27.07.2006 · Die Auswahl an Derivaten, mit denen Privatanleger auf erneuerbare Energien setzen können, wächst. Ethanol und Biodiesel sind für Börsianer längst keine Fremdwörter mehr. Mit dem hohen Ölpreis werden alternative Energieformen als Investments attraktiver.
Ethanol und Biodiesel sind für Börsianer längst keine Fremdwörter mehr. Denn mit dem hohen Ölpreis gewinnen alternative Energieformen an Attraktivität - und dies nicht nur als Energieersatz, sondern auch als Investmentidee. Mit dem Kauf von Derivaten können auch Privatanleger von solchen Trends profitieren. Einige Zertifikate erfassen relativ enge Themengebiete wie Biokraftstoffe.
Andere Finanzprodukte sind breiter aufgestellt, für diejenigen unter den Investoren, die angesichts der Endlichkeit fossiler Brennstoffe auf einen Wachstumsschub für erneuerbare Energien insgesamt setzen wollen. Die Derivate basieren auf Körben aus verschiedenen Aktien oder bilden die Preise für Rohstoffe wie Mais oder Zucker ab - Grundstoffe für die Herstellung von Ethanol.
Von Biomasse über Solarenergie bis Windkraft
Das Feld der erneuerbaren Energien ist weit und reicht von der Biomasse über Solarenergie bis hin zur Windkraft. Es schürt kräftige Kursphantasien, nicht zuletzt auch deshalb, weil solche Projekte in immer mehr Ländern von staatlicher Seite gefördert werden. Bereits 2005 waren die Aktien dieses Bereiches - allen voran Solarwerte - die Börsenfavoriten des Jahres. In diesem Jahr scheint sich eine ähnliche Entwicklung abzuzeichnen.
Mit einem Plus von fast 130 Prozent seit Jahresbeginn ist der Hamburger Windkraftanlagenbauer Nordex unter den Technologiewerten im Tec-Dax und zugleich im marktbreiten H-Dax führend. Auf Jahressicht steht bei Nordex sogar ein Kursaufschlag von 330 Prozent zu Buche. Für den zweitbesten Tec-Dax-Wert, Solarworld, ist es seither um gut 110 Prozent aufwärtsgegangen. Und der European Renewable Energy Index Erix, ein Mix aus zehn verschiedenen Aktien aus dem Bereich der erneuerbaren Energien, liegt zur Zeit 60 Prozent höher als noch vor einem Jahr.
Tankstellen-Infrastruktur fehlt noch
Viele Bereiche und mithin die dort aktiven Unternehmen stecken aber noch in den Kinderschuhen. Und noch ist nicht abzusehen, welche Formen der Energieerzeugung und -nutzung sich langfristig durchsetzen werden. Für den stärkeren Einsatz von Biokraftstoffen beispielsweise müssen die Motoren entsprechend ausgelegt werden, ferner muß eine entsprechende Tankstellen-Infrastruktur überhaupt erst geschaffen werden.
Die Einzelrisiken beim direkten Aktienkauf sind daher groß. „Generell ist der Bereich der erneuerbaren Energien durch stärker schwankende Kurse, also höhere Volatilitäten, gekennzeichnet“, sagt Frank Burkhardt von Societe Generale. Daher raten Fachleute interessierten Anlegern, die Risiken durch den Kauf von Zertifikaten oder Fonds breiter zu streuen und solche Investments allenfalls als kleine Portfoliobeimischung zu betrachten.
Zahl der Fonds noch überschaubar
„Bei den Rohstoffen kommt hinzu, daß der Preis und damit letztlich der Derivate-Kurs durch viele Einflußgrößen beeinflußt wird und daher schwerer einzuschätzen ist“, erläutert Dirk Heß von Goldman Sachs. So seien Zucker und Mais eben nicht nur Grundstoffe zur Gewinnung von Ethanol, sondern vor allem Nahrungs- und Futtermittel. Noch ist die Anzahl der Fonds und Zertifikate mit einem Schwerpunkt „erneuerbare Energien“ überschaubar.
Doch das Angebot wächst, denn die Nachfrage ist groß. Die Produkte unterscheiden sich häufig deutlich voneinander. Daher sollten Anleger beachten, welche Aktien in die Fonds oder Zertifikate einfließen und nach welchen Regeln sich im Zeitablauf gegebenenfalls deren Mischung verändern kann; ferner sollten sie auch die Kostenstrukturen genau unter die Lupe nehmen. Der größte Fonds ist der Merrill Lynch New Energy.
Soja und Raps zur Erzeugung von Biodiesel
Die meisten Derivate auf alternativen Energien finden sich bei der niederländischen ABN Amro und Societe Generale (siehe Tabelle). All diese Produkte basieren auf Aktienkörben. Es gibt aber auch Zertifikate, mit denen Investoren auf das engere Thema „Biokraftstoffe“ setzen können. Die Produkte von Goldman Sachs und UBS beziehen sich auf einen Korb von verschiedenen Rohstoffen, die zur Herstellung von Biokraftstoffen benötigt werden.
Darüber hinaus gibt es etliche Zertifikate und spekulativere Hebelpapiere, mit denen Anleger direkt auf erneuerbare Energien setzen können, nämlich auf Rohstoffe wie Mais und Zucker zur Ethanolgewinnung sowie Sojabohnen und Raps, die zur Erzeugung von Biodiesel benötigt werden. In der EU entfallen 80 Prozent der Biodiesel-Produktion auf Raps.
Währungsrisiken lauern
Auch die verschiedenen Kosten gilt es zu beachten: Bei den Derivaten fallen teilweise jährliche Managementgebühren an. Societe Generale beispielsweise rechtfertigt die bei allen Produkten zu diesem Themengebiet erhobenen Gebühren von 0,85 Prozent des Nominalwerts damit, daß die Titelauswahl und fortlaufende Indexpflege in Zusammenarbeit mit der SAM Group, einem Anbieter von Finanzprodukten im Bereich der Nachhaltigkeit, und dem Index-Anbieter Stoxx geschehe. Bei statischen Aktienkörben entfällt eine solche Gebühr freilich.
Die Behandlung der Dividenden ist unterschiedlich. Teils fließen sie dem Anleger in voller Höhe zu, teils werden sie in unterschiedlichem Maße einbehalten. Der Unterschied zwischen dem An- und Verkaufskurs der Papiere ist größer als bei normalen Indexprodukten. Auch Währungsrisiken gilt es zu beachten. Denn die Rohstoffe notieren in Dollar, die Derivate hingegen in Euro. Zwar gibt es auch währungsgesicherte Derivate („Quanto“), eine solche Absicherung geht freilich zu Lasten der Rendite.
| Name | Kurs | Prozent |
|---|---|---|
| DAX | 6.339,94 | +0,38% |
| FAZ-INDEX | 1.377,69 | −0,11% |
| TecDAX | 752,47 | +0,08% |
| MDAX | 10.196,40 | −0,34% |
| SDAX | 4.817,28 | +0,29% |
| REX | 434,70 | −0,15% |
| Eurostoxx 50 | 2.161,87 | +0,25% |
| F.A.Z. EURO | 69,61 | +0,13% |
| Dow Jones | 12.454,80 | −0,60% |
| Nasdaq 100 | 2.527,05 | −0,17% |
| S&P500 | 1.317,82 | −0,22% |
| Nikkei225 | 8.580,39 | +0,20% |
| EUR/USD | 1,2515 | −0,14% |
| Rohöl Brent Crude | 106,90 $ | +0,14% |
| Gold | 1.569,50 $ | +0,06% |
| Bund Future | 144,35 € | +0,25% |