29.04.2009 · Die Deutsche Bank hat im ersten Quartal 2009 ordentlich Geld verdient. Viel Lob hat sie dafür in der Öffentlichkeit nicht erhalten. Man wirft Ackermann jene Sucht nach Rendite vor, die andere Banken in die Krise stürzte.
Von Gerald BraunbergerDie Deutsche Bank hat im ersten Quartal 2009 ordentlich Geld verdient, aber viel Lob hat sie dafür in der Öffentlichkeit nicht erhalten. Stattdessen wird auch von Politikern die Befriedigung des Vorstandsvorsitzenden Ackermann kritisiert, die von ihm früher als Ziel bestimmte Marke einer Eigenkapitalrendite von 25 Prozent vor Steuern wieder erreicht zu haben. Man wirft Ackermann jene Sucht nach Rendite und damit jene Hybris des Bankmanagers vor, die zur aktuellen Finanzkrise und zu dem schlechten Zustand vieler Banken geführt habe.
Die Kritik an Ackermann belegt, wie sehr den Leuten das Verständnis für erfolgreiches Wirtschaften abhandengekommen ist. Denn wie sieht die deutsche Bankenlandschaft in diesem Frühjahr 2009 aus? Von den großen Kreditinstituten befinden sich die Landesbanken mehrheitlich in einem beklagenswerten Zustand, der sie ohne umfangreiche Staatshilfen früher oder später umfallen ließe. Ähnliches gilt für die um die Dresdner Bank vergrößerte Commerzbank, die vom Staat Eigenkapitalhilfen über 18 Milliarden Euro erhält, von denen heute ebenfalls noch nicht klar ist, ob sie ausreichen werden. Und die Immobilienbank Hypo Real Estate wäre ohne den Staat längst umgekippt.
Das Geschäftsmodell macht den Unterschied
Die Deutsche Bank will im Unterschied zu vielen Konkurrenten im In- und Ausland ohne Staatsgeld auskommen, und zumindest bis heute ist ihr dies gelungen. Anstatt sich darüber zu freuen und den im ersten Quartal 2009 erzielten Gewinn als Beleg einer wiedergewonnenen und notwendigen Ertragskraft anzusehen, scheinen sich manche Geister über den Erfolg von Ackermanns Bank zu ärgern.
Wer Eigenkapitalrenditen von 25 Prozent als Beleg für die Gier übergeschnappter Banker versteht, sollte zur Kenntnis nehmen, dass in der deutschen Industrie häufig Renditen von 30 Prozent und mehr erzielt werden. Bisher hat noch niemand behauptet, die deutschen Industriekapitäne seien deswegen von Sinnen. Ob eine Eigenkapitalrendite von 25 Prozent ein realistisches Ziel für eine Bank darstellt, lässt sich nicht allgemein beantworten. Eine Bank mit einem überzeugenden Geschäftsmodell und einer starken Position in ihren jeweiligen Märkten mag eine solche Rendite erreichen, ohne übertriebene Risiken eingehen zu müssen. Banken ohne Geschäftsmodell wie die meisten Landesbanken haben für eine deutlich niedrigere Rendite Kopf und Kragen aufs Spiel gesetzt. Die Zeche wird der Steuerzahler aufbringen müssen.
Ackermann genießt Vertrauen und Ansehen
Aber auch in der Deutschen Bank wachsen die Bäume nicht in den Himmel. Das gute Ergebnis des ersten Quartals fiel vor allem im Investmentbanking an. Das ist die Sparte, die am frühesten in die Krise geriet, aber auch am ehesten wieder Zeichen der Erholung zeigt. Die Erträge im Investmentbanking unterliegen allerdings Schwankungen, und so darf das Ergebnis des ersten Quartals nicht einfach auf den Rest des Jahres fortgeschrieben werden. Deshalb ist der Aktienkurs am Dienstag auch gesunken; nachdem er seit Februar überdurchschnittlich stark gestiegen war.
Die aufsehenerregendste Nachricht aus der Deutschen Bank war jedoch nicht der Quartalsabschluss, sondern die Verlängerung des Vertrages von Ackermann bis zum Jahre 2013. Zuvor hatte der Schweizer häufig versichert, er werde im Frühjahr 2010 gehen. Ackermanns Verbleib ist das Ergebnis einer kurzfristigen Entscheidung, auf die offenbar große institutionelle Aktionäre der Bank gedrungen haben. Ackermann ist an den internationalen Kapitalmärkten angesehen; er genießt dort das Vertrauen, das ihm in der deutschen Öffentlichkeit versagt geblieben ist. Die personelle Stabilität mag sich für die Deutsche Bank gerade in der Krise als ein Vorzug herausstellen. Aber sie belegt auch, dass es der Führung der Bank nicht gelungen ist, rechtzeitig einen Kronprinzen aufzubauen, der im Hause wie gegenüber den großen Aktionären vermittelbar war.
Die Schwäche der Konkurrenten nutzen
Ackermanns Pflichtenheft sieht zunächst vor, die Bank unbeschadet durch eine Finanz- und Wirtschaftskrise zu steuern, deren Ende nicht abzusehen ist. Sie hat es in den vergangenen Monaten verstanden, die Schwäche von Konkurrenten zu nutzen und ihre Marktposition im Investmentbanking - das entgegen einem beliebten Vorurteil nicht nur aus einer Ansammlung von Spielkasinos besteht - auszubauen. In diesem Geschäftsbereich zählt die Deutsche Bank zu den vier größten Häusern der Welt, und hier liegt auch ihr größtes Ertragspotential. Denn auch nach den Exzessen der vergangenen Jahre werden Kapitalmarktgeschäfte zu den wichtigen Bestandteilen moderner Volkswirtschaften gehören. Eine weitere Aufgabe Ackermanns wird darin bestehen, die übrigen Geschäftsbereiche wie das Filialgeschäft und die Vermögensverwaltung, die stabilere Erträge garantieren, zu stärken.
Auf mittlere Sicht stellt sich die Frage, ob die Deutsche Bank unabhängig bleibt. Denn trotz aller Erfolge zählt sie nicht zu den 20 führenden Banken der Welt. Würde sie von einem ausländischen Institut übernommen, bestünde die deutsche Bankenlandschaft überwiegend aus Schwächlingen. Das ist keine verlockende Perspektive.
Gerald Braunberger Jahrgang 1960, Redakteur in der Wirtschaft, verantwortlich für den Finanzmarkt.
Jüngste Beiträge
| Name | Kurs | Prozent |
|---|---|---|
| DAX | 6.050,29 | −3,42% |
| FAZ-INDEX | 1.319,85 | −3,26% |
| TecDAX | 730,90 | −2,68% |
| MDAX | 9.870,46 | −2,73% |
| SDAX | 4.717,40 | −2,20% |
| REX | 439,15 | +0,37% |
| Eurostoxx 50 | 2.068,66 | −2,37% |
| F.A.Z. EURO | 67,11 | −2,09% |
| Dow Jones | 12.118,60 | −2,22% |
| Nasdaq 100 | 2.458,83 | −2,62% |
| S&P500 | 1.278,04 | −2,46% |
| Nikkei225 | 8.440,25 | −1,20% |
| EUR/USD | 1,2433 | +0,58% |
| Rohöl Brent Crude | 98,82 $ | −2,76% |
| Gold | 1.606,00 $ | +3,08% |
| Bund Future | 146,44 € | +0,36% |