29.07.2010 · Starke Geschäftsberichte lassen am deutschen Aktienmarkt vor allem den Dax steigen. Ein Viertel der Unternehmen legt am Donnerstag einen Zwischenbericht vor. der MDax bleibt dagegen zurück.
Starke Geschäftsberichte verhelfen dem deutschen Aktienmarkt am Donnerstag zu Gewinnen. Die enttäuschenden Konjunkturdaten aus den Vereinigten Staaten vom Vortag seien in den Hintergrund gerückt, sagen Händler. Der Leitindex Dax steigt um 0,4 Prozent auf 6201 Punkte. Der MDax notiert wenig verändert bei 8502 Zählern, der TecDax rückt um 0,35 Prozent auf 782 Punkte vor.
Favorit im Dax sind die Aktien von Merck mit einem Kursaufschlag von 2,7 Prozent auf 65,91 Euro. Bei dem Chemie- und Pharmakonzern führte vor allem die Erholung im Chemiegeschäft zu einem kräftigen Gewinnanstieg und einer Anhebung der Jahresprognosen. „Insgesamt ein starker Quartalsbericht“, urteilt ein Händler.
Dem Elektrokonzern Siemens gelang es, im dritten Unternehmensquartal an vergangene Boomzeiten anzuknüpfen. Der Auftragsbestand stieg auf ein neues Rekordergebnis. Den Ausblick auf das Gesamtjahr hob Vorstandschef Peter Löscher nach Händlermeinung an, indem Löscher nun im Geschäftsjahr 2009/2010 (Ende September) ein Sektorenergebnis erwartet, dass „deutlich“ über dem Rekord-Vorjahreswert von 7,5 Milliarden Euro liegen soll. Bislang hieß es lediglich es werde darüber liegen. Die Anteilsscheine von Siemens profitieren mit einem Anstieg um 1,3 Prozent auf 77,149 Euro.
Überraschend starke Zahlen legte auch der weltgrößte Chemiekonzern BASF vor. BASF profitierte im zweiten Jahresviertel erneut von einer kräftig anziehenden Nachfrage in fast allen Bereichen. Nach bereits einem überraschend guten Auftaktquartal verdoppelte sich das Ergebnis vor Zinsen, Steuern (Ebit) und Sondereffekten nahezu, was die Aktie um 1,9 Prozent auf 46,19 Euro steigen lässt.
Freundlicher Rentenmarkt
Der deutsche Rentenmarkt tendiert am Donnerstag etwas freundlicher. Der richtungweisende Terminkontrakt auf die zehnjährige Bundesanleihe, der Bund-Future, gewinnt 11 Basispunkte auf 127,92 Prozent, der kürzer laufende Bobl-Future 5 Basispunkte auf 119,62 Prozent.
Charttechnisch hat der Bund-Future nach Einschätzung der HSBC zuletzt reichlich Porzellan zertrümmert. So fiel das Rentenbarometer nach der Rückkehr in den Haussetrendkanal seit Juni 2009 unter die wichtige Unterstützungszone aus verschiedenen Hoch- und Tiefpunkten zwischen 128,18 Prozent und 127,99 Prozent. Damit wurde eine Dreiecksformation nach unten aufgelöst, die negative Implikationen beinhalte.
Um das technische Bild nicht noch weiter zu gefährden, gelte es nun, das Tief vom 21. Juni bei 127,12 Prozent unbedingt zu verteidigen. Bei einem Unterschreiten dieser Marke wäre eine Topformation komplettiert, deren rechnerisches Abschlagspotential bei rund
300 Ticks liege. In diesem Fall wären die ehemaligen Allzeithochs vom Jahresbeginn 2009 bei 126,53/52 Prozent wohl nur eine Durchgangsstation auf dem Weg zum Hoch vom 5. Februar bei 124,53 Prozent.
Auch wenn ein Ausverkauf trotz der negativen Weichenstellung bisher nicht stattgefunden habe, sollten sich Anleger auf schwächere Notierungen einstellen. Darauf deuteten auch die technischen Indikatoren hin, die derzeit durch die Bank klare
Verkaufssignale aufweisen.
Euro kaum verändert um 1,30 Dollar
Der Euro tendiert gegenüber dem Dollar zum Vortag kaum verändert und bewegt sich weiter um die Marke von 1,30 Dollar. „Es fehlen momentan die Nachrichten, die Währungspaare in Bewegung zu bringen“, heißt es aus dem Handel. Zu erkennen ist, dass der Yen leicht von der etwas hinter der Erwartung zurückbleibenden Wirtschaftsentwicklung in den Vereinigten Staaten profitiere. Der am Vortag veröffentlichte Auftragseingang langlebiger Wirtschaftsgüter wurde als leicht belastend aufgenommen.
