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Devisen Der Yen lockt die Hedge-Fonds

02.02.2007 ·  Der Abstand zwischen dem superniedrig verzinsten Yen und höher verzinsten Währungen wie australischem Dollar oder türkischer Lira reizt zu Zins-Währungsgeschäften. Hedge-Fonds drehen damit schon seit Monaten ein großes Rad.

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Der Abstand zwischen dem superniedrig verzinsten Yen und höher verzinsten Währungen wie australischem Dollar oder türkischer Lira reizt zu Zins-Währungsgeschäften. Hedge-Fonds drehen damit schon seit Monaten ein großes Rad. Jetzt können sich auch Privatanleger über ein Zertifikat in solchen "Carry Trade"-Währungsspekulationen engagieren. Aber Vorsicht: Wegen ihrer volkswirtschaftlichen Auswirkungen sind diese Geschäfte politisch umstritten. Die Kontroverse entzweit derzeit die Finanzminister und Notenbankgouverneure der sieben führenden Industrienationen (G7). Die treffen sich am kommenden Freitag und Samstag in Essen. Der Ausgang des Streits ist ungewiss. Die Finanzmärkte blicken dem G-7-Treffen deshalb mit erheblicher Nervosität entgegen.

Carry Trades sind eigentlich nichts Neues. In der Grundform nimmt ein Investor dabei in einer niedrig verzinsten Währung einen Kredit auf und tauscht diesen Betrag in eine Währung mit höherem Zins um. Kredite werden derzeit vor allem in Yen mit seinem Leitzins von nur 0,25 Prozent aufgenommen sowie im Schweizer Franken zu kurzfristig rund 2 Prozent. Als Anlagewährung werden wegen ihrer hohen Zinsen unter anderem australischer und neuseeländischer Dollar genutzt, ferner der amerikanische Dollar, das britische Pfund und auch der Euro.

Carry Trades haben in letzter Zeit gewaltige Ausmaße angenommen

Neu ist allerdings das gewaltige Ausmaß, das Carry Trades in letzter Zeit angenommen haben. Genaue Zahlen gibt es zwar nicht, doch sind Schätzungen plausibel, denen zufolge Carry Trades Kapitalströme im Volumen von mehreren hundert Milliarden Dollar bewegen. Fachleute führen die teilweise extremen Bewertungen an vielen Aktien- und Anleihemärkten rund um den Globus auf die Flut an billiger Liquidität zurück - und sehen darin ein erhebliches Potential für einen Rückschlag, wenn nicht gar heftige Marktturbulenzen. So hat Jean-Claude Trichet, der Präsident der Europäischen Zentralbank, die Investoren unlängst gewarnt, es auf der Jagd nach Rendite mit dem Risikoappetit nicht zu übertreiben.

Werden im Zuge eines Carry Trades Yen verkauft, drückt dies dessen Kurs nach unten; gleichzeitig steigt der Kurs der Anlagewährung. Dieser Effekt hat den Euro zum japanischen Yen auf ein Rekordhoch getrieben und den Dollar auf ein Vierjahreshoch - und dies, obwohl Japan 2006 einen Leistungsbilanzüberschuss von rund 4 Prozent des Bruttoinlandsprodukts erwirtschaftet hat und der Yen deshab in der Tendenz eher aufwerten sollte. Auch zum Franken liegt der Euro auf Rekordniveau.

Mit Blick auf Arbeitsplätze und Wählerstimmen im Euro-Raum kritisieren europäische Politiker, dass die Yen-Schwäche den japanischen Unternehmen einen unfairen Wettbewerbsvorteil verschaffe. Sie legen den Japanern nahe, den Yen-Leitzins zu erhöhen, um so dem Yen Auftrieb zu verschaffen. Japanische Politiker halten dem entgegen, dass der Leitzins niedrig bleiben müsse, um die Wirtschaft zu stimulieren. Denn die Gefahr eines Wiederabgleitens in eine deflationäre Abwärtsspirale sei noch nicht gebannt.

Doch werden die superniedrigen Yen-Zinsen eben nicht nur von japanischen Unternehmen und Konsumenten genutzt, sondern auch von Hedge-Fonds, institutionellen Investoren - und zusehends auch privaten Anlegern. Schon seit längerem bieten Investmentbanken ihrer vermögenden Kundschaft Carry Trades an.

Risiko: Adverse Entwicklung des Wechselkurses

Größtes Risiko ist dabei für den Anleger, dass eine ungünstige Entwicklung des Wechselkurses den Gewinn aus der Zinsdifferenz schmälert oder in einen Verlust umschlagen lässt. Um dieses Risiko zu verringern, wird typischerweise in mehreren Niedrigzins-Währungen "finanziert" und in mehreren Hochzins-Währungen "angelegt".

Diesem Grundprinzip folgt auch das "G10 Carry Trade Index-Zertifikat", das die schweizerische Großbank UBS unlängst aufgelegt hat. Seit 1998 habe sich mit dieser Strategie im Durchschnitt eine Jahresrendite von 10,8 Prozent erzielen lassen, heißt es von Seiten der UBS.

Über ähnliche Renditen berichten auch

andere Häuser. Allerdings, warnt die UBS in den Verkaufsunterlagen, führten Carry Trades in Perioden, in denen die Risikoscheu der Investoren abnehme, "in der Regel zu Verlusten".

Hinter dieser Warnung steht, dass professionelle Carry Trader in steter Sorge vor Verlusten aufgrund einer für sie ungünstigen Wechselkursentwicklung sind. Derzeit wäre das zum Beispiel ein Rückgang von australischem Dollar oder Euro gegenüber Yen oder Franken. Schon ein geringer ungünstiger Ausschlag kann viele dieser Investoren "zum Ausgang stürzen" lassen - was die betroffene Währung dann erst recht unter Abwertungsdruck bringt. Dies wiederum erklärt, weshalb die Märkte dem G-7-Treffen so nervös entgegenfiebern. Denn sollten einige Politiker ihrem Unmut über Carry Trades und ihre Folgen deutlich Luft machen und womöglich Gegenmaßnahmen andeuten, dürfte dies die Risikoscheu schlagartig steigen lassen.

Quelle: F.A.Z., 03.02.2007, Nr. 29 / Seite 19
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