03.12.2008 · Der deutsche Aktienmarkt ist am Mittwoch mit Verlusten in den Handel gestartet. Die Anleger halten sich vor den wichtigen Arbeitsmarktdaten aus den Vereinigten Staaten zum Wochenende und der Zinsentscheidung in Europa zurück, sagt ein Händler.
Der deutsche Aktienmarkt ist am Mittwoch mit Verlusten in den Handel gestartet. Der Leitindex Dax fällt um 1,9 Prozent auf 4444 Punkte. Der MDax mittelgroßer Werte sinkt um 1,2 Prozent auf 5079 Zähler. Der TecDax verliert 1,7 Prozent auf 468 Punkte.
Die Anleger halten sich vor den wichtigen Arbeitsmarktdaten aus den Vereinigten Staaten zum Wochenende und anderen erwarteten Nachrichten wie Zinsentscheidungen in Europa zurück, sagt ein Händler.
Der Aktienkurs von Infineon bricht nach Vorlage enttäuschender Zahlen um 23 Prozent auf 1,28 Euro ein. Die Aktie ist so mit weitem Abstand der schwächste Wert im Dax. Infineon hatte deutlich höhere Verluste für das vierte Quartal ausgewiesen als von Analysten erwartet. „Auch wenn überhaupt nichts Gutes erwartet wurde, ist die Bilanz doch noch schlechter“, sagt ein Händler.
Ein anderer Börsianer nannte die Zahlen „schlecht wie immer“. Infineon mache nun schon fast traditionell hohe Verluste. Analyst Bernd Laux von Cheuvreux sprach von „erträglichen Zahlen mit einem schrecklichen Ausblick.“ Das Ergebnis werde durch höhere Restrukturierungskosten und eine schwache Gesamtentwicklung belastet.
Thyssen-Krupp stiegen um mehr als zwei Prozent kurz an die Dax-Spitze, verlieren aber zuletzt 0,2 Prozent auf 15,21 Euro. Händler verweisen auf ein mögliches Gebot des Ex-Thyssen-Vorstandschefs Dieter Vogel. Dieser will sich einem Pressebericht zufolge am Verkaufsprozess für Teile der Dienstleistungstochter seines alten Arbeitgebers beteiligen. Als Europachef des Finanzinvestors Lindsay Goldberg & Vogel (LGV) bereite Vogel ein Angebot für die Sparte Industrial Services vor, schreibt das „Handelsblatt“ (Mittwochausgabe) unter Berufung auf das Umfeld des Industriekonzerns. Ein positiver Analystenkommentar stütze den Kurs zusätzlich.
Die Aktien der Deutschen Bank
Deutsche Anleihen tendieren leichte
Nach den von Hoffnungen auf einen großen Zinsschritt der Europäischen Zentralbank getriebenen Gewinnen vom Vortag tendieren die deutschen Renten-Futures am Mittwoch leichter. Der Dezember-Kontrakt auf den Bund-Future verliert 22 Basispunkte auf 123,54 Prozent, der Bobl-Future gibt 23 Basispunkte auf 115,23 Prozent nach.
Aus charttechnischer Perspektive wird der Markt allerdings weiter vom Aufwärtstrend bestimmt. Dabei besteht für den Bund-Future unverändert die Möglichkeit, bis zum ehemaligen Top bei 124,60 Prozent zu laufen. Im Tageshandel sehen technische Analysten den Kontrakt allerdings bei 124,10 Prozent gedeckelt. Lediglich ein Bruch der 122,75 Prozent als Stundenschluss sei als Zeichen der Trendermüdung zu bewerten.
Euro zeigt sich schwächer
Nachdem der Euro am Dienstag angesichts der Kursgewinne an den Aktienmärkten sowohl gegen Dollar als auch Yen zugelegt hat, zeigt sich die Gemeinschaftswährung am Mittwochmorgen verglichen mit den beiden übrigen G3-Währungen etwas schwächer. Dabei fällt die Gemeinschaftswährung beim Übergang vom asiatisch dominierten zum europäisch geprägten Devisenhandel wieder unter die Marke von 1,27 Dollar.
