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Veröffentlicht: 28.02.2016, 12:34 Uhr

Sozialunternehmen Tue Gutes und verdiene daran?

Die Finanzbranche hat Unternehmen, die Gutes tun, als großes Geschäftsfeld entdeckt. Fachleute sind aber skeptisch. Wie funktionstüchtig ist dieser Markt?

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© dpa Die Gesundheitsversorgung von Migranten ist oft ein Problem. Sozialunternehmen setzen Migranten selbst dafür ein.

Gesellschaftliche Probleme lassen sich mit unternehmerischen Mitteln lösen. Davon sind Gründer sogenannter Sozialunternehmen überzeugt: Sie erleichtern langzeitarbeitslosen Jugendlichen mit Theaterprojekten den Einstieg in den Arbeitsmarkt, sie beschäftigen Blinde, die dank ihres besonders ausgeprägten Tastsinns Brustkrebs früh erkennen sollen, oder sie bilden Migranten aus, die sich um die Gesundheitsvorsorge in ihren Milieus kümmern. Die sozialen Unternehmer verbindet, dass sie mit ihren Ideen zwar Geld verdienen wollen, aber nicht nach dem maximalen Gewinn streben, sondern nach dem größten Nutzen für die Gesellschaft.

 
Tue Gutes und verdiene daran - funktioniert das wirklich?

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In einer Zeit, in denen Menschen größeren Wert darauf legen, ihr Geld mit gutem Gewissen anzulegen, und Banken und Vermögensverwalter händeringend nach Anlagemöglichkeiten suchen, die nicht unter dem Niedrigzins leiden, sind die Sozialunternehmen in den Fokus der Finanzindustrie geraten. Unter dem Label „Impact Investing“ soll privates Kapital in sozial motivierte Unternehmen fließen – und deren Wachstum fördern. Der „Impact Investor“ legt sein Geld also noch einmal gezielter an als jemand, der sein Geld in die breiter angelegten „grünen“ oder „nachhaltigen“ Finanzprodukte steckt.

Ein Markt „mit signifikantem Potential für Wachstum“

Die Erwartungen der Investmentbanken, Fondsgesellschaften und Vermögensverwalter an das noch junge Geschäftsfeld sind riesig. Das Global Impact Investing Network (GIIN), dem unter anderem Morgan Stanley, die Deutsche Bank und BNB Paribas angehören, hat ermittelt, dass auf der ganzen Welt schon 60 Milliarden Dollar entsprechend angelegt seien. Zwar sei die genaue Größe des Marktes schwierig zu bestimmen. Dennoch ist man sich sicher, dass „der Markt substantiell ist, mit signifikantem Potential für Wachstum“, wie es auf der GIIN-Internetseite heißt. Manche Prognosen halten ein Wachsen des Marktes bis zum Jahr 2020 auf 1 Billion Dollar für möglich.

Doch es gibt ernstzunehmende Zweifel daran, dass es tatsächlich so kommen wird. „Nicht mehr als 5 Millionen Euro je Jahr fließen in Deutschland in Sozialunternehmen“, schätzt McKinsey-Partner Matthias Daub. Gemeinsam mit dem Netzwerk Ashoka, das soziale Gründer vernetzt und mit Stipendien unterstützt, sowie der Finanzierungsagentur für Social Entrepreurship hat McKinsey eine Analyse angefertigt, die dieser Zeitung vorliegt. Darin heißt es: „Verglichen mit anderen Einkommensquellen, wirkt der versprochene Finanzierungszufluss mehr wie ein Nieselregen.“

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Der Markt funktioniere nicht richtig. Besonders fehle es an Finanzierungen, die zwischen 100.000 und 500.000 Euro liegen. Genau die werden benötigt, um Start-ups, die erste Erfolge vorweisen können, die Verbreitung ihrer Idee zu ermöglichen. Felix Oldenburg, Ashoka-Hauptgeschäftsführer in Deutschland, sieht zudem eine Gefahr, wenn Fonds „überzogene Renditeerwartungen haben und Sozialunternehmen damit überfordern“. Das könne möglicherweise dazu führen, dass die Finanzierung zu einer Last für die Sozialunternehmer werde oder diese von ihrer ursprünglichen, sozial getriebenen Geschäftsidee abrücken, um die Erwartungen der Geldgeber zu erfüllen.

Die Autoren sehen jedoch durchaus Entwicklungspotential – und zwar, wenn Philanthropie und Investoren zusammen, „hybrid“ arbeiten würden. Dann könne man daraus tatsächlich einen funktionierenden Markt mit größerem Volumen entwickeln.

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