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Blick auf den Finanzmarkt Moody's Drohung gegen Amerika drückt Aktienkurse

 ·  Moody's Drohung einer Herabstufung der Kreditwürdigkeit der Vereinigten Staaten belastet am Donnerstag die europäischen Aktienmärkte. Für Gesprächsstoff sorgt vor allem die Software AG, deren Aktienkurs deutlich einbricht.

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Der deutsche Aktienmarkt hat am Donnerstag wieder den Rückwärtsgang eingelegt. Der Streit über die Erhöhung der amerikanischen Schuldengrenze hat abermals an Dramatik zugelegt, nachdem die amerikanische Ratingagentur Moody's dem Land mit der Aberkennung seiner Topbonität drohte. An den asiatischen Börsen dominierten daraufhin Verluste und auch der Dax sinkt um 0,3 Prozent auf 7.244 Punkte. Der marktbreite FAZ-Index gibt 0,4 Prozent auf 1625 Zähler nach, der MDax verliert 0,3 Prozent auf 10.895 Punkte. Für den TecDax geht es um 1,9 Prozent nach unten auf 857 Punkte.

Schwach tendiert der Future auf den Dow Jones Industrial mit minus 0,95 Prozent seit dem Xetra-Schluss vom Vortag. Für neue Impulse dürften am Nachmittag insbesondere die amerikanischen Erzeugerpreise sowie Einzelhandelsdaten und die Zahlen der Investmentbank JP Morgan sorgen.

Neben den von der Schuldenkrise belasteten Finanztiteln fallen vor allem Softwaretitel nach vorläufigen Zahlen der Software AG mit massiven Verlusten auf. Deren Aktien brechen am TecDax-Ende um 13,5 Prozent ein, SAP-Aktien sind mit minus 2,4 Prozent schwächster Dax-Wert. Der für das zweite Quartal avisierte Umsatz und auch das operative Ergebnis der Software AG lagen deutlich unter den Erwartungen der Marktteilnehmer. Die Unicredit reagierte bereits mit einer Streichung ihrer Kaufempfehlung. Die Aussage, dass die Nachfrage nach der Implementierung von SAP-Produkten weiter unter dem Vorjahresniveau geblieben sei, belastet einem Börsianer zufolge auch die SAP-Papiere stark.

Allianz fallen um 0,7 Prozent. Börsianer verweisen neben der schwachen Stimmung für Finanztitel auf Aussagen des amerikanischen Versicherers Hartford Financial. Dieser hatte am Vorabend mitgeteilt, dass die Erwartungen im zweiten Quartal wohl deutlich verfehlt werden. Der deutsche Versicherungskonzern hält etwas mehr als 5 Prozent an dem amerikanischen Unternehmen. Generell reagierten die Allianz-Titel auf Nachrichten der Beteiligung, kommentierte ein Händler.

Für Aktien der Metro geht es nach einem Bericht der „Süddeutschen Zeitung“ um 1,15 Prozent nach unten. Wie das Blatt berichtete, haben Staatsanwaltschaft und Polizei bei einer bundesweiten Razzia am Mittwoch wegen Bestechungsvorwürfen rund 20 Büros und Privatwohnungen durchsucht. Darunter war auch die Zentrale von Media-Saturn in Ingolstadt, Europas größter Elektronikmarkt-Kette.

Rentenmarkt tendiert fester

Der deutsche Rentenmarkt tendiert am Donnerstag fester. Der richtungweisende Terminkontrakt auf die zehnjährige Bundesanleihe, der Bund-Future, gewinnt 17 Basispunkte auf 128,52 Prozent, der kürzer laufende Bobl-Future 2 Basispunkte auf 118,54 Prozent.

Für HSBC Trinkaus ist das hohe Handelsvolumen im Bund-Future vom Dienstag, als knapp 1,8 Millionen Kontrakte umgingen, ein Indiz für eine größere Korrektur. Auf das Jahreshoch bei 130,91 Prozent sei eine starke Umkehr (Intraday-Reversal) gefolgt und der Bund-Future wieder in den März-Aufwärtstrendkanal zurückgefallen. „Damit droht beim Bund-Future ein Wiedersehen mit dem alten Jahreshoch bei 127,57 Prozent“, lautet die Prognose der Analysten.

