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Börse Der Gang an ausländische Börsen hat sich selten gelohnt

20.07.2005 ·  Deutsche Unternehmen klagen über hohe Kosten und geringe Umsätze bei ausländischen Börsennotierungen. Dazu kommt das Problem des schwierigen Rückzugs aus dem amerikanischen Aktienmarkt.

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Die Zweitnotierung an ausländischen Börsen hat sich für die meisten der 55 deutschen Unternehmen, deren Aktien auch im Ausland gehandelt werden, nicht gelohnt. Eine Studie des Deutschen Aktieninstituts und der Rechtsanwaltskanzlei White&Case zeigt, daß sich vor allem die Hoffnung auf neue Anleger und eine höhere Liquidität der Aktien nicht erfüllt hat.

Der Anteil der Ausländer unter den Eigentümern sei zwar gestiegen. Das gelte aber auch für deutsche Aktiengesellschaften, die auf eine Notierung im Ausland verzichtet haben. Der Anteil des Börsenhandels im Ausland sei nach den meisten Zweitnotierungen rasch gefallen und betrage im Durchschnitt etwa 4 Prozent. Eine Ausnahme sei die SAP AG, deren Aktie zu rund 24 Prozent im Ausland gehandelt wird.

Persönliche Risiken in Amerika größer

Auf der anderen Seite sind die Kosten des Ausflugs auf das Börsenparkett in Paris, London und vor allem New York höher als erwartet. Insbesondere die verschärften rechtlichen Anforderungen nach den amerikanischen Bilanzskandalen haben den Aufwand in Übersee in die Höhe getrieben. So müssen amerikanische Unternehmen im Durchschnitt rund 5 Millionen Dollar aufwenden, um die verschärften internen Verhaltensregeln nach dem Sarbanes-Oxley-Gesetz zu erfüllen.

Weitere 3 Millionen Dollar sind für die Schaffung eines internen Kontrollorgans für die Überwachung der Finanzen erforderlich. Diese Kosten kommen auch auf deutsche Unternehmen zu, die in den Vereinigten Staaten an der Börse notiert sind. Unter ihnen schätzen die kleineren Unternehmen den laufenden Aufwand auf 0,8 bis 2 Millionen Euro, größere geben rund 5 Millionen Euro und in Einzelfällen auch deutlich mehr aus.

Zudem sind mit der verschärften Gesetzgebung in den Vereinigten Staaten auch erhebliche persönliche Risiken für das Management verbunden. So müssen vom kommenden Jahr an die Vorstandsvorsitzenden und Finanzvorstände einen sogenannten Bilanzeid schwören. Wer beim Lügen erwischt wird, muß eine Geldstrafe von einer Million Euro oder sogar bis zu ein Jahr Haftstrafe befürchten.

Gang an die Börse oft Einbahnstraße

Das alles würde nicht so schwer ins Gewicht fallen, wenn der Rückzug von der Börse möglich wäre. Doch anders als an allen anderen Märkten ist das in den Vereinigten Staaten schwierig. Gesellschaften, die den Handel einstellen und sich so den aufwendigen Berichtspflichten entziehen wollen, müssen nachweisen, daß sie weniger als 300 amerikanische Investoren haben.

Das ist in manchen Fällen kaum möglich, weil nicht jeder Treuhänder und jede Bank Anfragen nach den Aktieninvestoren beantworten. Aufgrund dieser Regeln wirkt der Gang an die New Yorker Börse für viele europäische Unternehmen wie eine Einbahnstraße.

Um das zu ändern, haben das DAI und andere europäische Institutionen Vorschläge für einen vereinfachten Rückzug vom Börsenparkett gemacht. So soll zum Beispiel die Schwelle der 300 Investoren ersetzt werden durch eine Börsenumsatzschwelle. Auch die SEC, die Börsenaufsicht der Vereinigten Staaten, ist an einer neuen Regelung interessiert.

Zweitnotierung bringt positiven Kurseffekt

Denn der nahezu unmögliche Rückzug hat dazu geführt, daß nur noch wenige ausländische Gesellschaften den Gang an die amerikanischen Börsen erwägen. Die SEC will deshalb im September einen Vorschlag für einen vereinfachten Nachweis der Investorenzahl machen. Im November soll ein weiterer Vorschlag für eine Regelung folgen, die den Rückzug von der Börse erleichtert.

Es sei trotz der enttäuschten Hoffnungen nicht richtig, von einem Scheitern der Zweitnotierungen zu sprechen, sagte Rüdiger von Rosen, Geschäftsführer des DAI, bei der Vorstellung der Studie. Man habe vor fünf Jahren, als die Welle der Zweitnotierungen besonders groß war, die Verschärfung der Gesetze nicht absehen können.

Zudem habe sich für einige Gesellschaften wie Siemens und SAP der Gang an ausländische Börsen durchaus gelohnt. So sei mit der Zweitnotierung in New York eine Steigerung der Reputation und eine Werbewirkung verbunden. Einige Gesellschaften wie Deutsche Telekom, Daimler-Chrysler und zuletzt Aixtron nutzen die eigenen Aktien als Währung für Übernahmen amerikanischer Unternehmen, was nur bei einer Zweitnotierung in Übersee möglich ist.

Nicht zu vernachlässigen sei außerdem der positive Kurseffekt. Eine weitere Studie habe belegt, daß sich die Aktien mit einer Zweitnotierung an einer ausländischen Börse mit einer erhöhten Wahrscheinlichkeit in den ersten zwölf Monaten nach der Zweitnotierung besser entwickeln als die nur an der Heimatbörse gehandelten Aktien.

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