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Eine Erfolgsgeschichte : Als die D-Mark kam

Dicht gedraengt stehen deutsche Buerger am 20. Juni 1948, dem Stichtag der Währungsreform in den westlichen Besatzungszonen, in einer Umtauschstelle in Hamburg, um sich die neue Währung zu holen. Jedem Haushaltsmitglied standen 40 Deutsche Mark zu. Bild: AP

Die Währungsreform vor 70 Jahren hat Deutschland verändert: Auf einmal bekamen die Menschen wieder etwas zu essen. Danke, Ludwig Erhard!

          Das neue Geld gab es in Rathäusern, bei Ausgabestellen für Lebensmittel, mancherorts sogar im Ernährungsamt. Eine Art Starterpaket bekam jeder Bewohner der drei westlichen Besatzungszonen ohne West-Berlin an diesem Sonntagmorgen in die Hand gedrückt. Es umfasste in der Regel zwölf Geldscheine, der größte hatte einen Gegenwert von zwanzig Mark, der kleinste nur von fünfzig Pfennigen.

          Ralph Bollmann

          Korrespondent für Wirtschaftspolitik und stellvertretender Leiter Wirtschaft und „Geld & Mehr“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung in Berlin.

          Zusammen ergab das in jedem Fall eine Summe von 40 D-Mark, der neuen Währung, die von diesem 21. Juni 1948 an als alleiniges Zahlungsmittel dienen sollte: eine Art Begrüßungsgeld für die Ankunft in einer neuen Wirtschaftsordnung. „Wir haben alle mit 40 Mark angefangen“, so lautete noch Jahrzehnte später der egalitäre Gründungsmythos der alten Bundesrepublik.

          Als am Montag die Geschäfte öffneten, war das Wunder perfekt. Wo zuvor der Mangel zu besichtigen war angesichts leerer Regale und trauriger Auslagen, da kehrte über Nacht scheinbar das Schlaraffenland ein. Zum ersten Mal seit dem Kriegsende vor drei Jahren, ja seit dem Beginn der Zwangsbewirtschaftung vor fast einem Jahrzehnt, gab es wieder beinahe alles zu kaufen, ganz ohne Bezugsscheine, Lebensmittelkarten oder Zigaretten als Geldersatz. In der Erwartung der Währungsumstellung hatten viele Händler ihre Waren zuletzt sogar bewusst zurückgehalten. Im Tausch gegen das neue, offenbar vertrauenswürdige Geld boten sie nun alles wieder an.

          Vom Mangel zur Geburtsstunde der „sozialen Marktwirtschaft“

          Ziemlich genau 70 Jahre ist das nun her, und noch immer gilt dieser Tag als so etwas wie das eigentliche Gründungsdatum der Bundesrepublik. Es begann eine beispiellose Erfolgsgeschichte. Ein Land, das einen verbrecherischen Krieg vom Zaun gebrochen hatte und darin beinahe untergegangen war, verwandelte sich in den kommenden Jahrzehnten in ein politisch geachtetes und wirtschaftlich höchst erfolgreiches Gemeinwesen – so erfolgreich, dass vor allem die Unionsparteien in Zeiten der Verunsicherung gern daran anknüpfen möchten.

          Am nächsten Freitag feiert die Kanzlerin mit Wirtschafts- und Finanzminister „70 Jahre Soziale Marktwirtschaft“, die CDU/CSU-Bundestagsfraktion redet über die „Zukunft der Sozialen Marktwirtschaft“, und die CDU-Generalsekretärin bastelt an einem neuen Grundsatzprogramm, in dem das Thema einen breiten Raum einnehmen soll.

          Dabei sind einige Mythen im Spiel. Die Unionsparteien verwendeten den Begriff der „Sozialen Marktwirtschaft“ erst ein Jahr später, im Bundestagswahlkampf 1949. Wichtiger als die weithin unumstrittene Währungsreform waren andere Entscheidungen, die der spätere CDU-Politiker Ludwig Erhard als Wirtschaftsdirektor der westlichen Besatzungszonen nicht zum Gefallen aller Christdemokraten traf. Und bis sich der Erfolg in Form des viel gefeierten Wirtschaftswunders einstellte, sollten einige Jahre der Unsicherheit vergehen – wie bei vielen anderen Großreformen der Geschichte auch.

          Potential lag zunächst brach

          Von einem Aufschwung war das kriegszerstörte Deutschland in jenem Sommer 1948 weit entfernt. Zwar täuschte der äußere Eindruck der zerbombten Innenstädte. Die Industriebetriebe hatten weniger Zerstörungen davongetragen als die leicht entflammbare historische Bausubstanz. Es gab gut ausgebildete Arbeitskräfte, ihre Zahl hatte sich durch den Zuzug von Flüchtlingen und Vertriebenen aus dem Osten noch vermehrt.

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