Keine Überraschung enthielt das am Vorabend veröffentlichte „Beige Book“. Die Wirtschaftsaktivität in den Vereinigten Staaten ist einer Umfrage der amerikanischen Notenbank zufolge zwischen Juni und Mitte Juli in vielen Distrikten gestiegen. Allerdings wurde die Verbesserung zumeist nur als „moderat“ beschrieben. „Per saldo“ habe sich die Wirtschaftsdynamik erhöht, heißt es in dem Bericht. Die Aktivität fiel in einigen Regionen gemischter aus als bisher: In dem vorhergehenden Konjunkturbericht von Anfang Juni war noch eine höhere Wachstumsdynamik in allen zwölf Distrikten registriert worden. Die Lage am amerikanischen Arbeitsmarkt wurde wie bereits im vergangenen „Beige Book“ günstiger beurteilt.
Noch ist es nach Einschätzung der Commerzbank zu früh, für den Dollar Entwarnung zu geben. Denn nach wie vor sehe der Markt eine gewisse Wahrscheinlichkeit, dass die Vereinigten Staaten erneut in eine Rezession falle. Schlechte Daten erhöhten diese Wahrscheinlichkeit zumindest, auch wenn sie nach wie vor sehr gering sein dürfte. Mehr Klarheit bezüglich der Situation werde für den Berichtstag kaum erwartet, da lediglich die wöchentlichen Erstanträge auf Arbeitslosenhilfe auf der Agenda stünden. Am Freitag werde es mit den BIP-Daten aus den Vereinigten Staaten für das zweite Quartal spannender.
Asiens Börsen uneinheitlich
Die Börsen in Fernost haben am Donnerstag uneinheitlich tendiert. In Tokio kam es nach dem Zwei-Wochen-Hoch des Vortages zu Gewinnmitnahmen. Doch auch ein verhaltener Wirtschaftsausblick der Fed und eher schwache Konjunkturdaten aus den Vereinigten Staaten trübten die Stimmung. Unter Druck geriet vor allem der Elektronikkonzern Panasonic, nachdem Pläne zur vollständigen Übernahme von Sanyo Electric und Panasonic Electric Works bekanntgeworden waren. Berichte über das Vorhaben, den Deal mit einer Aktienausgabe im Volumen von bis zu 5,7 Milliarden Dollar zu finanzieren, schickte Panasonic-Papiere weiter auf Talfahrt. Die Aktien gaben 7,7 Prozent nach, Sanyo-Aktien schossen dagegen mehr als 26 Prozent in die Höhe.
Der 225 Werte umfassende Nikkei-Index schloss 0,6 Prozent im Minus bei 9696 Zählern. Der breiter gefasste Topix-Index verlor in Tokio 0,5 Prozent auf 861 Punkte. Auch die Börsen in Korea und Hongkong mussten Federn lassen. Der Aktienmarkt in Singapur trat auf der Stelle. Die Börsen in Taiwan und Shanghai konnten dagegen einen leichten Gewinn verbuchen.
Die Unsicherheit über die Wirtschaft in den Vereinigten Staaten und Europa verunsichere die Anleger, sagte Yutaka Miura von Mizuho Securities in Tokio. Gewinnmitnahmen rückten in den Vordergrund. Auch in den Vereinigten Staaten schienen die Aktienkurse einen vorläufigen Höhepunkt zu erreichen. Ein anderer Händler sagte ebenfalls, wie die amerikanischen Börsen lege auch der japanische Markt eine Verschnaufpause ein. Am Vortag war der Nikkei um 2,7 Prozent in die Höhe geklettert und hatte auf dem höchsten Stand seit zwei Wochen geschlossen.
Neuigkeiten und Kursbewegungen nach Börsenschluss an der Wall Street
Etwas leichter entwickelten sich die Aktienkurse im nachbörslichen amerikanischen Handel am Mittwoch im Vergleich zum regulären Geschäft. Der Nasdaq After Hours Indicator fiel um 0,11 Prozent auf 1870,65 Zähler.
Die Aktien der IT-Unternehmen Nvidia und Symantec gerieten unter Druck. Nvidia hatte den Umsatzausblick für das zweite Quartal verringert. Der Grafikchip-Hersteller rechnet nun mit 800 Millionen bis 820 Millionen Dollar, bislang waren es 950 Millionen bis 970 Millionen Dollar gewesen. Er begründete den Schritt mit konjunktureller Schwäche in Europa und China. Der Aktienkurs fiel um 6,9 Prozent auf 9,43 Dollar.
