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Börse Fonds erwarten Wiederwahl von Bush

01.11.2004 ·  Eine Umfrage der Analysegesellschaft Morningstar hat ergeben, daß Anlagestrategen bei einer Wiederwahl von Präsident Bush mit Kursgewinnen am Aktienmarkt rechnen.

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Die überwiegende Mehrheit der Fondsmanager in Europa geht von einer Wiederwahl des amerikanischen Präsidenten George W. Bush aus. Das geht aus einer Umfrage der Fondsanalysegesellschaft Morningstar hervor, die kurz vor dem am heutigen Dienstag stattfindenden Wahlgang in den Vereinigten Staaten veröffentlicht wurde. Danach erwarten 69 Prozent einen Sieg des Amtsinhabers, während nur 31 Prozent auf den Herausforderer John Kerry setzen. Dies steht in unmittelbarem Kontrast zu den jüngsten Umfragen unter amerikanischen Wählern, die ein enges Kopf-an-Kopf-Rennen signalisieren.

Getragen wird die Einschätzung der Fondsmanager vor allem von der Aussicht auf Kursgewinne an den Aktienmärkten bei einem entsprechenden Wahlausgang. 38 Prozent gehen von einem Anstieg des marktbreiten S&P-500-Aktienindex im Zuge eines Bush-Wahlsieges aus. Einen positiven Effekt der Wahl von Herausforderer Kerry auf die amerikanischen Aktienkurse erwarten dagegen nur 17 Prozent.

„Die Wahl wird relativ schnell abgehakt“

Das Ergebnis der breit angelegten Umfrage, an der sich 52 Fondsgesellschaften mit einem verwalteten Vermögen von durchschnittlich 58 Milliarden Euro beteiligten, bestätigt viele einzelne Anlagestrategen, die sich zuletzt Gedanken über mögliche Szenarien nach der amerikanischen Präsidentschaftswahl machten. So heißt es in einem Marktkommentar der britischen Fondsgesellschaft Schroders, daß ein Wahlsieg von Kerry Befürchtungen wecken könnte, er sei ein eifrigerer Regulierer als Bush. Kurzfristig könnte deshalb ein Kerry-Sieg an den Aktienmärkten als negative Nachricht interpretiert werden. Demgegenüber wird auf die Politik Bushs verwiesen, von der insbesondere Pharma- und Gesundheitswerte profitierten.

Während eine kurzfristige Reaktion der Aktienmärkte auf den Ausgang der Präsidentenwahl allgemein erwartet wird, messen ihr nur wenige Strategen einen nachhaltigen Einfluß auf die Kursentwicklung zu. „Die Wahl wird relativ schnell abgehakt“, sagt DWS-Fondsmanager Marc-Alexander Knieß. Schon am Freitag stünden die neuen Monatsdaten vom amerikanischen Arbeitsmarkt an, denen er einen großen Einfluß auf die Kursentwicklung zumißt. In der kommenden Woche gerieten die Finanzmärkte dann wieder ganz in den Bann von Notenbank-Chef Alan Greenspan, wenn der Offenmarktausschuß der Fed über den Leitzins entscheidet. Schließlich dürfte auch der hohe Ölpreis wieder viel Aufmerksamkeit beanspruchen.

Im schlimmsten Fall Seitwärtsbewegung der Kurse

Etwas Kopfzerbrechen bereitet einigen Anlagestrategen lediglich die Möglichkeit einer Hängepartie wie vor vier Jahren, als wegen einer notwendigen Nachzählung der Stimmzettel in Florida erst nach gut vier Wochen der Wahlsieger feststand. Doch Tom Sowanick und Martin Mauro von Merrill Lynch verweisen darauf, daß damals trotz der vorübergehenden Ungewißheit kein Kursrutsch zu beobachten gewesen sei, den man auf das Geschehen hätte zurückführen können. Müßte also auch diesmal nachgezählt werden, wird von vielen Strategen im schlimmsten Fall mit einer Seitwärtsbewegung der Kurse gerechnet.

Die Historie sendet mit Blick auf die bevorstehende Wahl widersprüchliche Signale.So verweist Gerard Piasko, bei der Schweizer Privatbank Julius Bär verantwortlich für die Anlagestrategie im Vermögenskundengeschäft, auf den Umstand, daß die Börse in den vergangenen Wahlzyklen in der Regel nach einem Sieg des amtierenden Präsidenten bis zu 5 Prozent besser abgeschnitten habe als nach einem Sieg des Herausforderers. Demgegenüber zeigt eine Studie der britischen Barclays-Bank, daß nach 1945 in der Regierungszeit eines Präsidenten, der der Demokratischen Partei angehörte, die durchschnittliche Aktienrendite 14,1 Prozent betrug, während für die Regierungszeit republikanischer Präsidenten der Zuwachs bei 8,7 Prozent liegt. Amtsinhaber Bush ist Republikaner, sein Herausforderer Kerry Demokrat.

Quelle: sfu. / Frankfurter Allgemeine Zeitung, 02.11.2004, Nr. 256 / Seite 21
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