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Agrarrohstoffe (1) Rohstoff-Händler befürchten eine knappe Kaffee-Ernte

04.01.2006 ·  Kaffee wird 2006 möglicherweise wieder für Schlagzeilen sorgen. Die Lage ist so angespannt, daß nennenswerte Ernteausfälle die Verknappungsfurcht wieder aufleben lassen und kräftige Preissteigerungen auslösen könnten.

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Kaffee wird im Jahr 2006 möglicherweise wieder für Schlagzeilen sorgen. Die statistische Lage ist so angespannt, daß nennenswerte Ernteausfälle die im alten Jahr zunächst aufgekommene Verknappungsfurcht wieder aufleben lassen und kräftige Preissteigerungen auslösen könnten.

Für Schlagzeilen war dieser Rohstoff auch in der Vergangenheit immer wieder gut. Meist ging es um Preissteigerungen, auf die die Verbraucher besonders in Deutschland in hohem Maße emotional reagieren können. Es ist aber auch gar nicht so lange her, daß dieses Genußmittel ins Rampenlicht gelangte, weil es zu billig erschien. Es wurden ganze Kampagnen mit dem Ziel lanciert, den Erzeugern in als arm bezeichneten Ländern höhere Erlöse zu verschaffen. Nicht gefruchtet haben allerdings die in den siebziger Jahren angestrengten und über Jahre hinweg verfolgten Bemühungen, den Produzentenländern im Rahmen der Internationalen Kaffee-Organisation (ICO) unter Mitwirkung der Verbraucherländer Preise zu gewährleisten, die als fair angesehen wurden. Sie sind letztlich daran gescheitert, daß sich die Erzeugerländer untereinander nicht einig waren und sich bei den Preisen gegenseitig unterboten haben, um eigene Marktanteile wenigstens zu halten.

Deutschland als traditionell bedeutender Importeur

Seit Ende der achtziger Jahre bilden sich die Kaffeepreise im freien Spiel der Marktkräfte. Unterschiede zwischen den führenden Gattungen Arabica, Robusta und Other Milds, die früher noch herrschten und die Gewichte am Kaffeemarkt je nach dem Grad der Verfügbarkeit verschieben konnten, haben an Bedeutung verloren. Als ein Grund dafür gilt ein Verfahren, das den Robustas die bei den meisten Verbrauchern wenig geschätzten Bitterstoffe entzieht und eine gewisse geschmackliche Annäherung an die milden Arabicas ermöglicht. Ferner wird mehr darauf geachtet, Robustas pfleglicher zu erzeugen und damit eine höhere Qualität zu erreichen, wie es bei den größtenteils in Lateinamerika erzeugten Arabicas aus Tradition geschieht.

Hinzu kommt, daß die Zahl der Großröster mit den Jahren zugenommen hat und daß diese die Gattungen je nach den herrschenden Einkaufspreisen mischen. Diese Großröster benötigen die unterschiedlichsten Kaffees in Mengen, die im allgemeinen keine große Differenzierung nach Qualitäten zulassen. Ihr Terrain ist der Weltmarkt, dessen Preise sich vor allem in London (Robustas) und in New York (Arabicas) bilden. Daneben besteht ein enger, wenig transparenter Spezialitätenmarkt für Kaffees ausgesuchter Herkunft und sorgsamer Behandlung seitens der Erzeuger. Sie sind in der Regel wesentlich teurer, als es die am Weltmarkt notierten Sorten aus dem Sektor der Massenwaren vermuten lassen. Deutschland gilt als traditionell bedeutender Importeur exzellenter Kaffees, die zum Großteil aus Mittelamerika und auch aus Afrika stammen.