Für Symantec ging es um 8,1 Prozent abwärts auf 13,48 Dollar. Der Anbieter von Sicherheits-Software hat für sein erstes Geschäftsquartal einen Umsatz von 1,445 Milliarden bis 1,465 Milliarden Dollar und ein bereinigtes Ergebnis von 0,27 bis 0,28 Dollar je Aktie in Aussicht gestellt. Analysten hatten bislang im Mittel 1,52 Milliarden oder 0,35 Dollar erwartet. Für das abgelaufenen Quartal veröffentlichte Symantec 1,43 Milliarden Dollar Umsatz. Die Durchschnittsprognose hatte auf 1,47 Milliarden Dollar gelautet. Der bereinigten Gewinn je Aktie entsprach mit 0,35 Dollar den Erwartungen.
Wall Street schließt wegen Konjunktursorgen etwas leichter
Mit einer wieder stärker ausgeprägten Konjunkturskepsis haben die amerikanischen Börsen am Mittwoch im Minus geschlossen. Der Dow-Jones-Index für 30 Industriewerte gab um 0,4 Prozent auf 10.498 Punkte nach. Der S&P-500 verlor 0,7 Prozent auf 1.106 Zähler und der Nasdaq Composite-Index sank um 1 Prozent auf 2.265 Punkte. Im späten Verlauf bauten die Indizes nach Veröffentlichung des „Beige Books“ der amerikanischen Notenbank ihre Verluste noch etwas aus.
„Der Markt präsentiert sich ziemlich lustlos und verdaut die deutlichen Gewinne der vergangenen Woche“, fasste Finanzberater Keith Springer von Capital Financial Advisory Services das Geschehen zusammen. Dies sei ein Beleg für konjunkturelle Schwäche und Unsicherheit. Bei den positiven Geschäftsausweisen dominierten noch immer die Kostensenkungen. Dies könne aber nicht unendlich fortgesetzt werden, so der Marktstratege weiter.
Händler führten die Abgaben auf die enttäuschenden Konjunkturdaten zurück. Der Auftragseingang langlebiger amerikanischer Wirtschaftsgüter ist im Juni überraschend gesunken. Die Bestellungen gingen gegenüber dem Vormonat um 1,0 Prozent zurück. Ökonomen hatten hingegen mit einem Zuwachs von 1,1 Prozent gerechnet. Der Vormonatswert wurde zudem auf minus 0,8 Prozent (vorläufig: minus 0,6 Prozent) revidiert. Die Zahlen zeugen nach Ansicht von Volkswirten von der verringerten Erholungsdynamik der amerikanischen Industrie. Der neuerliche Anstieg der zivilen Kapitalgüterbestellungen, ohne Flugzeuge, deute im Monatsvergleich aber auf den intakten Investitionszyklus hin.
Ebenfalls nicht zu einer Aufhellung des Sentiments war die Konjunktureinschätzung der amerikanischen Notenbank angetan. Die Wirtschaftsaktivität in den Vereinigten Staaten ist einer Umfrage der Federal Reserve zufolge zwischen Juni und Mitte Juli in vielen, aber nicht allen Distrikten gestiegen. Allerdings wurde die Verbesserung zumeist nur als „moderat“ beschrieben, wie die amerikanische Notenbank in ihrem am Abend vorgelegten Konjunkturbericht „Beige Book“ berichtete. Im vorhergehenden Konjunkturbericht war noch eine höhere Wachstumsdynamik in allen zwölf Distrikten registriert worden.
„Es weht noch immer ein rauer Wind in der Wirtschaft“, sagte ein Investmentstratege zu den Daten. Die Zahlen seien wirklich „nicht berauschend“. Ohne die Stimmung wirklich verbessernde Nachrichten dürfte es kaum nach oben gehen, hieß es mit Blick auf die Indexbewegungen weiter. Ein anderer Börsianer sprach von weiteren Zeichen einer sich abschwächenden Konjunkturerholung.
Auf das Sentiment drückten auch die nicht überzeugenden Geschäftszahlen von Boeing. Der Flugzeughersteller hat im zweiten Quartal 2010 unter anderem wegen gesunkener Flugzeugauslieferungen weniger verdient. Der Nettogewinn schrumpfte um 21 Prozent auf 787 Millionen Dollar und der Gewinn je Aktie ging auf 1,06 Dollar von 1,41 Dollar zurück. Der Umsatz sank um 9 Prozent auf 15,57 Milliarden Dollar. Analysten hatten im Konsens mit einem anteiligen Gewinn von 1,01 Dollar bei Erlösen von 16,13 Milliarden Dollar gerechnet. Die Gewinnprognose bestätigte der Konzern aus Chicago, er will aber weniger investieren als ursprünglich geplant. „Das passt gut zu den enttäuschenden Zahlen zu den langlebigen Wirtschaftsgütern und zeugt von der holperigen Erholung der amerikanischen Wirtschaft“, interpretierte ein Marktteilnehmer den Geschäftsausweis. Boeing verloren als schwächster Standardwert 1,9 Prozent auf 67,32 Dollar.