Marktteilnehmer sprechen von Gewinnmitnahmen im Vorfeld der für Donnerstag avisierten Zinsentscheidung der Europäischen Zentralbank (EZB). Neue Impulse dürfte das Geschehen an den Währungsmärkten im Tagesverlauf von der vergleichsweise gut gefüllten Agenda makroökonomischer Daten bekommen.
Aus Europa stehen unter anderem die Einkaufsmanagerindizes für den Dienstleistungssektor im November sowie der Einzelhandelsumsatz im Oktober auf dem Programm. Aus den Vereinigten Staaten werden der ADP-Arbeitsmarktbericht für November sowie der ISM-Index für den Servicesektor der größten Volkswirtschaft der Welt im November erwartet. Am Abend sollte dann das Beige Book der Federal Reserve die Aufmerksamkeit der Devisenmarktakteure auf sich ziehen.
Darüber hinaus dürfte bereits die geldpolitische Entscheidung der EZB ihren Schatten auf das Geschehen an den Währungsmärkten werfen. Devisenhändler und Volkswirte rechnen mittlerweile mit einem großen Zinsschritt um 75 Basispunkte, der auch bereits in die Gemeinschaftswährung eingepreist sei. „Eine Senkung um lediglich 50 Basispunkte wäre eine Überraschung und könnte den Euro wieder in den Bereich von 1,30 Dollar führen. Über dieser Marke wird die Luft aber dann wieder dünn. Erst die Herausnahme des Schlüsselwiderstands bei 1,3050 Dollar würde neuen Spielraum nach oben verschaffen“, sagt ein Marktteilnehmer.
Asiens Börsen folgen amerikanischen Märkten ins Plus
Die asiatischen Aktienmärkte haben nach positiven amerikanischen Vorgaben am Mittwoch überwiegend Gewinne verzeichnet. In Tokio nutzten Anleger die deutlichen Verluste vom Vortag zum Wiedereinstieg. Gefragt waren nach einem positiven Analystenkommentar vor allem die Aktien des Einzelhändlers Seven & I Holdings. Verluste bei Autokonzernen und anderen Exporteuren hielten die Gewinne aber in Grenzen.
In Tokio legte der 225 Werte umfassende Nikkei-Index um 1,8 Prozent auf 8004 Punkte zu. Der breiter gefasste Topix-Index schloss 1,5 Prozent höher bei 799 Zählern. Auch die Aktienmärkte in Singapur, Hongkong und Shanghai tendierten fester. Dagegen verloren die Börsen in Südkorea und Taiwan.
Die Aktien des Einzelhändlers Seven & I Holdings notierten knapp zwölf Prozent im Plus. Zu den Tagesgewinnern zählten auch die Papiere von Pharmaunternehmen: Astellas-Aktien gewannen 1,6 Prozent, Eisai- Anteile stiegen 2,3 Prozent. Die Papiere des Autokonzerns Honda verloren dagegen 4,7 Prozent an Wert. Die Papiere des Rivalen Toyota gaben 0,9 Prozent ab.
Aktienkurse in Hongkong am Mittag fest
Die Börse in Hongkong präsentiert sich am Mittwochmittag (Ortszeit) fest und profitiert dabei von günstigen amerikanischen Vorgaben. Der HSI gewinnt nach der ersten Sitzungshälfte 1,4 Prozent auf 13.594 Punkte, wobei die dünnen Umsätze laut Händlern auf ein Fernbleiben vieler Investoren schließen lässt. Die UBS sieht den Leitindex Ende 2009 bei 15.900 Zählern und erwartet eine harte Landung bei der Ergebnisentwicklung chinesischer Unternehmen. Gegen den Trend laufen die Aktien im Immobiliensektor.
Berichte über steigende Hypothekenzinsen drückten hier auf die Stimmung, sagen Händler. SHK Properties geben 4,6 Prozent auf 56,10 Hongkong-Dollar, Cheung Kong 1,8 Prozent auf 68,45 Hongkong-Dollar und Sino Land 4 Prozent auf 5,33 Hongkong-Dollar ab.
