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Chinas Renminbi Auf dem Weg zur neuen Weltwährung

 ·  Den Aufstieg von einer Handels- zu einer Anlagewährung hat der chinesische Renminbi bereits vollzogen. Und wenn es nach den Analysten von Allianz Global Investors geht, dann wird aus ihm auch bald eine Weltreservewährung.

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Das heutige China erinnert, wie Stefan Scheurer, Senior Analyst der Kapitalmarktanalyse von Allianz Global Investors in einer aktuellen Studie bilanziert, sehr stark an die Vereinigten Staaten von Amerika zu Zeiten „Bretton-Woods“, als der Dollar zur Weltreservewährung aufstieg: Neben einem Leistungsbilanzüberschuss wies Amerika auch ein geringes Haushaltsdefizit aus, entwickelten sich zu dieser Zeit zum Exportweltmeister und im Vergleich zu anderen Staaten war die Verschuldung relativ gering (siehe Grafiken).

Vor diesem Hintergrund stellt sich die Frage, ob sich die Geschichte wiederholt und der chinesische Renminbi (RMB) zur neuen Weltwährung wird? Der Weg dorthin scheint zumindest geebnet, glaubt Scheurer. Denn zusätzlich zu den oben genannten Punkten verfüge das Reich der Mitte per Ende 2011 mit 3,2 Billionen Dollar über die weltweit größten Devisenreserven. Fast 3 Billionen Dollar davon seien in den vergangenen zehn Jahren angehäuft worden. Anders ausgedrückt bedeute das, dass die Devisenreserven Chinas pro Sekunde um mehr als 14.000 Dollar stiegen. Das heiße aber auch, dass Chinas Abhängigkeit vom Dollar umso größer werde, je höher China eigene Devisenreserven aufgrund von Exportüberschüssen auftürme. Letztlich ist dies das Resultat einer stark exportgetriebenen Wirtschaft, erklärt Scheurer (siehe Grafiken).

Gleichzeitig scheine strukturell betrachtet in China eine neue Phase der Wirtschaftstätigkeit eingeläutet zu sein. China stelle mittlerweile mit knapp 1,4 Milliarden Menschen nicht nur rund 20 Prozent der Weltbevölkerung, sondern habe 2010 knapp 14 Prozent der globalen (kaufkraftadjustierten) Wertschöpfung erwirtschaftet. Der Economist Intelligence Unit zufolge dürfte Chinas Anteil am globalen Bruttoinlandsprodukt bis 2015 weiter auf rund 17 Prozent steigen und 2050 sollte China nach Schätzungen der Asian Development Bank vermutlich Amerika und Europa überholen. Zudem scheine der Weg für eine Neuausrichtung Chinas im aktuellen Fünfjahresplan geebnet worden zu sein: Weg von einem stark exportlastigen Wirtschaftswachstum hin zur Stärkung des inländischen Konsums. Sollte die Rebalancierung des Wirtschaftswachstums der chinesischen Regierung gelingen, dürfte China wirtschaftlich gesehen weiter auf dem Vormarsch sein, glaubt Scheurer. Davon sollte vor allem auch die chinesische Währung, der Renminbi, profitieren, indem diese gegenüber anderen Währungen weiter aufwertet.

Chinesische Währung wertet moderat, aber stetig auf

Um Chinas Wachstum von einer rein exportorientierten Wirtschaft hin zu einem nachhaltigen, konsumgetriebenen Wirtschaftswachstum zu verlagern, lasse die Zentralbank (People’s Bank of China, PBoC) eine leichte Aufwertung ihrer Währung zu. Es ist allerdings eine Politik der kleinen Schritte. Es zeichne sich jedoch eine langsame Öffnung gegenüber dem internationalen Kapitalmarkt ab, mit dem Ziel, am Ende den Renminbi frei konvertierbar zu machen.

Um die lokale Industrie vor einer schlagartigen Aufwertung zu schützen, ermögliche die chinesische Regierung schon jetzt ausländischen Investoren den kontrollierten Zugang zur chinesischen Währung. Unter anderem geschehe das auch über die Auflegung von in Renminbi denominierten Anleihen. Die Regierung in Peking zeige zudem großes Interesse an der Öffnung des lokalen Kapitalmarktes, da sie es sich zum Ziel gemacht habe, Schanghai bis 2020 als internationale Finanzmetropole zu positionieren. Die Zentralbank dürfte daher die Möglichkeiten, in den Renminbi zu investieren, weiter vereinfachen und auch die Handelsspanne, in der der Renminbi gehandelt wird, kontinuierlich ausweiten, prognostiziert Scheurer.

