Home
http://www.faz.net/-gv6-o6zu
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, BERTHOLD KOHLER, GÜNTHER NONNENMACHER, FRANK SCHIRRMACHER, HOLGER STELTZNER

Börse Chinesische Aktien für Privatanleger in greifbarer Nähe

10.02.2004 ·  Die Kurssprünge chinesischer Aktien wecken Begehrlichkeiten unter Privatanlegern. Mit steigenden Gewinnen nimmt das Interesse an Wertpapieren aus dieser Region zu.

Artikel Bilder (1) Lesermeinungen (0)

Die Kurssprünge chinesischer Aktien wecken Begehrlichkeiten unter deutschen Privatanlegern. Im Gleichschritt mit den Gewinnen - allein der Index der in Hongkong notierten chinesischen Unternehmen (H-Aktien) legte in den vergangenen zwölf Monaten um rund 50 Prozent zu - haben Banken und Investmentdienstleister ein steigendes Interesse an Wertpapieren aus dieser Region beobachtet. Die Wege für deutsche Privatanleger zu chinesischen Aktien können dabei erstaunlich kurz sein. Risikofreudige Investoren mit der Erwartungshaltung, daß sich die Kursgewinne fortsetzen, bieten sich mittlerweile drei Möglichkeiten des Marktzugangs: ein Engagement in Einzeltitel, der Kauf von Fondsanteilen und der Erwerb von strukturierten Produkten wie Zertifikaten oder Hebelpapieren. Das Angebot innerhalb dieser drei großen Gruppen weitet sich ständig aus.

So hat die Berliner Börse chinesische Aktien als interessante Marktnische entdeckt und sich mittlerweile als führender Handelsplatz für diese Papiere in Deutschland etabliert. Anleger haben dort mittlerweile Zugriff auf rund 1000 Titel. Damit geht das Angebot deutlich über die 32 H-Aktien aus Hongkong hinaus und umfaßt auch Werte von den Börsen Schanghai und Shenzen. An diesen beiden großen Börsenplätzen in der Volksrepublik gibt es zwei getrennte Marktsegmente für A-Aktien und B-Aktien. A-Aktien werden in Yuan gehandelt und sind lediglich chinesischen Investoren vorbehalten. B-Aktien stehen auch Ausländern offen und notieren in Dollar.

Der Kursabstand zwischen Berliner Börse und dem H-Aktien-Heimatmarkt Hongkong ist aus der Privatanlegerperspektive nicht allzu groß. So kostete beispielsweise eine Petrochina-Aktie in diesen Tagen in Hongkong umgerechnet 0,39 Euro, während der Kaufkurs in Berlin gleichzeitig bei 0,40 Euro lag.

Preiswertere Gebühren

Gerade bei kleineren Ordergrößen ist aber dieser Abstand durch die Zahlung der preiswerteren Gebühren für Inlandstransaktionen im Vergleich zu den teureren Gebühren für Transaktionen an Auslandsbörsen wie Hongkong schnell wieder drin. Bei einer Filialbank wie etwa der Commerzbank kostet eine Transaktion über Berlin derzeit 1,08 Prozent des Ordervolumens; über Hongkong fallen 1,3 Prozent bei einer Mindestgebühr von 430 Hongkong-Dollar (umgerechnet 43,60 Euro) an. Angesichts des teilweise großen Abstands zwischen Kauf- und Verkaufskurs in Berlin sollte aber spätestens bei mittelgroßen Orders die Börse Hongkong nicht aus den Augen verloren werden. So betrug die Spanne zwischen Kauf- und Verkaufskurs in Berlin bei Petrochina 2 Cent, bei China Life sogar 3 Cent - ein Abschlag zum Kaufkurs von jeweils rund fünf Prozent. In Hongkong ist wegen der höheren Liquidität dieser Abstand wesentlich enger. Deshalb sollte dieser Umstand vor allem vor der Erteilung größerer Orders unbedingt berücksichtigt werden. Für institutionelle Investoren wie die Fondsgesellschaft DWS ist es beispielsweise der Grund, daß alle Transaktionen in chinesischen Aktien allein wegen der Größenordnungen ausschließlich über die Heimatmärkte der China-Aktien laufen.

