18.06.2004 · Die Zitterpartie um den Börsengang der Postbank hat bis zum Ende der Zeichnungsfrist angedauert. Die Position von Konsortialbanken und Post bleibt unterdessen verhärtet.
In harten Verhandlungen ringen Konsortialbanken und die Post am Samstag um den Börsengang der Postbank. Nach Ende der Zeichnungsfrist am Freitag abend war nicht ersichtlich, wie Großinvestoren und Emittent ihre erheblichen Meinungsunterschiede in der Bewertung der Postbank überbrücken und damit den Börsengang erfolgreich abwickeln könnten. Dem bisherigen Fahrplan der Post zufolge soll der Ausgabepreis für die Aktie am Sonntag veröffentlicht werden und am Montag der Börsenhandel beginnen.
Nach einer schwachen Zeichnung der Emission durch institutionelle Investoren mußten die Konsortialbanken am Freitag abend ihr Auftragsbuch schließen. Zwar wurde am Nachmittag nach Ende der Zeichnungsfrist für die Privatanleger deutlich, daß deren Interesse an der Aktie bei 31,50 Euro "nicht schlecht" war, verlautete aus dem Konsortium. Aber zahlreiche Großinvestoren hatten nach eigenen Aussagen nur Angebote unter 30 Euro und damit weit unter der von der Post festgelegten Preisspanne von 31,50 bis 36,50 Euro je Aktie abgegeben. Dies gilt für Fondsgesellschaften wie Union-Investment, Adig, Dit, DWS und Deka, aber auch für ausländische Großinvestoren wie Henderson.
Abbruch des Börsengangs nicht ausgeschlossen
"Das Interesse der Großanleger ist so mager, daß die Emission vielleicht bei 29 Euro an den Markt kommen kann, nicht aber bei 31,50 Euro", hieß es in Frankfurt. Es sei ausgeschlossen, daß am Montag die Notierung der Postbank-Aktie wie vorgesehen zu 31,50 Euro aufgenommen werde. Investoren vermuteten, daß das Orderbuch zu der vorgegebenen Preisspanne "praktisch leer" sei. Es sei nicht ausgeschlossen, daß der Börsengang abgebrochen werde, sollte in letzter Minute kein Kompromiß gefunden werden.
Nachdem die Post bei einem Treffen mit Bankenvertretern vor einigen Tagen keinerlei Flexibilität erkennen ließ, hatten sich die Fronten zwischen der Post und dem Konsortium in den vergangenen Tage verhärtet. "Es ist müßig, über Alternativen zu spekulieren: Entweder der Emissionspreis geht runter, oder der Börsengang kommt nicht", hieß es in Frankfurt. Bis zum Freitagnachmittag war bei der Deutschen Post keine Entscheidung über das weitere Vorgehen gefallen. Die Hauptmotivation sei nach wie vor, die Postbank an die Börse zu bringen, sagte ein Unternehmenssprecher. Aber auch in Regierungskreisen wurde eine Absage des Börsengangs nicht ausgeschlossen.
Zeichnungsfrist um einige Tage verlängern
Nach einer Woche ständiger Spekulationen um den Verlauf des Börsengangs und gegenseitiger Vorwürfe werden sich die Vertreter des Konsortiums und der Vorstand der Post am heutigen Samstag und am Sonntag treffen. Es wird erwartet, daß auch der Post-Aufsichtsrat am Wochenende zusammentritt oder eine Telefonkonferenz einberuft. Die beiden Konsortialbanken, Deutsche Bank und Morgan Stanley, werden der Post formal präsentieren, wie das Orderbuch aussieht und wie hoch das Investoreninteresse bei niedrigeren Emissionspreisen wäre. Entweder zeigt die Post Interesse an einem Kompromiß, und der Börsengang kann - vielleicht mit leichter Verzögerung - fortgesetzt werden, oder die Post sagt den Börsengang ab. Als Emittent wird sie über das weitere Vorgehen entscheiden und dies - voraussichtlich Sonntag mittag - mitteilen.
Theoretisch könnte die Post die Zeichnungsfrist um einige Tage verlängern und mit einer Senkung des Emissionspreises auf das mangelnde Anlegerinteresse reagieren. Es wurde auch spekuliert, daß ein neues Angebot zum ermäßigten Preis von 29 Euro für die Aktie mit einer Wandelanleihe der Post kombiniert werde.
„Bewertung der Postbank-Aktie stimmt einfach nicht“
Bis Freitag abend hat die Post keine Andeutungen über ein Nachgeben gegenüber den Investoren gemacht. "Wir hätten einen Emissionspreis von weniger als 30 Euro präferiert," hieß es bei Union Investment, der drittgrößten deutschen Fondsgesellschaft. Bei den Großinvestoren wird kritisiert, daß die Post die Postbank-Aktie als Wachstumswert an den Markt bringen wolle und nicht berücksichtige, daß sich der Markt nicht in einer Aufwärtsbewegung befinde. "Die Postbank-Aktie ist vielleicht Ende kommenden Jahres 31,50 Euro wert, aber nicht jetzt", betonte Tim Stevenson, Fondsmanager bei Henderson Global Investors in London. Das Interesse aller Londoner Großanleger sei auch nach den Präsentationen der Postbank äußerst zurückhaltend. Dabei hatte Post-Vorstandschef Klaus Zumwinkel gehofft, die ausländischen Investoren würden den Börsengang retten.
Überlegungen, eventuell die Tranche zu senken, also nicht mehr 49,9 Prozent sondern nur 30 Prozent der Aktien an den Markt zu bringen, stoßen in Bankenkreisen auf Ablehnung. Dies schmälere die Liquidität der Postbank-Aktie gegenüber der jetzigen Offerte, hieß es. Dan stehe zu befürchten, daß etliche Großinvestoren von der Emission absprängen. "Die Bewertung der Postbank-Aktie stimmt einfach nicht. Daran ändert ein niedrigeres Emissionsvolumen und eine dann knappere Liquidität auch nichts", hieß es bei Investoren.
| Name | Kurs | Prozent |
|---|---|---|
| DAX | 6.339,94 | +0,38% |
| FAZ-INDEX | 1.377,69 | −0,11% |
| TecDAX | 752,47 | +0,08% |
| MDAX | 10.196,40 | −0,34% |
| SDAX | 4.817,28 | +0,29% |
| REX | 434,70 | −0,15% |
| Eurostoxx 50 | 2.161,87 | +0,25% |
| F.A.Z. EURO | 69,61 | +0,13% |
| Dow Jones | 12.454,80 | −0,60% |
| Nasdaq 100 | 2.527,05 | −0,17% |
| S&P500 | 1.317,82 | −0,22% |
| Nikkei225 | 8.580,39 | +0,20% |
| EUR/USD | 1,2515 | −0,14% |
| Rohöl Brent Crude | 106,90 $ | +0,14% |
| Gold | 1.569,50 $ | +0,06% |
| Bund Future | 144,35 € | +0,25% |