12.09.2003 · Der Druck der deutschen Kunden auf die Ratingagentur wächst. Bei einem Treffen mit 15 Unternehmen will S&P die Vorwürfe ausräumen. Vor allem fehle eine externe Qualitätskontrolle, bemängeln Emittenten.
Der Streit der Ratingagentur Standard & Poor's mit deutschen Kunden geht in die nächste Runde. Am kommenden Mittwoch trifft sich S&P-Deutschland-Chef Torsten Hinrichs in Kronberg mit Vertretern von 15 Unternehmen. Dazu zählen dem Vernehmen nach unter anderem Thyssen-Krupp, Deutsche Post, Henkel und Münchener Rück. Bei dem Treffen wird auch der amerikanische S&P-Leiter für Ratings erwartet.
Auf der Tagesordnung stehen die Beschwerden der deutschen Emittenten, die sich von S&P bei der Kreditbewertung benachteiligt fühlen. Bemängelt werde unter anderem, daß es keine externe Qualitätskontrolle der Entscheidungen gebe, hieß es aus Kreisen der betroffenen Emittenten. Ein Sprecher der Deutschen Post stellte das Treffen zwar als üblichen Meinungsaustausch dar. Aber die Gästeliste, auf der vor allem Kritiker von S&P vertreten sind, spricht dafür, daß es nicht nur um Höflichkeiten gehen wird.
Bewertung angeblich nicht konsistent
Handwerkliche Fehler müßten bisher einfach hingenommen werden, formulierte der Ratingexperte eines Unternehmens einen der zentralen Kritikpunkt. Häufig sei die Bewertung nicht konsistent. Dieselben Fakten, zum Beispiel Pensionsverpflichtungen, würden bei der einen Gesellschaft mit einem hohen Gewicht bewertet und bei der anderen vernachlässigt. Zudem gebe es böses Blut, weil bei einigen deutschen Emittenten der Eindruck entstanden sei, daß die europäischen S&P-Niederlassungen bei den Ratingentscheidungen von den Kollegen aus Amerika regelmäßig überstimmt werden. Die amerikanischen Analysten seien aber mit den Umständen hierzulande nicht ausreichend vertraut.
Der Streit zwischen der Agentur S&P und deutschen Kunden hat im Februar den ersten Höhepunkt erreicht. Damals änderte die Kreditbewertungsagentur ihre Methoden. Seitdem werden Pensionsverpflichtungen, die nicht durch Vermögen außerhalb der Bilanz gedeckt sind, wie ganz normale Finanzverbindlichkeiten behandelt. Zuletzt ärgerte sich der Vorstand der Münchener Rück über eine umstrittene Herabstufung. Der Rückversicherer hat sein "AA"-Rating verloren, was den Abschluß von Neugeschäft zumindest erschwert.
Regierung holt Meinungen ein
Unmittelbar betroffen von der Methodenänderung war im Februar etwa ein Dutzend europäische Unternehmen, darunter Linde, Deutsche Post und Thyssen-Krupp. Besonders hart traf es Thyssen-Krupp, denn die Bonitätsnote des Konzerns wurde einige Tage später um gleich zwei Schritte gesenkt, von "BBB" auf "BB+". Anleihen und andere Verbindlichkeiten dieser Qualität zählen nicht mehr zum sogenannten Investment Grade. Viele institutionelle Investoren können oder dürfen solche Wertpapiere aus Gründen der Sicherheit nicht besitzen. Dadurch erhöhen sich in der Regel die Finanzierungskosten der Gesellschaft, was den Ärger der betroffenen Gesellschaften erklärt.
Insbesondere bei Thyssen-Krupp hatte die Herabstufung zur Folge, daß sowohl die Anleihen als auch die Aktie unter starken Verkaufsdruck gerieten. Nach der Herabstufung fiel der Kurs im Februar innerhalb von wenigen Tagen um mehr als 20 Prozent. Inzwischen hat sich die Aktie zwar erholt, aber der Streit um das Rating ist nicht beendet. Das Unternehmen hat gemeinsam mit anderen Emittenten eine Studie über die geeignete Finanzierung von Pensionsverpflichtungen in Auftrag gegeben.
Inzwischen interessiert sich auch die deutsche Regierung für die Rolle der Ratingagenturen. Das Finanzministerium hat bei einigen Interessenverbänden der Wirtschaft Stellungnahmen eingeholt. Einige Marktteilnehmer vermuten bereits, daß die drohende staatliche Einflußnahme die Gesprächsbereitschaft bei den Ratingagenturen erhöht hat.
| Name | Kurs | Prozent |
|---|---|---|
| DAX | 6.339,94 | +0,38% |
| FAZ-INDEX | 1.377,69 | −0,11% |
| TecDAX | 752,47 | +0,08% |
| MDAX | 10.196,40 | −0,34% |
| SDAX | 4.817,28 | +0,29% |
| REX | 434,70 | −0,15% |
| Eurostoxx 50 | 2.161,87 | +0,25% |
| F.A.Z. EURO | 69,61 | +0,13% |
| Dow Jones | 12.454,80 | −0,60% |
| Nasdaq 100 | 2.527,05 | −0,17% |
| S&P500 | 1.317,82 | −0,22% |
| Nikkei225 | 8.580,39 | +0,20% |
| EUR/USD | 1,2515 | −0,14% |
| Rohöl Brent Crude | 106,90 $ | +0,14% |
| Gold | 1.569,50 $ | +0,06% |
| Bund Future | 144,35 € | +0,25% |