Marvell nach Drittquartalszahlen nachbörslich gefragt
Marvell Technology waren am Dienstagabend im nachbörslichen New Yorker Handel gefragt. Das Halbleiter-Unternehmen hatte nachbörslich für das dritte Quartal dank einer verbesserten Marge und höherer Umsätze einen Gewinn oberhalb der
Analystenerwartung mitgeteilt. Auf bereinigter Basis verdiente der Konzern 0,23 Dollar je Aktie nach einem Verlust im Vorjahreszeitraum. Im Konsens hatten Analysten mit einem anteiligen Ergebnis von 0,21 Dollar gerechnet. Für das Papier ging es um 10,6 Prozent auf 5,63 Dollar nach oben.
Nach einer Anhebung der Free-Cash-Flow-Prognose nach der Schlussglocke waren auch Constellation Brands gefragt. Die Aktie kletterte um 1,6 Prozent auf 12,36 Dollar, obwohl das Unternehmen seine Gewinnschätzung für 2009 parallel zurückgeschraubt hatte.
Insgesamt zeigten sich die Kurse wenig verändert. Der NASDAQ-100 After Hours Indicator stieg um 0,22 Punkte auf 1130,22 Zähler.
Wall Street schließt sehr fest
Die Kurse an Wall Street haben am Dienstag ihre Verluste des Vortages teilweise wieder ausgeglichen und mit einer sehr festen Tendenz geschlossen. Vor allem die Aufschläge bei Ford und General Electric stützten das Sentiment. Nachdem die Indizes ihre Gewinne im Sitzungsverlauf zwischenzeitlich wieder fast komplett abgegeben hatten, kam es dann in der letzten Handelsstunde erneut zu einem Anstieg der Kurse, beflügelt vor allem durch die Bankenwerte.
Der Dow-Jones-Index für 30 Industriewerte (DJIA) verbesserte sich um 3,3 Prozent oder 270 Punkte auf 8.419 und schloss nur 18 Punkte unter seinem Tageshoch. Am Vortag hatte der Index noch den größten Prozentverlust seit dem 15. Oktober verzeichnet und 7,7 Prozent oder 680 Punkte verloren. Der S&P-500 erhöhte sich um 4 Prozent oder 33 Punkte auf 849. Der technologielastige Nasdaq Composite stieg um 3,7 Prozent oder 52 auf 1.450 Punkte.
Im Fokus standen vor allem die „Großen Drei“ - General Motors (GM), Ford und Chrysler - die am Berichtstag nachgebesserte Anträge auf Regierungshilfe vorlegen mussten. So will sich Ford im Gegenzug für staatliche Hilfe zu einem strikten Sparkurs und zur Umstellung auf zukunftsfähige Energiespar-Modelle verpflichten. Ford legte dem amerikanischen Kongress einen Plan zur Umstrukturierung vor, in dem er um eine Finanzspritze in Höhe von 9 Milliarden Dollar bittet. Ford gewannen 5,9 Prozent auf 2,70 Dollar.
GM hatte zwar mitgeteilt, dass eine Insolvenz keine Option für das Unternehmen darstellt, doch die amerikanische Gewerkschaft der Automobilarbeiter (UAW) befürchtet offenbar, dass GM noch vor Weihnachten Gläubigerschutz nach Chapter 11 anmelden muss, sollte der angeschlagene amerikanische Automobilhersteller keine staatliche Hilfe bekommen. Das berichtete das „Wall Street Journal“ unter Berufung auf mit der Situation vertraute Personen. Zusätzlich wurden GM von schwachen amerikanischen Absatzzahlen belastet. Die Zahl der verkauften Fahrzeuge ist im November um 41,3 Prozent eingebrochen. Die Aktie legte dennoch um 5,7 Prozent auf 4,85 Dollar zu.
Zu den Gewinnern gehörten ebenfalls General Electric, die um 13,6 Prozent auf 17,61 Dollar stiegen. Der Mischkonzern hat eine Verkleinerung der Finanzsparte GE Capital angekündigt und rechnet für das vierte Quartal mit einem Gewinn am unteren Ende des ausgegebenen Zielkorridors. Allerdings geht General Electric weiterhin davon aus, eine Dividende von 1,24 Dollar je Aktie zahlen zu können. „Die Dividenden-Aussage war eindeutig positiv“, hieß es von einem Teilnehmer.