Rohöl macht auch den Dünger teurer

Am Kaffeemarkt herrschten über Jahre hinweg zum Teil drückende Überschüsse. Sie ließen die Preise auf ein Niveau sinken, das die Erzeugungskosten der Bohnen kaum noch oder phasenweise überhaupt nicht mehr zu decken vermochte. Das schwankungsreiche Wachstum der Weltproduktion hat sich daher tendenziell nicht fortgesetzt. Daß sie nicht deutlich gesunken ist, begründen Fachleute mit dem Anbau ergiebigerer Kaffeesträucher in früheren Jahren. Es dauert etwa fünf bis sieben Jahre, bevor ein solcher Strauch seine volle Ertragskraft bringt.

Die für die Erzeuger mageren bis verlustreichen Jahre haben auch das Pflanzen neuer Sträucher begrenzt. Daraus wird geschlossen, daß die Folgen der Phase niedriger Preise wegen des Wachstumszyklus der Sträucher erst in einigen Jahren in Form geringerer Produktion richtig zutage treten. Auch ist zu beachten, daß die Kaffeeplantagen inzwischen wegen der kraß gestiegenen Kosten für Dünger und Pflanzenschutzmittel nicht mehr optimal bewirtschaftet werden können. Ursache für die Verteuerung dieser Mittel ist die zurückliegende Hausse bei Rohöl, ihrem Grundprodukt.

Frost kann Jahre nachwirken

Die Phase der hohen Überschüsse an Kaffee ist inzwischen vorüber. Produktionsdefizite haben bewirkt, daß die Vorräte auf ein als kritisch bezeichnetes Niveau abgebaut wurden. Nennenswerte Ernteausfälle könnten die Preise daher steil anziehen lassen, heißt es vielerorts. So kursierten zum Beispiel früh in diesem Jahr Vermutungen über einen drastischen, witterungsbedingten Rückgang der Erzeugung in Vietnam, das seit den frühen neunziger Jahren von einem kleinen Robusta-Produzenten zum führenden Anbieter dieser Gattung und zugleich zu dem nach Brasilien zweitgrößten Kaffeeproduzenten der Welt aufgestiegen ist. Die befürchteten Ausfälle dort trieben die Notierungen am Weltmarkt vorübergehend auf Höchststände, wie sie seit 1999 nicht mehr beobachtet worden sind. Inzwischen bewegen sie sich etwa in der Mitte der in den vergangenen 18 Monaten verzeichneten Hochs und Tiefs.

Wegen der nicht mehr so reichlichen Versorgung des Marktes gilt die Aufmerksamkeit besonders den Produktionsbedingungen in Brasilien, die zweijährigen Zyklen unterliegen und stark von den zwischen Mai und August sowie von September bis November herrschenden Witterungsverhältnissen abhängen. Fällt im brasilianischen Winter, der sich von Mai bis August hinzieht, in den Erzeugerregionen Frost ein, können die Kaffeepreise wegen der großen Bedeutung dieses Landes für die Versorgung der Welt explodieren. Solche Ereignisse sind zwar sehr selten, doch wenn sie eintreten, hinterlassen sie Spuren, die Jahre nachwirken können.

Prognose äußerst vage

In der laufenden Saison 2005/06 (von Oktober bis September) entsteht am Weltmarkt für Kaffee nach Erkenntnissen der ICO ein Produktionsdefizit. Die Erzeugung soll rund 108 Millionen Sack von je 60 Kilogramm erbringen. Ihr stehe ein Verbrauch von schätzungsweise 115 Millionen Sack gegenüber.

Im kommenden Rechnungsjahr erwartet die Organisation eine Welternte von 118 bis 122 Millionen Sack. Der Verbrauch könne dann bei 118 Millionen Sack liegen. Im günstigsten Fall würde daher der Weltvorrat wieder etwas zunehmen. Doch diese Prognose ist äußerst vage, weil zu diesem sehr frühen Zeitpunkt noch keine zuverlässigen Aussagen über den Ertrag möglich sind. Selbst die Prognose der ICO für die noch junge laufende Saison 2005/06 steht unter erheblichen Vorbehalten.

Quelle: gap., F.A.Z., 05.01.2006, Nr. 4 / Seite 21
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