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Donnerstag, 20. Juni 2013
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Dax Jede Sekunde zählt

 ·  Der Dax ist schneller als bisher. Seit Montag wird er jede Sekunde neu berechnet. Bislang war dies noch alle 15 Sekunden der Fall. Doch Privatanlegern hilft das nicht weiter, die neue Taktung bringt vor allem den Banken einen praktischen Nutzen.

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Um einen Werbespot wirkungsvoll zu gestalten, braucht es manchmal nicht viel mehr als eine Sanduhr und blauen Sand. Mit diesen einfachen Mitteln erklärte die Deutsche Börse in den letzten Tagen des vergangenen Jahres den Fernsehzuschauern kurz vor der „Tagesschau“, worin der Unterschied zwischen 15 Sekunden und einer Sekunde besteht. Zunächst lief das blaue Häufchen in gemächlichem Tempo in die untere Hälfte. Dann wurde die Uhr umgedreht - und alles landete auf einmal im Untergeschoß. Dazu die Botschaft: Vom 2. Januar an wird der Dax jede Sekunde neu berechnet. Bislang war dies alle 15 Sekunden der Fall.

Der Auftritt ist gelungen und die Botschaft angekommen - doch was gut ist für das Image der Börse und den Bekanntheitsgrad ihres wichtigsten Kursbarometers, kann als Fakt an sich dem Privatanleger eigentlich ziemlich gleichgültig sein. Den praktischen Nutzen aus dieser höheren Taktfrequenz ziehen nämlich vor allem die Banken in ihrem Eigenhandel. Für automatisierte Anlageprogramme, die in rascher Folge Kauf- und Verkaufsaufträge an den Markt geben, sobald bestimmte technische Parameter erfüllt sind, ist die Beschleunigung tatsächlich eine Steilvorlage. Mehr Daten, das könnte auch mehr Kauf- und Verkaufsentscheidungen bedeuten, und das wiederum würde der Deutschen Börse mehr Umsatz und mehr Ertrag bringen. Schließlich lebt die Herrin über den Dax, die Börse, zum überwiegenden Teil vom lebhaften Handel auf dem Marktplatz, den sie betreibt.

Ein theoretischer Fall

Die von der Deutschen Börse gleichzeitig aufgeführten Vorteile für Emittenten von Zertifikaten und Optionsscheinen und deren Kundschaft scheinen dagegen ins Leere zu laufen. So kann man etwa in der Zertifikateabteilung der Düsseldorfer Bank HSBC Trinkaus & Burkhardt das neue Glück einer erhöhten Attraktivität des Dax nicht nachvollziehen. „Unsere Absicherung läuft im Derivatebereich über Futures, deshalb hat die Änderung in unserem Haus keinen Einfluß“, sagt ein Sprecher.

Auch in der Zertifikateabteilung der Hypo-Vereinsbank kann man keinen gesteigerten Nutzen für die Privatanleger erkennen. Selbst bei dem Erreichen irgendwelcher Schwellen in Konstruktionen wie Bonuszertifikaten sei es im Prinzip egal, ob der Dax alle 15 Sekunden oder jede Sekunde berechnet wird. Daß eine solche Wertschwelle für weniger als 15 Sekunden über- oder unterschritten werde, sei wohl eher ein theoretischer Fall.

Ein Schalter umlegen

Immerhin hat es nach Angaben der Deutschen Börse nicht viel Arbeit gemacht, die Taktfrequenz zu erhöhen, in der die Kursentwicklung der 30 wichtigsten deutschen Standardwerte zusammengefaßt wird. Ein Schalter wurde umgelegt - mehr soll es nicht gewesen sein. Und warum geschah das nicht schon vor einem Jahr oder vor fünf Jahren? Alles eine Frage des Bedarfs, lautet die Antwort. Erst war er nicht gegeben, jetzt ist er da. „Das ist eine von vielen Neuerungen, mit denen die Deutsche Börse ihren Leitindex für den deutschen Aktienmarkt weiterentwickelt - die Indexberechnung hält Schritt mit der Geschwindigkeit im Handel“, bemüht sich ein Sprecher der Börse sogar, dieser Umstellung fast schon einen unspektakulären Anstrich zu geben.

Dabei kann die Deutsche Börse immerhin nun aller Welt zeigen, daß sie zu den bedeutendsten und liquidesten Aktienmärkten der Welt gehört. So viel Umsatz findet im Dax statt - und übrigens auch im Nebenwerteindex M-Dax und im Technologiewerteindex Tec-Dax, was in der Werbung etwas untergegangen ist -, daß eine sekündliche Zusammenfassung des Handels nicht im Ansatz ein Problem darstellt. Die Börse beispielsweise in Reykjavjk hätte es da sicher schwerer. So befindet sich die Deutsche Börse jetzt auf Augenhöhe mit dem amerikanischen Marktindex S&P 500 und dem Schweizer SMI - die waren dann aber doch etwas schneller bei der Erhöhung der Berechnungsgeschwindigkeit auf den Sekundentakt.

Quelle: F.A.Z., 04.01.2006, Nr. 3 / Seite 17
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