20.07.2006 · Der fünftgrößte Börsengang der Welt wurde im Vorfeld heftig diskutiert. Doch bei Verkaufsstart der Aktie des russischen Ölkonzerns Rosneft schlugen Konkurrenten aus der Energiebranche und der Milliardär Abramowitsch im großen Stile zu.
Die Erstnotiz des russischen Ölproduzenten Rosneft in London am Mittwoch ist ohne großen Glanz verlaufen: Zwar fiel die Notierung der Rosneft-Zertifikate (Global Depositary Receipts) nach Handelsbeginn mit 7,45 Dollar zunächst unter den Ausgabepreis von 7,55 Dollar. Gegen Ende des Handels pendelte sich der Kurs aber bei einem Niveau von 7,58 Dollar leicht über dem Ausgabepreis ein.
Zuvor war das Börsendebüt in Moskau, wo Rosneft seit Wochenbeginn notiert ist, enttäuschend verlaufen: Dort fiel der Kurs am Montag um 1,7 Prozent unter den Emissionspreis. Die Transaktion soll dem russischen Staatskonzern rund 10,4 Milliarden Dollar (8,3 Milliarden Euro) an frischem Kapital in die Kasse spülen. Gemessen am Marktwert von rund 80 Milliarden Dollar steigt der hinter Branchenführer Gazprom und TNK-BP drittgrößte Energielieferant Rußlands gleichzeitig zu den zehn größten Börsenwerten der weltweiten Ölindustrie auf.
Fünftgrößter Börsengang der Welt
Bereits im Vorfeld hatte der fünftgrößte Börsengang der Welt sowohl in der Finanzszene wie auch bei westlichen Konkurrenten heftige Kontroversen ausgelöst. Kritiker begründen ihre Zweifel an Geschäftsgebahren und Unternehmensführung (Corporate Governance) mit der Tatsache, daß 70 Prozent der Rosneft-Aktiva aus einer Art Zwangsenteignung des ehemaligen Konkurrenten Yukos stammen.
Konzerngründer Michail Chodorkowski, der mit Rußlands Staatschef Putin heftig aneinandergeriet, verbüßt seitdem eine achtjährige Haftstrafe in einem sibirischen Arbeitslager. Nicht von ungefähr taxiert der Rosneft-Prospekt die finanziellen Risiken, die aus möglichen Schadensersatz-Prozessen der einstigen Yukos-Eigner resultieren, auf 14 Milliarden Dollar.
Zieht Yukos vor den Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte?
Bis zuletzt hatten Rechtsvertreter von Yukos vor dem Londoner High Court versucht, das Vorhaben von Rosneft zu torpedieren. Danach sollten die für den Börsengang zuständigen Instanzen LSE (Londoner Börse) und FSA (Finanzaufsicht) ihre Zulassung zurückziehen, weil sich Rosneft Ende 2004 die Yukos-Gesellschaft Yuganskneftegaz auf illegale Weise einverleibt habe. Doch der High Court schmetterte das Gesuch am Dienstag aus formalen Gründen ab. Damit hatte Rosneft für den Börsengang in London freie Bahn.
Die Yukos-Vertreter erwägen, sich bei ihrem Anliegen an den Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte in Straßburg zu wenden. Trotz der Altlasten aus der Vergangenheit kann Sergej Bogdantschik dennoch auf das Geschäftsinteresse von Konkurrenten und die bewährten Kontakte zu befreundeten Geschäftsleuten vertrauen. Vertreter der konsortialführenden Banken, zu denen Institute wie JP Morgan, Morgan Stanley, ABN Amro Rothschild und Dresdner Kleinwort gehören, sprachen im Vorfeld des Börsenganges von einer 1,8fachen Überzeichnung der Emission.
China National Petroleum kaufte Aktien
Während sich das russische Geldhaus Gasprombank für 2,5 Milliarden Dollar als neuer Rosneft-Großaktionär einkaufte, nutzten auch Konkurrenten aus den energiehungrigen Ländern Asiens die Gunst der Stunde. Malaysias Staatskonzern Petronas erwarb im Zuge des Börsengangs ein Aktienpaket im Gesamtwert von 1,1 Milliarden Dollar, hieß es am Mittwoch in Kuala Lumpur. Der staatliche Ölproduzent China National Petroleum Corp. (CNPC) bestätigte dagegen den Kauf von mehr als 66 Millionen Rosneft-Aktien für 500 Millionen Dollar. Ursprünglich wollte sich der Anbieter aus dem Reich der Mitte sogar mit 3 Milliarden Dollar beteiligen, heißt es in Peking.
Im Vorfeld des Börsengangs hatten die Investments aus Großbritannien für branchenweites Aufsehen gesorgt. Nach wochenlangem Zögern hatte mit BP Europas führender Ölproduzent in der vergangenen Woche bestätigt, daß er Rosneft-Papiere im Gesamtwert von rund einer Milliarden Dollar kaufen wolle. Über die politischen Motive des BP-Einstiegs wurde im Londoner Finanzdistrikt heftig spekuliert.
TNK-BP braucht Rückendeckung aus Rußland
BP-Chef John Brown hatte erst vor vier Jahren den russischen Konkurrenten TNK erworben. Das daraus entstandene Gemeinschaftsunternehmen TNK-BP ist zwar zweitgrößter Ölproduzent des Landes, aber auf die Rückendeckung des Kreml angewiesen, um vor Ort und im Nachbarländern zu expandieren.
Fast unbemerkt von der Öffentlichkeit avancierte auch Roman Abramowitsch zum neuen Aktionär. Der in London lebende Russe, der mit einem geschätzten Privatvermögen von 16 Milliarden Euro der zweitreichste Geschäftsmann in Großbritannien ist, hat sich angeblich für 300 Millionen Dollar mit Rosneft-Aktien eingedeckt.
| Name | Kurs | Prozent |
|---|---|---|
| DAX | 6.339,94 | +0,38% |
| FAZ-INDEX | 1.377,69 | −0,11% |
| TecDAX | 752,47 | +0,08% |
| MDAX | 10.196,40 | −0,34% |
| SDAX | 4.817,28 | +0,29% |
| REX | 434,70 | −0,15% |
| Eurostoxx 50 | 2.161,87 | +0,25% |
| F.A.Z. EURO | 69,61 | +0,13% |
| Dow Jones | 12.454,80 | −0,60% |
| Nasdaq 100 | 2.527,05 | −0,17% |
| S&P500 | 1.317,82 | −0,22% |
| Nikkei225 | 8.580,39 | +0,20% |
| EUR/USD | 1,2515 | −0,14% |
| Rohöl Brent Crude | 106,90 $ | +0,14% |
| Gold | 1.569,50 $ | +0,06% |
| Bund Future | 144,35 € | +0,25% |