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Börsenfusion Euronext bleibt auf Amerika-Kurs

30.08.2006 ·  Obwohl die Deutsche Börse das bessere Angebot macht, will Euronext weiterhin mit der New York Stock Exchange fusionieren. Über den Zusammenschluß entscheiden sollen nun die Aktionäre auf einer außerordentlichen Hauptversammlung Anfang Dezember.

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Die Fünfländer-Börse Euronext ist trotz veränderter Aktienkurse zuversichtlich, daß es zu einem erfolgreichen Zusammenschluß mit der New York Stock Exchange (Nyse) kommen wird.

Das Unternehmen werde seine Aktionäre in einer außerordentlichen Hauptversammlung Anfang Dezember über die Fusion abstimmen lassen, teilte Vorstandsvorsitzender Jean-François Théodore vor Analysten und Journalisten mit. Im ersten Quartal 2007 solle die Transaktion zur Schaffung der „wichtigsten Börse der Welt“ abgeschlossen werden.

Angebot ist attraktiver geworden

Die Euronext-Führung hat sich Anfang Juni gegen einen Zusammenschluß mit der Deutschen Börse und zu Gunsten einer Fusion mit der Nyse entschieden. Doch seit Anfang Juli ist die Aktie der Nyse um mehr als 10 Prozent gefallen, während der Titel der Deutschen Börse in etwa dem gleichen Umfang stieg.

Damit ist das Angebot aus Frankfurt, das so wie jenes der Nyse in Teilen eine Bezahlung in eigenen Aktien vorsieht, attraktiver geworden.

Daten eines „Schnappschusses“

Nach Daten von Reuters bewertet die Offerte der Deutschen Börse Euronext derzeit mit 8,7 Milliarden Euro - während es das Nyse-Angebot nur auf 7,6 Milliarden Euro bringt. „Die Frage stellt sich, wie der Verwaltungsrat und das Management von Euronext die Aktionäre von den Vorzügen der Nyse-Offerte überzeugen können, wenn ihr Preis um rund 6 Euro je Aktie unter dem Konkurrenzangebot liegt“, fragte Analyst Mamoun Tazi von der britischen Fondsgesellschaft Man Securities auf der telefonischen Analystenkonferenz Euronext-Chef Théodore.

Er erhielt nur eine ausweichende Antwort: Man dürfe nicht die Daten eines „Schnappschusses“ zugrunde legen, sondern müsse nach dem Volumen gewichtete Dreimonats-Durchschnitte heranziehen. So berechnet, sei das Nyse-Angebot günstiger als von Kritikern unterstellt.

Spannungen zwischen Aktionären und Euronext

Viele Analysten rechnen dennoch damit, daß die Nyse ihr Angebot noch einmal erhöht. Ob auf der Hauptversammlung nur die Offerte der Amerikaner oder auch jene der Deutschen zur Abstimmung gestellt werde, wollte Théodore nicht sagen.

Die Spannungen zwischen einzelnen Aktionären und dem Euronext-Management traten während der Analystenkonferenz offen zutage. Chris Hohn vom Hedge-Fonds TCI kündigte an, zeitgleich zur Euronext-Hauptversammlung zu einer eigenen Aktionärs-Veranstaltung einzuladen, wenn das Angebot der Deutschen Börse nicht zur Abstimmung gestellt werde.

Antwort sei „unakzeptabel“

Er hält nach eigenen Angaben 10 Prozent von Euronext. Sollte den Aktionären eine Entscheidung über das Angebot der Deutschen Börse verwehrt werden, dann habe der Euronext-Verwaltungsrat seine „treuhänderischen Pflichten“ verletzt, sagte Hohn.

Théodore entgegnete, daß der Verwaltungsrat vor der Hauptversammlung eine Empfehlung abgeben werde, sagte aber nicht, welche. „Der Verwaltungsrat ist sich seiner treuhänderischen Pflichten bewußt. Er wird die Interessen der Aktionäre berücksichtigen.“ Hohn bezeichnete diese Antwort als „unakzeptabel“.

Scharfe Regeln aus Amerika

Um den Bedenken einer aus Amerika nach Europa überschwappenden scharfen Regulierung entgegenzukommen, wollen Euronext und Nyse eine Stiftung nach niederländischem Recht gründen. Dies verhindere eine exterritoriale Anwendung amerikanischer Gesetze, etwa des Sarbanes-Oxley-Gesetzes, kündigte Théodore an.

Er glaube zwar, daß diese Konstruktion nicht gebraucht werde, doch sie diene als Versicherung, daß sich an den heutigen Zuständigkeiten der Regulierungsbehörden nichts ändere.

Halbjahresergebnisse im Hintergrund

Die Auseinandersetzung über die Börsenkonsolidierung ließ die am gleichen Tag bekanntgegebenen Halbjahresergebnisse von Euronext in den Hintergrund treten. Die Börse hat im ersten Halbjahr von den Kurssteigerungen am Aktienmarkt, der Volatilität der Zinsprodukte sowie von mehr Börsengängen profitiert.

So stieg der Umsatz um 20,9 Prozent auf 557,7 Millionen Euro. Die Betriebskosten kletterten um 5,1 Prozent, worin eine Zusatzbelastung durch Beratungskosten von 23,3 Millionen Euro enthalten war. Allein die in die Nyse-Transaktion eingeschalteten Investmentbanken erhielten im zweiten Quartal 12,7 Millionen Euro. Mit 193,7 Millionen Euro hat sich der Gewinn nach Steuern annähernd verdoppelt.

Quelle: chs. / F.A.Z., 31.08.2006, Nr. 202 / Seite 21
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