Die DWS gehört derzeit auch zu den wenigen Investmentgesellschaften, die auf dem deutschen Markt einen Aktienfonds anbieten, der ausschließlich chinesische Aktien in seinem Portfolio hält. Nur der Dit-China Fund, der J. P. Morgan Fleming China Fund, der Skandia China Mainland Equity Fund und der Parvest China sind in ihrer Strategieausrichtung ähnlich konsequent. Alle anderen unter der Bezeichnung chinesische Aktienfonds laufenden Produkte haben zumindest eine Beimischung von Aktien aus Nachbarländern der Volksrepublik in ihren Portfolios. Meist tragen diese Fonds dann die Wendung "Greater China" im Namen. Es bleibt aber auch noch genug Raum für mißverständliche Fondsnamen wie den Templeton China Fund, dem ebenfalls Hongkong- oder Taiwanaktien beigemischt sind.

Der maximale Ausgabeaufschlag der reinen China-Fonds liegt zwischen 4 und 6,25 Prozent, die jährliche Verwaltungsgebühr zwischen 1,5 und 2 Prozent. Die Fondsanlage hat für Privatanleger den Vorteil einer größeren Risikostreuung im Vergleich zu einem Engagement in einzelnen Titeln.

Bonität der Institute beachten

Investoren, die auf China (Einzelaktien oder Aktienkörbe) setzen wollen, werden auch bei sogenannten strukturierten Produkten fündig. Je nach Risikoneigung können sie aus verschiedenen Papieren auswählen: Hebelprodukte wie Optionsscheinen und Turbos - auch Knock-outs genannt - für spekulationsfreudige Anlegernaturen, Zertifikate für eher konservative. Hebelpapiere gibt es vor allem für die Wette auf Einzeltitel wie China Life oder China Mobile. Die Zertifikate indes beziehen sich meist auf einen aus mehreren Aktien gebildeten Index. Reine China-Zertifikate bieten etwa ABN Amro (China H-Share Open End, auch in einer währungsgesicherten Variante), die Deutsche Bank (China Opportunity), Goldman Sachs (FTSE/Xinhua China 25 Bonuszertifikat) und Société Générale ebenfalls auf alle H-Aktien. Daneben gibt es wie bei den Fonds noch einige in der Region breiter aufgestellte Produkte.

An Kosten fallen für den Anleger die üblichen Bankgebühren an. Zudem sollte er die Spanne zwischen An- und Verkaufskurs (Spread) und die Kosten der einzelnen Zertifikatestrukturen wie etwa Management- oder Währungsabsicherungsgebühren beachten. Bei Bonusprodukten beispielsweise, die, solange der Basiswert innerhalb bestimmter Grenzen bleibt, einen Bonus gewähren, akzeptiert der Anleger in der Regel einen im Vergleich zu herkömmlichen Indexprodukten höheren Spread und verzichtet auf die Dividenden. Bei dem China-Zertifikat von Goldman Sachs beträgt der Bonus 40 Prozent, wenn der Index die Schwelle von 70 Prozent des Referenzkurses zum Start nicht unterschreitet. Der Spread liegt hier derzeit bei rund 1,3 Prozent. Bei den Produkten von ABN Amro sind es 2 Prozent. Bei der Deutschen Bank liegt der Spread bei einem Prozent, die jährliche Managementgebühr für das Umschichten der Papiere beträgt 1,2 Prozent. Überdies sollte bei Zertifikaten, Schuldverschreibungen der einzelnen Banken, die Bonität der Institute beachtet werden, da es hier anders als bei Fonds ein Emittentenrisiko gibt.

Quelle: sfu./kpa. Frankfurter Allgemeine Zeitung, 11.02.2004, Nr. 35 / Seite 21
Hier können Sie die Rechte an diesem Artikel erwerben

  Weitersagen Kommentieren Merken Drucken
Weitersagen
25.05.2012 17:45 Uhr
  Vortag
Dax 6.339,94 +0,38%
 OK
25.05.2012
Name Kurs Prozent
DAX 6.339,94 +0,38%
FAZ-INDEX 1.377,69 −0,11%
TecDAX 752,47 +0,08%
MDAX 10.196,40 −0,34%
SDAX 4.817,28 +0,29%
REX 434,70 −0,15%
Eurostoxx 50 2.161,87 +0,25%
F.A.Z. EURO 69,61 +0,13%
Dow Jones 12.454,80 −0,60%
Nasdaq 100 2.527,05 −0,17%
S&P500 1.317,82 −0,22%
Nikkei225 8.580,39 +0,20%
EUR/USD 1,2515 −0,14%
Rohöl Brent Crude 106,90 $ +0,14%
Gold 1.569,50 $ +0,06%
Bund Future 144,35 € +0,25%