemeinen und Mais im besonderen 2006/07 noch knapper seien als Weizen. Fachleute erwarten daher, daß die Statistiken beider Institutionen für die laufende Saison noch erheblich revidiert werden müßten, um die wahre Versorgungslage widerzuspiegeln.

Quelle: gap., F.A.Z., 15.12.2006, Nr. 292 / Seite 28
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