Gestützt wurde das Sentiment in der letzten Handelsstunde vor allem von den Aufschlägen bei den Bankenwerten. Hier sei es zu einer Erholung nach den jüngsten deutlichen Abgaben gekommen. So gewannen Citigroup 11,9 Prozent auf 7,22 Dollar und J.P.Morgan rückten um 9,2 Prozent auf 28,53 Dollar vor. Dagegen reduzierten sich Goldman Sachs um 1,2 Prozent auf glatt 65 Dollar. Hier wurde auf einen Bericht im „Wall Street Journal“ verwiesen, wonach die Bank einen Quartalsverlust von 5 Dollar je Aktie eingefahren haben könnte. Damit würde der Verlust den Konsens um das Fünffache übersteigen. Bislang hatte Goldman Sachs die Krise an den Finanzmärkten - im Vergleich zu vielen Wettbewerbern - relativ schadlos überstanden.
Amerikanische Anleihen mit leichten Aufschlägen
Nach anfänglichen Gewinnmitnahmen haben sich die amerikanischen Anleihen am Dienstag im späten Verlauf des New Yorker Handels mit moderaten Aufschlägen gezeigt. Die Konjunktursorgen hätten im Handelsverlauf wieder die Oberhand gewonnen und für steigende Notierungen gesorgt. Vor allem am langen Ende des Marktes sei es zu Gewinnen gekommen. Zwischenzeitlich fiel die Rendite des Longbond auf einen historischen Tiefststand bei 3,173 Prozent, erholte sich dann aber wieder leicht. „Die in den vergangenen Wochen gesehene Flucht in den sicheren Hafen Anleihen setzt weiter fort“, kommentierte ein Teilnehmer.
Zehnjährige Titel mit einem Kupon von 3,750 Prozent kletterten um 16/32 auf 109-10/32 und rentierten mit 2,68 Prozent. Der mit 4,500 Prozent verzinste Longbond erhöhte sich um 15/32 auf 124-29/32, seine Rendite fiel damit auf 3,19 Prozent. Zu Handelsbeginn hatten Investoren nach den massiven Aufschlägen des Vortages noch Gewinne realisiert. Hintergrund waren vor allem Aussagen von Notenbankpräsident Ben Bernanke, wonach der Rückkauf von Staatsanleihen eine Option sei, um die Finanzmärkte und die Konjunktur zu stützen.
Das Interesse der Anleger sei aber bereits auf den amerikanischen Arbeitsmarktbericht am Freitag gerichtet, hieß es. Für November wird mit einem weiteren Rückgang der Beschäftigten um 320.000 gerechnet, nachdem bereits im Oktober ein Minus von 240.000 verzeichnet worden war. Damit hätte es in keinem Monat des Jahres 2008 eine Zunahme bei den Beschäftigten gegeben. Die Arbeitslosenquote dürfte auf 6,8 Prozent von zuvor 6,5 Prozent gestiegen sein. Dies wäre der höchste Stand seit 1993.
| Name | Kurs | Prozent |
|---|---|---|
| DAX | 6.741,96 | +0,73% |
| FAZ-INDEX | 1.504,93 | +0,66% |
| TecDAX | 773,87 | +0,52% |
| MDAX | 10.291,80 | +0,42% |
| SDAX | 5.008,86 | +0,48% |
| REX | 421,76 | +0,17% |
| Eurostoxx 50 | 2.495,04 | +0,58% |
| F.A.Z. EURO INDEX | 80,71 | +0,87% |
| Dow Jones | 12.801,20 | −0,69% |
| Nasdaq 100 | 2.547,32 | −0,65% |
| S&P500 | 1.342,64 | −0,69% |
| Nikkei225 | 8.999,18 | +0,58% |
| EUR/USD | 1,3265 | +0,20% |
| Rohöl Brent Crude | 118,06 $ | +0,14% |
| Gold | 1.711,50 $ | −2,09% |
| Bund Future | 137,83 € | −0,57% |