So habe die PBoC auf ihrer Webseite erst kürzlich ankündigt, dass sie grenzüberschreitende Handelstransaktionen in Yen im ganzen Land weiter ausdehnen werde. Dies dürfte in Verbindung mit dem Wirtschaftswachstum langfristig zu einer kontinuierlichen Aufwertung und zur Liberalisierung der chinesischen Währung führen. Dazu führt Scheurer folgendes Beispiel an: Seit China den Wechselkurs im Juni 2010 wieder freigab, hat der RMB um über 8 Prozent aufgewertet und einen Allzeithöchststand von unter 6,30 Renminbi zum Dollar getestet. Im Vergleich zum Jahr 2005, in dem der RMB vom Dollar abgekoppelt wurde, hat die chinesische Währung gegenüber dem Greenback um rund 25 Prozent aufgewertet (siehe Grafiken).

Nutzung als Handelswährung wird rasch vorangetrieben

Dass sich der Renminbi bereits zu einer regionalen Handelswährung entwickelt habe, zeige das in Renminbi denominierte grenzüberschreitende Handelsvolumen. Es habe sich per Ende 2010 auf 506 Milliarden belaufen, wenngleich es sich größtenteils um Handelstransaktionen innerhalb der Region gehandelt habe. Das Wachstumstempo sei jedoch atemberaubend, da China erst Mitte 2009 Handelstransaktionen in Renminbi zugelassen habe. In den ersten drei Monaten des Jahres 2011 habe das Volumen der in RMB denominierten grenzüberschreitenden Handelstransaktionen bereits höher als im Jahr 2010 insgesamt gelegen. Damit habe sich das Handelsvolumen vervierfacht!

Um die Nutzung des Renminbis als globale Handelswährung voranzutreiben, sei vor kurzem in Hongkong ein Offshore- Renminbi-Interbankenmarkt eingerichtet worden. Das Volumen der Renminbi-Einlagen in Hongkong sei parallel zum Handelsvolumen in die Höhe geschnellt und habe im dritten Quartal 2011 die Schwelle von 600 Milliarden Renminbi erreicht. Gleichzeitig habe sich auch das Volumen des Rentenmarkts – vor allem in der zweiten Jahreshälfte 2010 – beträchtlich ausgeweitet. Das kräftige Wachstum sei nicht zuletzt auf staatliche Unterstützung in Form umfangreicher Anleiheemissionen mit staatlichem Hintergrund zurückzuführen; außerdem hätten internationale Unternehmen wie etwa McDonald’s, Caterpillar oder Volkswagen Anleihen begeben. Mit einer gesamten Marktkapitalisierung in Höhe von 170 Milliarden Renminbi stecke der Offshore-Renminbi-Rentenmarkt jedoch noch in den Kinderschuhen.

„Den Fluss überqueren, indem man nach den Steinen tastet“

Gemäß dem Deng Xiaoping Leitspruch „Den Fluss überqueren, indem man nach den Steinen tastet“ dürfte die Internationalisierung des Renminbis mehrere Jahre in Anspruch nehmen, erwartet Scheurer. Ein solches Herantasten oder die Anzeichen einer zunehmenden Liberalisierung der chinesischen Währung seien auch zuletzt zu beobachten gewesen. So strebten Japan und China in Zukunft einen direkten Handel ihrer Währungen Yen und Renminbi untereinander an, ohne Umweg über den Dollar. Auch Brasilien versuche durch den Verkauf von in RMB denominierten Anleihen (sogenannte „Dim Sum“-Anleihen) brasilianischen Unternehmen Zugang zum chinesischen Kapitalmarkt zu geben.

„Die chinesische Währung ist somit auf den besten Weg, zur neuen Weltwährung zu werden“, bilanziert Scheurer. Wann es dazu komme, hänge davon ab, wie schnell die chinesische Regierung den Handel des Renminbis liberalisiere. Für Investoren eröffne sich die Möglichkeit, frühzeitig durch die zunehmend freie Konvertierbarkeit des Renminbi am weiteren Aufwertungspotential der neuen Weltwährung teilzuhaben, sei es mittels auf RMB denominierten Anleihen oder direkt über die Währungskomponente. Und Helen Lam, Senior Portfolio Manager, Allianz Global Investors ergänzt: „Bei dieser riesigen Kapitalbasis […] sehen wir weitere Unterstützung für die Aufwertung des RMB in den nächsten Jahren.”

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