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Börsengänge Der Entry Standard lockt viele Unternehmen

10.03.2006 ·  Banken rechnen in diesem Jahr mit bis zu 100 Mini-Börsengängen. Möglich macht das der Entry Standard. Das neue Segment ist bei Mittelständlern und jungen Technologieunternehmen ein Erfolg.

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Zahlreiche kleine Unternehmen wollen in diesem Jahr an die Börse. „Ich rechne mit 100 Mini-Börsengängen in diesem Jahr“, sagt Andreas Beyer, Vorstand der VEM Aktienbank in München. „50 davon dürften sich dem Entry Standard unterwerfen.“ Johannes Eismann, Vorstand der CCB Bank in Berlin schätzt, daß es 30 bis 40 Börsengänge in diesem Segment geben wird.

Eismann „zählt“ indes nur diejenigen Unternehmen, die mit dem Börsengang auch eine Kapitalerhöhung mit öffentlichem Angebot machen und sich nicht „nur“ notieren lassen. Lutz Weiler, Vorstandsvorsitzender der Investmentbank Equinet, rechnet mit 30 neuen Unternehmen im Jahresverlauf im Entry Standard. Weiler warnt sogleich: „Wir Banken müssen dafür sorgen, daß das zarte Pflänzchen sich gut entwickelt, und Fehlentwicklungen wie am Neuen Markt vermeiden.“

Am 10. März 1997, also genau vor neun Jahren, war der Neue Markt gestartet. Damals verbreitete sich Gründerzeitstimmung in Deutschland. Die deutschen Privatanleger entdeckten in Scharen die Aktienbörse und die Kurse stiegen zunächst rasant. An manchen Tagen gingen mehrere Unternehmen an die Börse, so daß die Anzahl der Neuzugänge hundert im Jahr überstieg.

Neue Plattform

Dann folgten ein tiefer Fall der Kurse, und Anleger verloren das Vertrauen. Zahlreiche Betrugsfälle und gescheiterete Geschäftsmodelle trugen dazu bei. Börsengänge waren in den Jahren 2002 und 2003 so gut wie nicht mehr möglich. Eine wichtige Quelle für die Eigenkapitalaufnahme wachsender Unternehmen war nahezu versiegt.

„Das Interesse für Börsengänge ist bei den Privatanlegern jetzt wieder da“, sagt Beyer. Daran hat auch die Deutsche Börse mitgewirkt. Nach dem Scheitern des Neuen Marktes und dem Start des neu zusammengestellten Tec-Dax im März 2003 hat die Börse lange gewartet, bis sie eine neue Plattform für kleine und junge Unternehmen zur Eigenkapitalaufnahme zur Verfügung stellte.

Ende Oktober 2005 wurde im Freiverkehr dann ein hervorgehobenes Segment geschaffen: der Entry Standard. Anders als am Neuen Markt, wo harte Transparenz- und Anlegerschutzvorschriften existierten, die indes nicht immer eingehalten wurden, versucht man im Entry Standard gar nicht erst, den Anlegern ein hohes Schutzniveau zu versprechen. „Der neue Entry Standard ist für alle Unternehmen geeignet, die ihre Aktien bei geringen formalen Pflichten in den Handel einbeziehen wollen“, sagte Rainer Riess von der Deutschen Börse zum Auftakt.

Transparenzpflichten

Zwar müssen Unternehmen, die am Entry Standard teilnehmen wollen, bestimmte Transparenzpflichten über die geringen Anforderungen des Freiverkehrs hinaus erfüllen. Unter anderem müssen sie auf ihrer Internetseite einen testierten Konzern-Jahresabschluß, einen Zwischenbericht, ein Kurzporträt und einen Unternehmenskalender veröffentlichen. Zusätzlich muß jedes Unternehmen eine Bank als „Kapitalmarkt-Coach“ verpflichten.

Dieser Trainer unterstützt und berät den Emittenten bei der Veröffentlichung der vorgeschriebenen und der freiwilligen Informationen in der Zeit vor, während und nach der Notierungsaufnahme. Der Listing-Partner verpflichtet sich, daß der Emittent kursrelevante Tatsachen über seine Internet-Seite „quasi-ad-hoc“ veröffentlicht. Eine „echte“ Ad-Hoc-Publizität für kursrelevante Tatsachen besteht nicht.

Wichtig ist auch, daß das Unternehmen für den Börsengang keinen Emissionsprospekt veröffentlichen muß, vor allem dann nicht, wenn zuvor eine Privatplazierung stattfand und die Aktien nicht öffentlich angeboten werden. Anleger haben dann keine Prospekthaftungsansprüche. „Anleger sollten sich darüber im klaren sein, daß wichtige Anlegerschutzbestimmungen der EU im Freiverkehr und damit auch im Entry Standard nur teilweise gelten. Dies bedeutet auf der einen Seite zwar weniger Aufwand für Unternehmen, auf der anderen Seite aber auch eine schmalere Haftungs- und Informationsbasis, die Investoren für ihre Anlageentscheidung zur Verfügung steht“, resümiert Riess. „Deshalb richtet sich das Segment in erster Linie an erfahrene Anleger, die Risiken abschätzen und tragen können.“

27 Unternehmen im Entry Standard

Gleichwohl ist das Segment bislang ein Erfolg. Mittelständler und junge Technologieunternehmen nutzen es. Inzwischen sind 27 Unternehmen im Entry Standard, darunter eine ganze Reihe, die zuvor schon im Freiverkehr waren. In den nächsten Wochen werden der Anbieter von medienübergreifenden Telefon- und Branchenbüchern Klicktel und das Telekomunternehmen Ecotel den Gang an die Börse und in den Entry Standard antreten.

Darüber hinaus sind C-Quadrat und Falk-E-Solution Kandidaten. Nanotechnologie- und Solarwerte kommen bei den Anlegern derzeit besonders gut an. „Einzelne Branchen wie Nanotechnologie laufen schon heiß. In der Breite ist das Geschäft mit Neuemissionen noch gemischt. Das zeigt mir, daß der Markt noch gesund und nicht überhitzt ist“, sagt Eismann von der CCB Bank.

Quelle: ham., F.A.Z., 11.03.2006, Nr. 60 / Seite 21
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