Conoco-Phillips pendelten lange Zeit mit wechselnden Vorzeichen um den Schlussstand des Vortages und gingen unverändert bei 54,44 Dollar aus dem Handel. Das Unternehmen hat nicht nur die Schätzungen übertroffen, sondern will zugleich 40 Prozent seines Anteils an Lukoil an den russischen Konzern verkaufen. Zu den gesuchten Werten gehörten Telekommunikationstitel: Händler verwiesen auf den Geschäftsausweis von Sprint Nextel. Der ausgewiesene Verlust fiel geringer als befürchtet aus. Die Aktie stieg um 0,2 Prozent auf 4,84 Dollar, Verizon kletterten um 1,1 Prozent auf 28,91 Dollar.
Cephalon fielen indes um 8,4 Prozent auf 57,62 Dollar, nachdem das Biotechnologieunternehmen mit seinem Umsatzausblick für das laufende Quartal unter der Durchschnittsprognose gelegen hatte. Für das abgelaufene Quartal hat Cephalon die Schätzungen allerdings übertroffen. Die Anteilsscheine des Halbleiterherstellers Broadcom büßten nach Geschäftsausweis des Unternehmens 0,2 Prozent auf 37,47 Dollar ein. Eastman Kodak brachen nach Vorlagen von Geschäftszahlen um 15,2 Prozent auf 4,18 Dollar ein.
Amerikanische Anleihen fester
Fester haben die Notierungen der amerikanischen Staatsanleihen am Mittwoch im späten New Yorker Handel tendiert. Schwache Konjunkturaussichten und eine erfolgreich verlaufene Auktion neuer Schuldtitel verliehen den Festverzinslichen Rückenwind. Zehnjährige Anleihen mit einem Kupon von 3,500 Prozent zogen um 16/32 auf 104-9/32 an und rentierten mit 2,99 Prozent. Der mit 4,375 Prozent verzinste Longbond rückte um 8/32 auf 105-9/32 vor, seine Rendite fiel damit auf 4,07 Prozent.
Bei der Versteigerung fünfjähriger amerikanischen Notes im Volumen von 37 Milliarden Dollar hat sich eine Höchstrendite von 1,796 Prozent (vorherige Auktion: 1,995 Prozent) ergeben. Es gingen Gebote über 113,07 (97,97) Milliarden Dollar ein. Das Bid-to-Cover-Ratio stellte sich auf 3,06 (2,58).
Bereits am Vortag war eine Auktion von Papieren mit einer zweijährigen Laufzeit auf lebhaftes Kaufinteresse gestoßen. „Die Auktion heute verlief äußerst überzeugend und bewies, dass es genügend Liquidität im Markt gibt, um das erweiterte Angebot aufzufangen“, sagte Rentenhändler Adam Brown von Barclays Capital in New York.
Die hohe Nachfrage nach vermeintlichen sicheren Anlagen erklärten Händler mit den schwachen Konjunkturdaten. „Anleger hatten von den Auftragseingängen etwas mehr Stärke erwartet“, sagte Rentenhändler Brian Edmonds von Cantor Fitzgerald. Der am Abend von der amerikanischen Notenbank veröffentlichte Konjunkturbericht „Beige Book“ untermauerte die mäßigen Konjunkturaussichten und spielte den amerikanischen Anleihen in die Hände.
| Name | Kurs | Prozent |
|---|---|---|
| DAX | 6.339,94 | +0,38% |
| FAZ-INDEX | 1.377,69 | −0,11% |
| TecDAX | 752,47 | +0,08% |
| MDAX | 10.196,40 | −0,34% |
| SDAX | 4.817,28 | +0,29% |
| REX | 434,70 | −0,15% |
| Eurostoxx 50 | 2.161,87 | +0,25% |
| F.A.Z. EURO | 69,61 | +0,13% |
| Dow Jones | 12.454,80 | −0,60% |
| Nasdaq 100 | 2.527,05 | −0,17% |
| S&P500 | 1.317,82 | −0,22% |
| Nikkei225 | 8.580,39 | +0,20% |
| EUR/USD | 1,2515 | −0,14% |
| Rohöl Brent Crude | 106,90 $ | +0,14% |
| Gold | 1.569,50 $ | +0,06% |
| Bund Future | 144,35 € | +0,25% |