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Computerpanne : Technikprobleme legen Nasdaq-Börse lahm

Stillstand an der Nasdaq Bild: dpa

Der Handel an Amerikas zweitgrößter Aktienbörse wurde am Donnerstag wegen eines technischen Fehlers für mehr als drei Stunden unterbrochen. Damit setzt sich die Pannenserie an den großen Börsen fort.

          Die Finanzmärkte werden immer anfälliger für Computerpannen. Am Donnerstag wurde der Handel an der zweitgrößten amerikanischen Aktienbörse wegen eines zunächst nicht näher definierten „technischen Fehlers“ mehr als drei Stunden lang unterbrochen. Davon betroffen waren Tausende amerikanische Aktienwerte und andere Wertpapiere wie Optionen, die an der elektronischen Börse notiert sind. Zu den bekanntesten Titeln der von Technologieaktien dominierten Nasdaq gehören Börsenschwergewichte wie der Elektronikkonzern Apple oder der Softwarehersteller Microsoft. Kurz vor Börsenschluss wurde der Handel wieder aufgenommen.

          Norbert Kuls

          Freier Autor in der Wirtschaft.

          Trotz der Panne legten die großen Börsenbarometer Dow Jones Index, S&P 500 und die Indizes der Nasdaq gegenüber dem Vortag leicht zu. Wegen der Panne an der Technologiebörse wurde auch an anderen Börsen der Handel mit jenen Aktien zeitweise ausgesetzt, die an der Nasdaq notiert sind. Rund ein Viertel des gesamten Handelsvolumens amerikanischer Aktien entfällt auf Titel an der Nasdaq. Neben dem Dow Jones und dem breiter gefassten Aktienindex S&P 500 zählt der Nasdaq Composite Index zu den wichtigsten Aktienmarktbarometern der Vereinigten Staaten.

          Problem in einer Datenleitung

          Nach ersten Angaben der Börsenbetreiber entstand das Problem in einer Datenleitung, die Marktinformationen über Nasdaq-Aktien übermittelt. Details wurden zunächst nicht bekannt. „Wir beobachten die Situation und befinden uns in engem Kontakt mit den Börsen“, teilte ein Sprecher der Börsenaufsicht SEC mit. Der Handel an der Nasdaq wurde um 12.14 Uhr New Yorker Zeit ausgesetzt. Eine halbe Stunde vor Handelsschluss um 16 Uhr New Yorker Zeit lief der Handel wieder an. Handelsaufträge, die in den drei Stunden währenden Zeitraum der Panne fielen, wurden gestrichen. Kaum eine Stunde vor der Handelsunterbrechung an der Nasdaq hatte auch der führende amerikanische Börsenkonzern Nyse Euronext technische Probleme mit dem Handel bestimmter Aktien gemeldet, die an der elektronischen Börse Arca, einer Tochtergesellschaft der Nyse, gelistet sind. Sie führten aber nicht zu einem Handelsstopp wie an der Technologiebörse.

          „Es ist ein großes Problem“, kommentierte Sal Arnuk, Händler des Wertpapierhauses Themis Trading, der als Kritiker des extrem schnellen Computerhandels bekannt ist. Arnuk bezeichnete die Unterbrechung des Handels an der Nasdaq als „Flash Freeze - Blitzstarre“ und schlug damit einen Bogen zum sogenannten Blitzcrash an den amerikanischen Börsen im Mai 2010. Damals war der Dow Jones binnen Minuten ohne offensichtlichen Grund dramatisch abgesackt, hatte sich allerdings genauso schnell wieder erholt. Die SEC hatte in einem Ermittlungsbericht später den computergestützten Verkauf von Terminkontrakten durch eine große Fondsgesellschaft für das Auslösen einer negativen Kettenreaktion verantwortlich gemacht. An der Wall Street halten sich Gerüchte, dass Computerprogramme von sogenannten Hochfrequenzhändlern zum Blitzcrash beigetragen haben. Auf diese Handelsfirmen, deren Computer Aktien in Millisekunden handeln, entfallen gut zwei Drittel des Handelsvolumens an amerikanischen Börsen. Seit dem Blitzcrash hat die anhaltende Pannenserie an den amerikanischen Börsen Anleger zunehmend verunsichert, weil sie die Stabilität der komplexen und eng miteinander verbundenen Finanzmärkte in Frage stellt.

          Immer wieder Softwareprobleme

          Erst im April hatten Softwareprobleme den Handel an der großen Optionsbörse CBOE in Chicago mehr als drei Stunden lang lahmgelegt. Vor einem Jahr machte der große Börsenmakler Knight aufgrund eines Softwarefehlers hohe Verluste und geriet in Schieflage. Damals war es an der New Yorker Börse Nyse zu Kursturbulenzen und ungewöhnlich hohen Handelsumsätzen gekommen. Im März des vergangenen Jahres hatte die elektronische Börse Bats, die Nummer drei der Branche, den eigenen Börsengang nach technischen Schwierigkeiten mit einer neuen Software abgesagt. Zwei Monate später folgte das Debakel beim Börsengang des Internetunternehmens Facebook an der Nasdaq. Der Handel von Millionen von Facebook-Aktien war davon betroffen. Am Dienstag dieser Woche führte ein Programmierfehler der Investmentbank Goldman Sachs zu einer Welle ungewollter Aufträge im Markt für Optionen auf Aktien und börsennotierte Fonds geführt.

          Nach Einschätzung von Kritikern sind die Computerfehler eine Folge des technologischen Wettbewerbs unter den Handelsplätzen, die für Hochfrequenzhändler attraktiv sein müssen. Kritiker bemängeln seit geraumer Zeit eine zu fragmentierte Börsenlandschaft in Amerika. Neben Termin- und Optionsbörsen sowie den größten Aktienmärkten Nyse und Nasdaq gibt es elf weitere Börsen.

          Quelle: Reuters/DPA/Bloomberg

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