02.12.2004 · Mit Spannung erwarten die Wall-Street-Banker derzeit die Entscheidung über ihre flexiblen Gehaltsbestandteile. Klar ist bisher nur, daß die Zahlungen steigen, das Wachstum jedoch geringer ist als im Vorjahr.
Für die Angestellten der Wertpapierhäuser an der Wall Street hat die spannendste Zeit des Jahres begonnen. Denn derzeit werden in den Hochhäusern der Finanzgiganten die Entscheidungen über den jährlichen Bonus getroffen. Da die Banker in der Regel nur ein vergleichsweise geringes Grundgehalt erhalten, kommt dem variablen Bestandteil des Gehalts eine entsprechend hohe Bedeutung zu.
Die gute Nachricht: Die Banker dürfen in diesem Jahr mit gestiegenen Bonuszahlungen rechnen. Die schlechte Nachricht: Der Zuwachs wird aller Wahrscheinlichkeit nach unter dem des vergangenen Jahres liegen.
Anstieg um bis zu 15 Prozent
Insgesamt dürften die Boni an der Wall Street im Vergleich zum Vorjahr durchschnittlich um 10 Prozent bis 15 Prozent steigen. Zu dieser Einschätzung kommt eine Studie der Beratungsgesellschaft Johnson Associates. Diese Prognosen sind allerdings eine Enttäuschung für die Wall Street. Am Anfang des Jahres hatten Banker nach einem starken ersten Quartal noch mit Bonizuwächsen von mindestens 20 Prozent gerechnet. Nach zwei Quartalen mit allgemein nachlassendem Wachstum sind die Erwartungen aber zurückgegangen.
Im vergangenen Jahr waren die Boni zum ersten Mal seit 2000 wieder gestiegen. Das Wachstum betrug 25 Prozent auf insgesamt etwa 11 Milliarden Dollar. Der vermutet geringere Anstieg der Boni in diesem Jahr folgt auf einen Rückgang der Gewinne im Investmentbanking. Der Branchenverband Securities Industry Association rechnet mit einem branchenweiten Rückgang der Gewinne um 22 Prozent auf 18,9 Milliarden Dollar. Im dritten Quartal hatten Banken wie JP Morgan Chase und Morgan Stanley mit unerwartet schwachem Ergebnis im Rentengeschäft enttäuscht. Vor dem Hintergrund eines monatelangen Seitwärtstrends der Aktienkurse und Zurückhaltung vor den Präsidentenwahlen war auch die Aktivität bei Fusionen und Übernahmen (M & A) zurückgegangen.
Unterschiede bei Geschäftsbereichen
Allerdings wird es beim Bonus Unterschiede geben, je nachdem in welchem Geschäftsbereich die Banker arbeiten. Im Bereich Investmentbanking, also bei der Beratung bei Fusionen und Übernehmen, werden die Boni nach Einschätzung von Johnson Associates am stärksten steigen. Der flexible Bestandteil des Gehalts dürfte dort gegenüber dem Vorjahr um bis zu 25 Prozent wachsen. Den geringsten Anstieg werde es bei Aktien- und Rentenhändlern geben, hieß es. Boni für Aktienhändler stagnieren wahrscheinlich oder gehen sogar etwas zurück.
Der Bonusanstieg bei Rentenhändlern wird auf 5 Prozent bis 10 Prozent beziffert. Nach Ansicht von Alan Johnson, dem Geschäftsführer von Johnson Associates, ist der geringe Anstieg bei Rentenhändlern aber eine Folge ihres guten Abschneidens in den vergangenen Jahren. Weil die Rentenhändler schon im Vorjahr gut verdient haben, fällt das Bonus-Wachstum im Vergleich nicht allzu groß aus. „Die Investmentbanker hatten in den vergangenen zwei bis drei Jahren eine schwierige Zeit und bekommen jetzt einen starken Zuwachs von einem niedrigen Niveau aus“, analysiert Johnson. Bei der Gesamtvergütung dürften die Rentenhändler ihre Kollegen im Investmentbanking aber übertreffen.
Goldman Sachs an der Spitze
Die glorreichen Zeiten im Jahr 2000, als erfahrene Investmentbanker einen Bonus von 1,5 Millionen Dollar einstreichen konnten, sind jedoch vorbei. Für dieses Jahr schätzt Johnson den Bonus eines typischen Investmentbankers mit einem Grundgehalt von 200.000 Dollar auf bis zu 750.000 Dollar nach 550.000 Dollar im Vorjahr. Ein erfahrener Rentenhändler mit dem gleichen Grundgehalt könnte einen Bonus in Höhe von 1,4 Millionen Dollar erhalten - nach etwa 1,3 Millionen Dollar im Vorjahr.
Die höchsten Boni dürften bei Goldman Sachs fließen. „Wenn man eine Firma herausheben will, würde es Goldman Sachs sein, einfach weil deren Geschäft so gut lief“, sagte Johnson dem Fachblatt „Investment Dealers Digest“. Der Chef von Goldman Sachs, Henry Paulson, hat im vergangenen Jahr 20,4 Millionen Dollar verdient. Davon waren 600.000 Dollar Grundgehalt, der Bonus bestand aus Aktien mit Sperrfrist (restricted stock). Die Nummer zwei bei Goldman, der für das operative Tagesgeschäft zuständige Lloyd Blankfein verdiente bei gleichem Grundgehalt mit 20,1 Millionen Dollar nur ungleich weniger. Die meisten Vorstandschefs der Investmentbanken hatten 2003 vor dem Hintergrund einer stark gestiegenen Börse inklusive ihrer Boni über 20 Millionen Dollar kassiert.
| Name | Kurs | Prozent |
|---|---|---|
| DAX | 6.339,94 | +0,38% |
| FAZ-INDEX | 1.377,69 | −0,11% |
| TecDAX | 752,47 | +0,08% |
| MDAX | 10.196,40 | −0,34% |
| SDAX | 4.817,28 | +0,29% |
| REX | 434,70 | −0,15% |
| Eurostoxx 50 | 2.161,87 | +0,25% |
| F.A.Z. EURO | 69,61 | +0,13% |
| Dow Jones | 12.454,80 | −0,60% |
| Nasdaq 100 | 2.527,05 | −0,17% |
| S&P500 | 1.317,82 | −0,22% |
| Nikkei225 | 8.580,39 | +0,20% |
| EUR/USD | 1,2515 | −0,14% |
| Rohöl Brent Crude | 106,90 $ | +0,14% |
| Gold | 1.569,50 $ | +0,06% |
| Bund Future | 144,35 € | +0,25% |