An der Wall Street begann die Bilanzsaison für das dritte Quartal mit einem Dämpfer. Gleich mehrere Unternehmen wurden an der Börse kräftig abgestraft, nachdem sie enttäuschende Ergebnisse ausgewiesen hatten. Der Aktienkurs des Aluminiumherstellers Alcoa brach trotz eines um 87 Prozent gestiegenen Nettogewinns um über 5 Prozent ein. Der Grund: Der Gewinn pro Aktie war aufgrund des jüngsten Rückgangs der Aluminiumpreise um über 20 Prozent hinter den Erwartungen der Analysten zurückgeblieben.
Alcoa ist traditionell der erste Titel des populären Dow-Jones-Index, der seine Ergebnisse vorlegt. Damit markiert der Konzern den inoffiziellen Beginn der Quartalssaison, die in den kommenden beiden Wochen ihren Höhepunkt erreichen und im Zentrum des Interesses an der Wall Street stehen wird. Unternehmensgewinne sind eine der wichtigsten Triebfedern für Aktienkurse.
Zwar hatten rund vier Fünftel von 30 im breitgefaßten Aktienindex S&P 500 abgebildeten Unternehmen, die schon vor Alcoa ihre Ergebnisse vorgelegt hatten, die Erwartungen übertroffen. Marktbeobachter fürchten dennoch, daß die Enttäuschungen dieser Woche bei Alcoa und anderen Unternehmen ein schlechtes Omen für den Rest der Bilanzsaison sein könnten. „Es gibt einige Sorgen, daß die Ergebnisse insgesamt enttäuschen und es eine Menge Warnungen vor schwächeren Ergebnissen im vierten Quartal geben könnte“, meint Dick Green, Präsident der Analysegesellschaft Briefing.com.
Grundstoffhändler haben gute Prognosen
Wie bei Alcoa brach auch der Aktienkurs des Agro-Chemiekonzerns Monsanto am Mittwoch um über 5 Prozent ein, nachdem das Unternehmen für das jüngste Quartal einen höher als erwarteten Verlust ausgewiesen hatte. Der Aktienkurs des größten amerikanischen Biotechnologieunternehmens Genentech fiel um fast 2 Prozent, weil der Umsatz in einer wichtigen Produktlinie enttäuschte. Am Donnerstag gaben die über den Erwartungen liegenden Quartalsergebnisse des Getränkeherstellers Pepsico und des Einzelhändlers Costco aber positive Impulse. Zudem erhöhte die Schnellrestaurantkette McDonald's, ebenfalls ein Dow-Jones-Wert, ihre Prognosen für das dritte Quartal.
Analysten rechnen für die im S&P 500 vertretenen Unternehmen derzeit mit einem durchschnittlichen Gewinnzuwachs von 14 Prozent. Damit würden die Quartalsgewinne nach Angaben des Finanzinformationsdienstes Thomson First Call das dreizehnte Mal in Folge zweistellig wachsen. Seit 1950 sei das bisher nur einmal vorgekommen, hieß es. Die Prognosen der Analysten sind im Vergleich zum Anfang des Quartals aber bereits zurückgegangen. Anfang Juli hatten die durchschnittlichen Wachstumserwartungen für den S&P-500-Gewinn noch 15,3 Prozent betragen.
Grundstoffhersteller, zu denen auch Alcoa gehört, werden den Prognosen zufolge mit einem Zuwachs um 46 Prozent unter den zehn Segmenten im S&P 500 am besten abschneiden. Neben Alcoa wurden bisher auch der Bergwerkskonzern Phelps Dodge und der Stahlproduzent United States Steel als wichtige Triebfeder in diesem Segment gehandelt. Aber möglicherweise ist Alcoa ein Indiz dafür, daß die Erwartungen für dieses Segment allgemein zu hoch sind.
Pharmabranche ist Schlußlicht
„Die schwächelnden Rohstoffpreise könnten zusammen mit einer abkühlenden Konjunktur problematisch werden und wahrscheinlich auch die Industriewerte belasten“, warnte Tobias Levkovich, der Investmentstratege der Großbank Citigroup. Der Chef-Anlagestratege der Investmentbank Merrill Lynch, Richard Bernstein, hatte in der vergangenen Woche davor gewarnt, daß Rohstoffpreise vor einer anhaltenden Korrektur stünden, nachdem Spekulanten die Preise in den vergangenen Monaten in die Höhe getrieben hätten.
Starke Ergebnisse erwartet Citigroup-Stratege Levkovich aber von der Finanzbranche, die ein Viertel zu den Gewinnen des S&P 500 beiträgt. Nach den verheerenden Wirbelstürmen des vergangenen Jahres hatten manche Anleger erneut starke Verluste für Versicherungen befürchtet. Die Wirbelsturmsaison ist allerdings mild ausgefallen. Analysten rechnen für die Finanztitel im S&P 500 derzeit mit einem Gewinnwachstum von 29 Prozent.
Das Schlußlicht wird laut Thomson First Call die Pharmabranche sein, der ein Gewinnwachstum von nur einem Prozent vorausgesagt wird. Energiekonzerne, die aufgrund des gestiegenen Ölpreises in den vergangenen Quartalen das stärkste Gewinnwachstum ausgewiesen hatten, werden den Schätzungen zufolge ihre Gewinne um 17 Prozent steigern. Der deutliche Rückgang der Preise für Öl sowie anderer Rohstoffe in den vergangenen Wochen hatte sich bisher aber nicht auf die Prognosen für die betroffenen Segmente ausgewirkt. Seit Anfang des Quartals sind die Schätzungen konstant geblieben.
