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Karriere : So wird man CFO

  • -Aktualisiert am

Der Aufstieg zum CFO kann gelingen – man muss nur wissen, wie. Bild: Thinkstock

Numbercruncher, Stratege und Kommunikator – ein CFO muss heute alles gleichzeitig sein. Doch wie wird man zum Tausendsassa? Manche Stationen dürfen im Lebenslauf nicht fehlen, wie unsere Auswertung zeigt.

          Vom Marineoffizier zum CFO: So eine Karriere sieht man selten. Olaf Borkers aber, heute CFO der Deutsche Euroshop, hat sie hingelegt. Mit 17 geht er zur Marine, befährt Nord- und Ostsee, verantwortet eine 50-Mann-Besatzung und ist sich heute sicher: Genau diese Erfahrungen waren es, die ihm auf dem Weg zum CFO geholfen haben. „Ohne Disziplin und Ordnung kommt man auf dem Schiff nicht klar“, sagt Borkers. Diese Prinzipien hat er verinnerlicht, denn „Ordnung und Disziplin sind auch im Umgang mit Zahlen unverzichtbar“. Mit 26 beginnt er dann noch ein BWL-Studium und sitzt gerade 10 Jahre später auf dem CFO-Sessel.

          Mit seinem Werdegang ist Olaf Borkers fraglos ein Exot unter den CFOs. Ein Blick in die Lebensläufe der aktuellen jüngeren Finanzchefs bis 45 Jahre zeigt, welche Stationen auf dem Weg zum CFO-Sessel ein Muss sind. Bereits mit dem Studium, das sich anders als bei Borkers zumeist unmittelbar an die Schullaufbahn anschließt, werden wichtige Weichen gestellt. Die Sache ist eindeutig: Rund 70 Prozent aller Dax- sowie M-Dax-CFOs haben einen ökonomischen Hintergrund, wie eine Auswertung der im CFO-Almanach FINANCE Köpfe versammelten Finanzchefs zeigt. Die allermeisten von ihnen haben BWL studiert, weit abgeschlagen folgen Wirtschaftswissenschaften und VWL. Ein Physikstudium wie bei Peter Lorenz Nest, dem CFO des Stromversorgers Ensys, ein Maschinenbaustudium wie bei Ralph Heuwing, dem CFO des Technologiekonzerns Dürr, oder ein Jura-Studium wie bei ElringKlinger-Chef und CFO Stefan Wolf sind die Ausnahme: „Der CFO muss ein Vollblutfinanzierer sein“, bestätigt Headhunter Andreas Halin von Global Mind.

          Der richtige Berufseinstieg

          Und dies muss sich im Werdegang nahtlos nachweisen lassen: Entscheidend ist oft schon der richtige Berufseinstieg. Früher begann die Karriere in der Rechnungslegung, ausgeprägtes Wissen in der Buchführung war entscheidend. In den vergangenen Jahren hat sich das verändert: „Der CFO darf kein introvertierter Nerd sein, der nur rechnet“, sagt Olaf Szangolies von Michael Page. „Heute muss der Finanzchef selbst präsentieren und kommunizieren“. Und dafür reicht das Ressort Rechnungslegung alleine schon lange nicht mehr aus, was sich auch in den Werdegängen der heutigen CFOs widerspiegelt: Nur 3 Prozent der Dax- und M-Dax-CFOs starten einer FINANCE-Auswertung nach ihre Karriere im Accounting.

          17 Prozent sind es aber im Controlling – und das verwundert nicht. Denn die Aufgaben des Controllers weisen die größten Überschneidungen mit denen des CFOs auf, vor allem wenn es um den kommunikativen Aspekt geht. Doch an die Spitze geschossen ist in den vergangenen Jahren die Unternehmensberatung. 20 Prozent kommen aus der Beratung, denn sie bietet einen entscheidenden Vorteil: Berater lernen durch ihre Mandanten die verschiedensten Unternehmen und damit auch Probleme kennen. Im Vergleich zu einem CFO-Anwärter der nur sein eigenes Unternehmen kennt, kann das mehr wert sein.

          Schussfest wie ein Polizeipferd

          Wer CFO werden will, studiert also am besten BWL und steigt dann im Controlling oder in der Beratung ein? Ganz so einfach ist es nicht, denn es gibt noch einen entscheidenden Faktor: Den Blick über den Tellerrand. Um CFO zu werden, ist dieser heute so wichtig wie nie, weiß Olaf Szangolies von Michael Page. Schließlich muss ein guter Finanzchef nicht nur das Wissen aus der Rechnungslegung, dem Controlling oder dem Treasury perfekt beherrschen. „Er muss auch mit seiner Persönlichkeit punkten, selbstbewusst mit einem breiten Kreuz schussfest wie ein Polizeipferd sein“, bringt es Tiemo Kracht, Geschäftsführer der Personalberatung Kienbaum auf den Punkt. Dies lässt sich natürlich in vielen Unternehmen lernen, doch kaum glaubwürdiger nachweisen als mit einem Marine-Hintergrund.

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