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Börse Nur wenige Autoaktien unter den Favoriten

 ·  Dollar-Schwäche, Preisdruck und teure Rohstoffe: Im Vergleich zum Deutschen Aktienindex Dax gehörte dieses Jahr die Automobilbranche zu den Verlierern.

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Die Automobilaktien haben in diesem Jahr ein Schattendasein geführt. Von guter Stimmung konnte - ganz im Gegensatz zu 2003 - schon gar nicht die Rede sein. In Deutschland standen BMW und Volkswagen unter Druck, während Porsche und Daimler-Chrysler ein relativ kleines Minus wegzustecken hatten.

Im Vergleich zum Deutschen Aktienindex Dax gehörte dieses Jahr die gesamte Branche zu den Verlierern. In Amerika sah es mit Ford und General Motors nicht anders aus. An der Tokioter Börse haben sich die japanischen Autohersteller gut geschlagen; ausgenommen Nissan, die im Jahr zuvor auf Höhenflug waren. Die Franzosen Renault und Peugeot brillierten mit kräftigen Kursgewinnen.

„Kontinentales Auseinanderdriften“

Allein aus dieser globalen Sicht läßt sich erkennen, daß die Branche längst nicht mehr über einen Kamm zu scheren ist. So sehen es auch viele Analysten, die - wenn überhaupt - nur selektiv Autoaktien zum Kauf empfehlen. Laut Bloomberg favorisiert eine Mehrheit der Analysten Toyota, Honda und Nissan einerseits, Peugeot und Renault andererseits. Unter den übrigen Werten, die mehrheitlich auf „Halten“ gestuft werden, stechen BMW und Porsche hervor.

Die Analysten von JP Morgan bringen dies auf den Punkt. Sie stufen den bayerischen Autohersteller sowie Toyota auf „Übergewichten“ ein. Klare Urteile finden sie indes für VW und General Motors: „Vermeiden“. Bezogen auf Europa, spricht Morgan Stanley von einem „kontinentalen Auseinanderdriften“ - mit einem guten Gegenwert französischer Titel, dem besten Risikoprofil für BMW und einer starken Dividendenrendite von Daimler-Chrysler. VW jedoch sei nach wie vor zu teuer, sagt Morgan Stanley - und das, obwohl die Aktien in diesem Jahr die höchsten relativen Kursverluste nach General Motors unter den Autowerten hinnehmen mußten.

„Ungesunde Konstellation“

„Es hat sich nicht viel geändert, das Umfeld für Automobilaktien bleibt schwierig“, urteilt Udo Rosendahl, Experte der Fondsgesellschaft DWS. „Die Treiber für 2005 werden die gleichen sein wie in diesem Jahr.“ Dazu zählt Rosendahl die Entwicklung des Dollar-Kurses sowie den Preisdruck durch gewährte Kaufanreize. „Ich bezweifle, daß Autoaktien 2005 zu den Favoriten gehören.“ Der DWS-Experte macht eine „ungesunde Konstellation“ aus.

Die Autohersteller könnten die steigenden Belastungen durch stark gestiegene Materialkosten etwa für Stahl oder durch die Dollar-Schwäche nicht über höhere Preise auf die Kunden abwälzen. Für ihn bleibt die Autokonjunktur schwach. „Seit Jahren reden wir über das hohe Durchschnittsalter des Fahrzeugbestandes“, sagt er. „Doch der Stau löst sich nicht auf; nur bei entsprechenden Preisnachlässen bewegt sich etwas.“ Erst wenn sich der Dollar-Kurs stabilisiere und die Konjunktur anziehe, würden die zyklischen Autoaktien gefragt sein.

„Franzosen profitieren von der Wechselkursdebatte“

In den Wechselkurseffekten ist unter anderem der Grund zu sehen, daß die Aktien der französischen Hersteller so gut gelaufen sind. Denn sie sind im Dollar-Raum quasi nicht vertreten. „Die Franzosen profitieren von der Wechselkursdebatte“, sagt Marc-René Tonn von M. M. Warburg & Co. Für ihn wird das Dollar-Thema die größte Herausforderung im nächsten Jahr sein. Dabei wird weniger die absolute Höhe als vielmehr die relative Veränderung der Euro-Dollar-Relation zum Niedrigstand 2004 wichtig für den Einfluß auf die Aktienkurse sein. Für Tonn wird BMW zwar Probleme mit einem schwachen Dollar haben.

Doch könnten diese durch die bessere Kostenverteilung auf die deutlich erweiterte Produktpalette und den damit verbundenen höheren Absatzzahlen größtenteils ausgeglichen werden. Porsche stehe ebenfalls gut da, weil der Sportwagenhersteller seine Dollar-Positionen relativ langfristig abgesichert habe. Daimler-Chrysler hat er wegen der positiven Ertragswende bei Chrysler auf „Kaufen“ gestellt. Das Nutzfahrzeuggeschäft laufe gut, und Mercedes bekomme seine Qualitätsprobleme in den Griff. Hinter VW setzt er viele Fragezeichen.

Hoffnungsschimmer

Greift das Kostensenkungsprogramm „Formotion“? Werden die neuen Modelle Passat, die für den amerikanischen Markt wichtige Golf-Stufenheck-Limousine Jetta sowie die Hochdach-Variante Golf Plus tatsächlich von neuen Kunden gekauft, oder werden der traditionelle Golf und der Touran kannibalisiert? Die nach wie vor fehlenden Antworten darauf veranlassen zur Skepsis - bei vielen Analysten.

Einen Hoffnungsschimmer sieht Warburg-Analyst Tonn: den Basiseffekt. „Wir können etwas positiver in das neue Jahr blicken, weil wir mit schwachem Dollar, schwierigen Absatzmärkten in Nordamerika, Europa und China sowie hohen Stahlpreisen schon 2004 sehr viele Belastungen hatten“, sagt er. „Da gibt es genügend Hebel, daß es 2005 hochgeht.“

Quelle: kön. / Frankfurter Allgemeine Zeitung, 29.12.2004, Nr. 304 / Seite 19
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