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Corporate Governance Schlechte Führungsregeln kosten Aktionäre Geld

15.06.2005 ·  Das Corporate Governance läßt in einigen Dax-Unternehmen zu wünschen übrig, so die Fondsgesellschaft Union Investment. Es gibt eine klare Verbindung zwischen Wertentwicklung und Unternehmensführung.

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Die Regeln für die Unternehmensführung lassen in einigen der 30 Dax-Gesellschaften zu wünschen übrig - zum Leidwesen der Aktionäre. Das behauptet zumindest die Fondsgesellschaft Union Investment, die sich mit der Güte der Unternehmensführung der Dax-Unternehmen, der sogenannten Corporate Governance, auseinandergesetzt hat.

Dabei hat sich die Union insgesamt vier Bereiche angesehen: die Aktionärsrechte, die Regeln für Vorstand und Aufsichtsrat sowie die Transparenz des Unternehmens. Die Qualität der Führung hat die Fondsgesellschaft dann mit der Kursentwicklung der Aktien der betreffenden Unternehmen verglichen. Das Ergebnis ist für Jens Wilhelm, Leiter des Aktienfondsmanagements der Union, eindeutig: „Eine hohe Qualität der Unternehmensführung erhöht die Wahrscheinlichkeit einer überdurchschnittlichen Aktienkursentwicklung deutlich.“

Auch der Vorstand war ein Qualitätskriterium

Um den Zusammenhang zwischen guter Unternehmensführung und Aktienkursentwicklung herzustellen, hat die Union in einem ersten Schritt die Dax-30-Unternehmen auf die für die Fondsgesellschaft maßgeblichen Kriterien untersucht. So bekamen Unternehmen gute Noten, wenn sie keine Einschränkung der Stimmrechte und der Übertragbarkeit der Aktien beispielsweise durch vinkulierte Namensaktien, Mehrfachstimmrechte, goldene Aktien oder Sperrminoritäten vornahmen. Zudem gab es gute Noten für eine Übertragung der Hauptversammlung über das Internet, eine dauerhafte Veröffentlichung der Abstimmungsergebnisse und der Fragen und Antworten der Aktionäre sowie die Zulassung von weisungsgebundenen Stimmrechtsvertretern.

Auch der Vorstand war ein Qualitätskriterium der Union-Untersuchung: So wurden hier die Höhe und Ausgestaltung der Vergütung und deren Offenlegung ebenso berücksichtigt wie die Zahl externer Aufsichtsratsmandate der Vorstandsmitglieder. Die Vergütung des Aufsichtsrates floß ebenso in die Bewertung ein wie die Regelungen zur Zusammensetzung des Aufsichtsrates. Als letztes Bewertungskriterium wurde die Transparenz des Unternehmens herangezogen - so bekamen Unternehmen gute Noten für die Qualität der Geschäftsberichte und Zwischenberichte, die Auskunftsbereitschaft gegenüber Investoren und die Berichterstattung über den Umgang mit den Empfehlungen des deutschen Corporate-Governance-Index.

Zusammenhang zwischen Wertentwicklung Unternehmensführung

Für jedes Kriterium konnte ein Unternehmen eine bestimmte Punktzahl erzielen, die Summe der gewichteten Punkte wurde dann zu einer Gesamtnote verdichtet, die eine Aussage über die Qualität der Regeln für die Unternehmensführung geben soll. Insgesamt haben die Union-Experten drei Gruppen von Dax-Unternehmen identifiziert: In der Spitzengruppe der Unternehmen mit der besten Unternehmensführung finden sich die Deutsche Telekom, die Deutsche Börse, Bayer, Continental und RWE, die Schlußlichter in Sachen guter Unternehmensführung sind der Union zufolge Linde, Eon, die Münchener Rück, Adidas-Salomon und Volkswagen. Die restlichen Dax-Unternehmen sind im breiten Mittelfeld gelandet. Der Vergleich der Gesamtnote für die Unternehmensführung zeigt Wilhelm zufolge einen deutlichen Zusammenhang zwischen Wertentwicklung der Aktie und der Güte der Unternehmensführung: Die Unternehmen der Spitzengruppe schlagen von Ende 2003 bis April 2005 den Dax deutlich, während die Schlußlichter in Sachen Unternehmensführung ihren Aktionären eine im Vergleich zum Dax unterdurchschnittliche Wertentwicklung bescherten. Diesen Zusammenhang könne man auch für die Zeiträume seit Ende 2001, Ende 2002 und Ende 2003 nachweisen, sagt Wilhelm.

Allerdings gibt es auch Ausreißer: Die Deutsche Telekom, die in Sachen Unternehmensführung die beste Note erzielte, schnitt schlechter ab als der Dax, wohingegen Adidas mit der zweitschlechtesten Bewertung unter den Dax-Unternehmen den Dax seit 2003 geschlagen hat. Dies sei angesichts von Branchenentwicklungen unvermeidbar, schmälere aber nicht die Erkenntnis der Studie, glaubt Wilhelm: „Eine professionelle Unternehmensführung erhöht die Erfolgsaussichten der Unternehmen und damit auch der Anleger.“

Quelle: hbe. / F.A.Z., 16.06.2005, Nr. 137 / Seite 21
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