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Agrarrohstoffe Bei Sojabohnen stehen die Zeichen auf Baisse

20.01.2006 ·  Agrarrohstoffe gelten bei einigen Analysten und zahlreichen Investoren als Geheimtipp für 2006. Doch das gilt nicht für alle gleichermaßen. Bei Sojabohnen sind die Aussichten derzeit eher trübe.

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Rohstoffe sind ein spekulatives Geschäft, das raschen Stimmungswechseln unterliegt. Dieser Umstand wird in Anbetracht der derzeitigen Hausse bei Industriemetallen gerne übersehen.

Der spekulative, kurzfristige und wankelmütige Charakter der Rohstoffmärkte kommt dagegen bei den Agrarrohstoffen viel deutlicher zum Tragen, bei denen eine langanhaltende Aufwärtsbewegung bislang ausgeblieben ist.

„Soft Commodities“ als Geheimtipp

Vor allem wohl aus diesem Grund meinen Experten nicht zu Unrecht, daß eine (spekulative) Hausse bei Agrarrohstoffen bevorsteht. Allerdings fehle noch der Katalysator für einen Höhenflug. Rohstoffexperte Ron Lawson von Logic Advisors sieht den Katalysator möglicherweise in dem bisher einzigen Agrarrohstoffpreis, dessen Hausse dem der Industriemetalle ähnelt. Seit Mai 2005 hat sich der Preis annährend verdoppelt, weil Äthanol als Treibstoffersatz aufgrund des hohen Ölpreises interessant wird.

Nun kann auch Mais kann zu Äthanol verarbeitet werden. Wird obendrein die Anbaufläche anderer Rohstoffe zugunsten von Zucker reduziert, könnte dies auf deren Preise durchschlagen. Vor allem aber sucht die überbordende Liquidität nach Investment-Alternativen deren Preise noch nicht zu sehr gestiegen sind.

Gute Versorgungslage drückt Sojabohnenpreis

Doch bislang ist es noch nicht soweit. Im Gegenteil: Betrachtet man etwa den Markt für Soja, so sieht es derzeit eher danach aus, daß die Preise weiter sinken werden. Nachdem es im Dezember so aussah, als ob der Preis nach oben ausbrechen wolle und die Kurse aus der vorangegangenen Seitwärtsphase ausgebrochen waren, sind sie praktisch mit dem Jahreswechsel stark unter Druck geraten. Der Mai-Kontrakt fiel beispielsweise von über 6,34 Dollar je Scheffel am 4. Januar auf zuletzt 5,675 Dollar.

Fundamentale und saisonale Faktoren sprechen dagegen, daß es gerade jetzt zu einer raschen Erholung kommt. Bei Ölsaaten im allgemeinen und Sojabohnen im besonderen ist die statistische Versorgungslage in der laufenden Saison 2005/06 (Oktober/September) weit entspannter als bei Futter- und Nahrungsgetreide. Das Landwirtschaftsministerium in Washington (USDA) hat die Weltsojaproduktion zuletzt auf den Rekordwert von 223,02 Millionen Tonnen geschätzt. Damit ergäbe sich ein Produktionsüberschuß, der den Weltbestand an der Ölsaat um 18 Prozent auf 53,15 Millionen Tonnen anwachsen ließe.

Überkapazitäten und Vogelgrippe in China

Hinzu kommt, daß nach Angaben des weltgrößten Sojahändlers Bunge der weltgrößte Sojabohnenkäufer China in diesem Jahr womöglich die Importe um 3,1 Prozent zurückfahren wird. Grund seien rekordhohe Lagerbestände. Nach Angaben von East Ocean Oils & Grains, dem Betreiber der größten Sojamühle Chinas, befinden sich derzeit 1,8 Million Tonnen importierter Sojabohnen in chinesischen Lagerhäusern. Ein Niveau von zwei Millionen Tonnen wird als exzessiv betrachtet.

Auch die Vogelgrippe wirkt sich negativ aus, da sie die Nachfrage nach Sojaschrot in China dämpft. Eine geringere Nachfrage nach Sojaschrot und -öl aber drückt auf deren Preis und damit die Margen der Ölmühlen und wiederum auf den Sojabohnenpreis. Nach Angaben von Bunge sind aber derzeit schon die Kapazitäten der Mühlen in China zu weniger als der Hälfte ausgelastet.

Amerikanische Farmer drücken Preise

Belastend wirken sich auch die weiterhin niedrigen Maispreise aus, die die amerikanischen Farmer unter Druck setzen. Diese könnten das Ende eines Zyklus ankündigen, in dessen Verlauf die amerikanischen Farmer die Anbaufläche bei Mais seit 2001 ständig ausgeweitet haben.

Auch saisonale Muster sprechen jetzt eher für sinkende Preise. Üblicherweise halten sich die amerikanischen Farmer gegen Ende eines Jahres aus steuerlichen Gründen mit Verkäufen aus ihren Vorräten zurück. Erst nach der Jahreswende geben sie wieder verstärkt physische Ware ab, nicht zuletzt wegen der nahenden Vorbereitungen für den Anbau der folgenden Sommerernten. Dies führt häufig zum sogenannten „February Break“, einem berüchtigten Preiseinbruch bei Getreide und Ölsaaten, da in diesem Monat die Abgabebereitschaft der amerikanischen Farmer ihren Höhepunkt erreicht.

Einige positive Aspekte gibt es auch, So könnte der Bedarf an Sojaschrot in China in diesem Jahr nach Schätzungen von Bunge um acht Prozent steigen, wohingegen die Ernte im Reich der Mitte wohl leicht niedriger ausfallen könnte. Andererseits könnte der Wegfall der Importquoten für Speiseöle die Nachfrage nach Palmöl zulasten von Sojaöl erhöhen.

Spekulation in Wartestellung

Noch ist aber nicht entschieden, ob die prognostizierten Ernten auch eingebracht werden können. Erst in den kommenden Wochen werden aus den Prognosen Tatsachen werden. Dies wirkt derzeit noch preisstützend. Zu einem Preisauftrieb könnte es demnach wohl nur dann kommen, wenn die Erntemengen niedriger ausfallen und der „February Break“ überstanden ist.

Im Falle einer extrem günstigen Konstellation lauert indes ein hohes spekulatives Potential. Meldungen, die auf Nachfrageüberhänge hinweisen könnten, rufen immer wieder Investoren auf den Plan, die auf eine Wiederholung der Rekordhausse von vor gut 30 Jahren hoffen, als der Scheffelpreis bis auf 13 Dollar stieg.

Und viele Marktteilnehmer lauern schon auf die Hausse, die sie herbeisehnen. Nachdem Rohstoffonds im Dezember noch erfolglos Baissepositionen angehäuft hatten, heißt es nun, daß sie auf die andere Seite gewechselt seien.

Das könnte dazu führen, daß dann fundamentale Gegebenheiten übersehen werden. Dies könnte die Notierungen über noch zu rechtfertigenden Grenzen hinaustreiben. Wie der Verlauf der Notierungen mancher Industriemetalle zu belegen scheint, können Blasen mitunter längere Zeit Bestand haben. Darauf verlassen sollte man sich aber nicht - die Rohstoffbörsen sind eben wetterwendisch - ganz besonders bei Agrarprodukten,

Die in dem Beitrag geäußerte Einschätzung gibt die Meinung des Autors und nicht die der F.A.Z.-Redaktion wieder.

Quelle: @mho mit F.A.Z./hi
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