28.04.2009 · Die Quartalsergebnisse der Dax-Konzerne werden zum Test für die Bärenmarktrally. Mit der Deutschen Bank und Daimler werden an diesem Dienstag zwei Hochkaräter den Auftakt machen. Vorab ließ das Finanzinstitut bereits durchblicken, gute Zahlen vorlegen zu können.
Von Hanno MußlerDie Nachricht kam um kurz nach 20 Uhr am Montag. Josef Ackermann bleibt für weitere drei Jahre an der Spitze der Deutschen Bank. Einen Tag vor der Bekanntgabe der Zahlen für das erste Quartal wurde sein Vertrag vom Aufsichtsrat des Instituts verlängert. Das konnte den Kurs der Aktie der Bank am Montag nicht mehr beeinflussen.
Die Verlängerung fällt aber in eine entscheidende Phase am Aktienmarkt. Nach sieben Wochen in Folge mit steigenden Kursen kommt es nun zur Bewährungsprobe. In den nächsten zwei Wochen werden zwei Drittel der dreißig Dax-Konzerne ihre Geschäftszahlen für das erste Quartal 2009 vorlegen. Mit der Deutschen Bank und Daimler sind schon an diesem Dienstag zwei Hochkaräter mit der Bekanntgabe ihrer Geschäftszahlen für das erste Quartal an der Reihe. Um ihre offenbar guten Zahlen und den verlängerten Vertrag von Ackermann angemessen zu präsentieren, lud die Deutsche Bank am Montag noch kurzfristig zu einer Pressekonferenz ein.
Viel geschmähtes Investmentbanking größter Treiber des Quartalsgewinns
Am Tag vor der Bekanntgabe der Quartalszahlen war die Aktie der Deutschen Bank mit einem Plus von 5,3 Prozent Tagesgewinner im Dax. Gerüchte, die Bank könne ihr altes Eigenkapitalrenditeziel von 25 Prozent vor Steuern erreichen, beflügelten den Kurs. Ackermann hatte am Rande einer Veranstaltung des Frankfurter Airport-Clubs darauf hingewiesen, dass erfolgreiche Banken im ersten Quartal Eigenkapitalrenditen um 25 Prozent erzielt hätten. Ackermann hatte nicht ausdrücklich die Deutsche Bank genannt, allerdings wurden seine Aussagen so interpretiert, dass auch die Deutsche zu diesen erfolgreichen Banken gehört haben dürfte.
Bei einem Eigenkapital von 32 Milliarden Euro müsste die Deutsche Bank für eine Eigenkapitalrendite um 25 Prozent im Jahr 2009 einen Vorsteuergewinn von 8 Milliarden Euro erzielen. „Das wären auf das erste Quartal heruntergebrochen rund 2 Milliarden Euro - die sehe ich nicht“, sagt Konrad Becker, Aktienanalyst des Bankhauses Merck Finck & Co. Becker rechnet mit einem Nachsteuerergebnis von knapp 800 Millionen Euro und einem Vorsteuergewinn der Deutschen Bank im ersten Quartal von 1,1 Milliarden Euro. Beckers Kollege Kian Abouhossein von JP Morgan rechnet mit einem Vorsteuerergebnis von 1,2 Milliarden Euro. Die meisten Analystenschätzungen liegen zwischen 1,1 und 1,2 Milliarden Euro für das Vorsteuerergebnis, nachdem die Deutsche Bank vor einem Jahr im ersten Quartal erstmals seit fünf Jahren einen Quartalsverlust gemacht hatte.
Gewinnrückgang von 38 Prozent für Dax-Unternehmen erwartet
Bankanalysten rechnen nun damit, dass das viel geschmähte Investmentbanking größter Treiber des Quartalsgewinns ist. Becker vermutet, dass die Deutsche Bank hat punkten können mit ihrer gerade von Staaten im ersten Quartal gesuchten Plazierungsstärke bei Anleiheemissionen. Der Eigenhandel, der im ersten Quartal 2008 einen Verlust von 1,6 Milliarden Euro und im vierten Quartal von 6,5 Milliarden Euro einbrachte, dürfte nach seiner Schätzung im ersten Quartal 2009 einen Gewinn von 725 Millionen Euro erzielt haben. Gespannt sind die Analysten, ob der Verlust im vierten Quartal 2008 in der eigentlich als stabil geltenden Sparte Vermögensverwaltung, hervorgerufen durch die Fondsgesellschaft DWS, ein einmaliger Ausrutscher war. Darüber hinaus erwartet Becker, dass die Deutsche Bank für Unternehmenskredite wegen der Rezession eine Kreditrisikovorsorge von 445 Millionen Euro treffen muss. Das wäre weniger als im vierten Quartal 2008 aber rund viermal so viel wie im ersten Quartal 2008.
