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Börsengang Google will mit einer Auktion an die Börse

24.10.2003 ·  Der geplante Börsengang des Internetunternehmens Google signalisiert eine weitere Erholung des amerikanischen Marktes für Neuemissionen.

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Der geplante Börsengang des Internetunternehmens Google signalisiert eine weitere Erholung des amerikanischen Marktes für Neuemissionen. Presseberichten zufolge erwägt das auf die Informationssuche im Internet spezialisierte Unternehmen einen Börsengang im kommenden Jahr. Google habe rund ein Dutzend Investmentbanken wegen des Börsengangs kontaktiert, hieß es. Die Pläne scheinen sich aber noch in einem frühen Stadium zu befinden. Das "Wall Street Journal" berichtet, daß der Zeitpunkt des Börsengangs, die Auswahl der Emissionsbanken sowie die Art der Plazierung nicht geklärt seien. Die "Financial Times" hatte zuvor gemeldet, daß Google die Aktien mittels einer Online-Aktion an die Börse bringen will.

Der Börsengang (IPO) von Google, dessen Wert auf 15 Milliarden bis 25 Milliarden Dollar geschätzt wird, wäre der größte eines Technologie- oder Internetunternehmens, seitdem die spekulative Blase der späten neunziger Jahre geplatzt ist. Über einen IPO des im Gegensatz zu vielen Internetfirmen profitablen Unternehmens war an der Wall Street seit längerem spekuliert worden. Angefacht wurden die Spekulationen auch wegen der Erholung des IPO-Marktes in Amerika seit Mitte dieses Jahres. Nach einer Dürrephase in der ersten Jahreshälfte gab es aufgrund der seit März gestiegenen Kurse im dritten Quartal wieder mehr Börsengänge an der Wall Street.

Seit Juli 22 Börsengänge

Das schlug sich bereits in den Ergebnissen der Investmentbanken nieder, deren Geschäft vom wachsenden Emissionsgeschäft gestützt wurde. Nachdem es in der ersten Hälfte des Jahres insgesamt nur zehn Börsengänge gegeben hatte, wagten seit Anfang Juli 22 Unternehmen diesen Schritt. Nach Angaben der Analysefirma Renaissance Capital ist die Zahl der Börsengänge 2003 dennoch im Vergleich zum Vorjahr bis jetzt um 43 Prozent zurückgegangen. Auch das Volumen beträgt mit derzeit 7 Milliarden Dollar nur etwa ein Drittel des Vorjahres. 2002 hatten Unternehmen bis zum 24. Oktober mittels eines Börsengangs Eigenkapital in Höhe von 20 Milliarden Dollar aufgenommen.

Vermutungen über Googles Absicht, Aktien über eine Online-Auktion und teilweise in Eigenregie zu plazieren, wurden in europäischen Bankenkreisen skeptisch kommentiert. Es sei zwar technisch vieles ohne die Hilfe der Banken möglich, aber nicht alles sei sinnvoll, hieß es. "Wenn es nur darum ginge, Aktien an willige Käufer zu verteilen, hätten die Emissionsbanken tatsächlich wenig zu tun. So ist es aber nicht", sagt Stephan Sturm, Investmentbanker bei Credit Suisse First Boston in Frankfurt. Die Banken erhielten die Gebühren für eine Fülle von Dienstleistungen.

Kreditausfallrisiko bei Internet-Auktion erheblich

So müssen bei der Vorbereitung einer Emission der Verkaufsprospekt geschrieben, die Börsenzulassung beantragt und der Geschäftsplan auf Plausibilität geprüft werden. Zudem übernehmen die Banken unmittelbar vor der Emission Risiken. Sie garantieren dem Emittenten dann den zuvor festgelegten Preis. Wenn Investoren gezeichnet haben, dann aber nicht zahlen, springt die Bank ein. Sie trägt also ein Kreditausfallrisiko. Das dürfte bei einer Auktion per Internet und einer breiten Streuung erheblich sein, gibt Sturm zu bedenken. Nach Einschätzung von Experten werden die Gebühren häufig überschätzt. In Amerika seien sie zwar deutlich höher als in Europa, aber auch dort seien 7 bis 8 Prozent des Emissionsvolumens die Ausnahme. So viel werde nur bei kleinen Börsengängen verlangt. In Europa habe die Deutsche Post bei ihrem Börsengang im Wert von 6 Milliarden Euro 1,75 Prozent gezahlt. Bei einer Emission mittlerer Größe sei in Europa mit Gebühren von 2 bis 4,5 Prozent zu rechnen.

Bisher hat es in Deutschland nur einen Börsengang per Auktion gegeben, den der Trius AG am Neuen Markt. Inzwischen befindet sich die Gesellschaft in Auflösung, und die begleitende Bank existiert nicht mehr. Das bedeute allerdings nicht, daß eine Auktion nicht zum Erfolg führen könne, kommentierten Spezialisten bedeutender Emissionsbanken. Aber das emittierende Unternehmen verliere bei einer Auktion den Einfluß auf die Verteilung der Aktien. Es könne sinnvoll sein, einen Teil der Aktien an solche Investoren zu geben, von denen man erwarten könne, daß sie eine langfristige Anlage wünschen. Bei einer Auktion sei dies nicht möglich, sagt Georg Hansel, Emissionsexperte der Deutschen Bank. Der Preis werde maximiert, so daß es im folgenden Handel nur noch wenig Nachfrage gebe. Deshalb sei die Gefahr groß, daß der Aktienkurs nach der Auktion einbreche, was unzufriedene Investoren zurücklasse und dem Image des Emittenten schade.

Früher wurden Börsengänge meist durch ein Festpreisangebot vollzogen. Seit etwa zwei Jahrzehnten dominiert das sogenannte Bookbuilding. Dabei ermittelt eine Bank einen von ihr als "fair" bezeichneten Wert und nennt eine Preisspanne. Die Anleger geben innerhalb einer Zeichnungsfrist ihre Kaufangebote ab. Unmittelbar vor dem Börsengang legt die Investmentbank gemeinsam mit dem Emittenten den Emissionspreis fest und entscheidet, wer von den kaufwilligen Investoren Aktien zugeteilt bekommt.

Quelle: nks./ruh., Frankfurter Allgemeine Zeitung, 25.10.2003, Nr. 248 / Seite 21
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