06.04.2010 · Mit einem Kursgewinn von einem Prozent gegen den schwächelnden Euro reagiert der Kurs der australischen Währung auf die fünfte Leitzinserhöhung. Sie wird getragen von Zins- und Konjunkturerwartungen. Die Rückschlagsrisiken nehmen aber zu.
Mit einem Kursgewinn von einem Prozent auf 1,4510 Dollar gegen den etwas schwächelnden Euro reagiert der Kurs der australischen Währung auf die fünfte Leitzinserhöhung seit Januar des vergangenen Jahres. War das RBA Cash-Ziel damals auf ein Rekordtief von drei Prozent gesenkt worden, so wurde es am Dienstag um 25 Basispunkte auf nun 4,25 Prozent erhöht.
Diese Entwicklung kam nicht unerwartet. Denn die Zinserhöhungserwartungen der Anleger und der Spekulanten hatten dazu beigetragen, dass der australische Dollar sich in den vergangenen Monaten mit massiven Kursgewinnen vom Kursrückschlag während der Krise erholt und vor allem gegen den Euro seit Anfang des vergangenen Jahres mehr als 42 Prozent auf den höchsten Stand seit August des Jahres 1997 aufwertete. Dieser Aufwertungstrend ist weiterhin intakt.
Australischer Dollar wird getragen von Zins- und Konjunkturerwartungen
Er wird getragen vom langsam euphorisch werdenden Wirtschaftsoptimismus, der wiederum auf gigantische geld- und fiskalpolitische Stimulationsmaßnahmen in vielen Staaten der Welt zurückzuführen. Sie führten zu starkem Wachstum in Asien, das viele Rohstoffe aus Australien importiert. Da jedoch auch in Australien selbst sowohl Zentralbank als auch die Regierung stimulativ ins Wirtschaftsgeschehen eingriffen, hat sich die Konjunktur rasch und deutlich vom Rückschlag der Krise erholt.
Australiens Notenbank hat ihren Leitzins weitere Erhöhungen in Aussicht gestellt. Zentralbankchef Glenn Stevens erklärte, die Maßnahme sei ein „weiterer Schritt“ hin zu einem durchschnittlichen Zinsniveau. Die Zinserhöhung unterstreiche die Bedenken der Notenbank, dass ohne eine straffere Geldpolitik ein Anziehen der Inflation und der Häuserpreise drohe. Tatsächlich hatte der eh schon überhitzte australische Häusermarkt aufgrund der tiefen Zinsen und ausgeprägter monetärer und steuerlicher Vorteile innerhalb kürzester Zeit einen weiteren Boom auf hohem Preisniveau erfahren, obwohl es sich im Rahmend er Krise kaum abgekühlt hatte.
Noch im vierten Quartal des vergangenen Jahres verzeichnete die Anzahl der Baubeginne eine Wachstumsrate von etwas mehr als 15 Prozent. Die Baugenehmigungen lagen im Januar knapp 48 Prozent über dem Vergleichswert des Vorjahres. Im Februar des laufenden Jahres wurden zudem 17,1 Prozent mehr Autos verkauft als im Vorjahr. Gleichzeitig sprang der Arbeitsmarkt wieder an. Seit September des vergangenen Jahres wurden rund 100.000 neue Vollzeitstellen geschaffen. So kann es kaum verwundern, dass sich auch der Konsum robust entwickelt. Im Februar lagen die Konsumausgaben 3,4 Prozent über dem Niveau des Vorjahres, nachdem sie im vergangenen Jahr trotz Krise Wachstumsraten von bis zu acht Prozent verzeichnete hatten.
Die Kursrisiken nehmen allerdings immer weiter zu
Zusammen genommen hatte das zu steigenden Hauspreisen auf hohem Niveau und zu zunehmenden Inflationserwartungen geführt. In der vergangenen Woche hatte Stevens erklärt, die Häuserpreise in Australien „steigen zu sehr“. Im Rahmen der Zinsentscheidung vom Dienstag sagte er, das Zinsniveau liege für die meisten Kreditnehmer derzeit etwas unter dem längerfristigen Durchschnitt. Da sich das Wirtschaftswachstum im kommendem Jahr um das Trendniveau bewegen und sich die Inflation dem Zielniveau annähern dürfte, sei es angemessen, dass die Leitzinsen sich ebenfalls dem Durchschnittsniveau annäherten.
Das deutet auf weitere Zinserhöhungen hin. Genau diese Erwartung mag Marktteilnehmer zusammen mit einer starken Nachfrage aus dem Ausland nach den Rohstoffen des Landes und hohen Energie- und Rohstoffpreisen zu weiteren Wetten auf den starken australischen Dollar verführen. Auf der anderen Seite zeigen höhere Zinsen inzwischen zusammen mit Nachfragelücken, die auf das Auslaufen von Sondereffekten zurückzuführen sind, erste Bremsspuren. Denn die Nachfrage und die Vergabe von Wohnungsbaudarlehen geht längst wieder zurück. Sie fiel im Januar im Vergleich mit dem Vorjahr um knapp acht Prozent.
Insgesamt mag die australische Währung kurzfristig weiterhin vom allgemeinen Wirtschaftsoptimismus profitieren und weiter aufwerten. Mittel- und langfristig jedoch nehmen die Rückschlagsrisiken zu. Denn erstens ist die Währung überbewertete, während die höheren Zinsen die Entwicklung im Binnenmarkt dämpfen werden. Zweitens stellt sich die Frage, wie robust die Nachfrage aus China nach Energie und Rohstoffen bleiben wird. Das Land verfügt nicht nur über vergleichsweise hohe Lagerbestände, sondern es droht selbst zu überhitzen.
| Name | Kurs | Prozent |
|---|---|---|
| Gold | 1.569,50 $ | +0,06 % |
| Silber | 28,24 $ | +0,57 % |
| Platin | 1.430,00 $ | +0,92 % |
| Palladium | 592,00 $ | +0,34 % |
| Rohöl Brent Crude | 106,90 $ | +0,14 % |
| Gas | 0,53 £ | −0,56 % |
| Kaffee | 1,68 $ | +1,27 % |
| Zucker | 0,20 $ | +0,36 % |
| Orangensaft | 1,09 $ | +0,32 % |
| AMEX GOLD BUGS | 601,37 | -- % |
| AMEX OIL | 1.151,96 | -- % |
| Rogers International | 24,14 | +0,50 % |