Seit dem Tief Mitte März sind die Aktienkurse gemessen am Dax wieder um 28 Prozent geklettert. Auch der wichtigste Frühindikator, der Ifo-Geschäftsklimaindex, ist im April deutlich gestiegen und befindet sich nun auf dem höchsten Niveau seit Dezember 2008. Doch reale Daten deuten bisher kaum auf eine Stabilisierung der Volkswirtschaft hin. Die DZ Bank erwartet für die Unternehmen im Dax nach einem Gewinnrückgang von 38 Prozent im Jahr 2008 nun 2009 einen weiteren, wenn auch langsameren Gewinnrückgang von rund 4 Prozent. „Der Trend der Gewinnschätzungen für die Unternehmen durch die Analysten dürfte vorerst abwärtsgerichtet bleiben“, meint auch Gerhard Schwarz von Unicredt.
Gewinnerwartungen in allen Branchen deutlich verringert
Da aber zumindest langfristig die Aktienkurse durch die Erwartungen an die Gewinne der Unternehmen untermauert sein sollten, stellt sich die Frage, ob die Analysten ihre Gewinnschätzungen schon hinreichend verringert haben. „Wir erwarten, dass die Aktienmärkte nach den deutlichen Kursrückgängen in den vergangenen zwei Gewinnsaisons die kommenden Gewinnenttäuschungen relativ robust wegstecken werden, da ein Großteil der Investoren sehr negative Nachrichten erwartet“, sagt Andreas Hürkamp, Aktienanalyst der Commerzbank. Er erinnert an den Börsenspruch, „in Konjunkturkrisen sollten Anleger bei der dritten Gewinnwarnung kaufen“. Bei vielen Unternehmen wären enttäuschende Zahlen für das erste Quartal die dritte Gewinnenttäuschung in Folge. „Für Anleger mit einem Anlagehorizont von zwei bis drei Jahren könnte es sich auszahlen, bei Unternehmen wie Adidas, BASF, Daimler, Eon oder MAN bei enttäuschenden Meldungen Positionen auszubauen“, sagt Hürkamp.
Nach Daten der Commerzbank haben Aktienanalysten unter dem Eindruck der Krise inzwischen für alle Branchen ihre Gewinnerwartungen deutlich verringert. Zuletzt traf es auch Unternehmen aus eigentlich konjunkturresistenten Branchen wie Telekom und Versorger. Die Senkung der Gewinnerwartungen über alle Branchen hinweg spiegelt das Übergreifen der Finanzkrise auf die Realwirtschaft (siehe Grafik). Seit Ausbruch der Finanzkrise Mitte 2007 sind die Erwartungen an die Unternehmensgewinne 2009 für den Automobilsektor um 85 Prozent gefallen, für die Chemie um 27 Prozent und für die Industrie um 42 Prozent. „Mit dem Einbruch der Auftragseingänge werden die Gewinnerwartungen in diesen zyklischen Sektoren weiter fallen“, sagt Hürkamp voraus.
| Name | Kurs | Prozent |
|---|---|---|
| DAX | 6.339,94 | +0,38% |
| FAZ-INDEX | 1.377,69 | −0,11% |
| TecDAX | 752,47 | +0,08% |
| MDAX | 10.196,40 | −0,34% |
| SDAX | 4.817,28 | +0,29% |
| REX | 434,70 | −0,15% |
| Eurostoxx 50 | 2.161,87 | +0,25% |
| F.A.Z. EURO | 69,61 | +0,13% |
| Dow Jones | 12.454,80 | −0,60% |
| Nasdaq 100 | 2.527,05 | −0,17% |
| S&P500 | 1.317,82 | −0,22% |
| Nikkei225 | 8.580,39 | +0,20% |
| EUR/USD | 1,2515 | −0,14% |
| Rohöl Brent Crude | 106,90 $ | +0,14% |
| Gold | 1.569,50 $ | +0,06% |
| Bund Future | 144,35 € | +0,25% |