Drohende Abstufung der Vereinigten Staaten lastet auf dem Dollar

Angesichts einer drohenden Abstufung der Kreditwürdigkeit der Vereinigten Staaten durch die Rating-Agentur Moody's neigt der Dollar am Donnerstagmorgen zur Schwäche. Gegen 7.31 Uhr MESZ kostet der Euro 1,4206 Dollar. Am Mittwochabend wurde die Gemeinschaftswährung noch mit 1,4140 Dollar bewertet. Zum Yen ist die amerikanische Währung im asiatischen Währungsgeschäft im Tief von 78,245 Dollar auf den niedrigsten Stand seit vier Monaten gefallen.

„Die Tatsache, dass Moody's für die Vereinigten Staaten eine Herunterstufung angedroht hat, macht die Welt nicht sicherer“, kommentiert Cyrus de la Rubia von der HSH Nordbank. Ebenfalls betroffen sind von der Prüfung die „AAA“-Ratings von direkt mit der Regierung verbundenen Organisationen, wie Fannie Mae, Freddie Mac, der Federal Home Loan Banks, und der Federal Farm Credit Banks.

Am Vormittag könnte eine Bondauktion Italiens den Euro bewegen. Am Nachmittag dürfte sich das Interesse an den Devisenmärkten auf Konjunkturdaten aus den Vereinigten Staaten richten. Veröffentlicht werden Einzelhandelsumsätze im Juni, wöchentliche Arbeitsmarktdaten und Erzeugerpreise im Juni.

Aus technischer Sicht ist der Euro zum Dollar bei 1,42 Dollar unterstützt, bei 1,4330/1,43440 Dollar liegt eine Widerstandszone.

Moody's Warnschuss en setzt Asiens Börsen zu

Der Warnschuss der Ratingagentur Moody's gegen die Vereinigten Staaten hat am Donnerstag die Aktienmärkte in Asien belastet. Auch die anhaltende Schuldenkrise in Europa führte dazu, dass an der Leitbörse Tokio die großen Indizes nachgaben. Der höhere Yen in Tokio hielt die Exportwerte unter Druck. Auch die anderen asiatischen Börsen tendierten überwiegend nach unten.

So verlor der 225 Werte umfassende Nikkei-Index 0,3 Prozent auf 9936 Punkte. Der breiter gefasste Topix-Index fiel in Tokio um 0,4 Prozent auf 857 Punkte. In Hongkong, Südkorea und Singapur ging es ebenfalls nach unten. Auch Taiwan meldete Verluste. Dagegen notierte Shanghai nahezu unverändert.

Die Drohung von Moody's sei von den Märkten noch nicht eingepreist gewesen, so dass die Kurse gefallen seien, sagte Nagayuki Yamagishi, Investmentanalyst bei Mitsubishi UFJ Morgan Stanley Securities. Bis zur Beilegung des Streits über die Schuldenobergrenze in den Vereinigten Staaten stünden den wegen der europäischen Schuldenkrise ohnehin nervösen Märkten unruhige Wochen bevor.

Die Verteuerung des Yen belastete Exportwerte wie Sony Corp, die um ein Prozent auf 2127 Yen nachgaben. Toyota Motor gaben um 0,74 Prozent auf 3340 Yen nach. „Ein höherer Yen dürfte die Stimmung dämpfen und die Exportwerte unter Druck halten“, sagte Takashi Hiroki von Monex Securities. Zu den Verlierern gehörten außerdem Versicherungs- und Bankentitel, die infolge der Schuldenkrise in Europa ohnehin schon gebeutelt waren.

Aktienkurse in China am Mittag uneinheitlich

Die Börse in Schanghai zeigt sich am Donnerstagmittag (Ortszeit) mit leichten Aufschlägen, gestützt von Gewinnen bei Minenwerten. Die Aktien von Gold- und Kohleproduzenten profitierten von den weltweit gestiegenen Rohstoffpreisen, heißt es. Der Shanghai Composite Index steigt um 0,1 Prozent auf 2.799 Punkte.

Die Stimmung sei aber dennoch gedrückt, nachdem Amerikas Notenbank-Gouverneur ein drittes „Quantitative Easing“ in Erwägung gezogen hat. Ein abermaliges Anwerfen der Dollarpresse berge zusätzliche Risiken für die bereits hohe Inflation in China, so ein Analyst von Guodu Securities.

Die Börse in Hongkong tendiert unterdessen im Einklang mit den meisten anderen Märkten in Asien schwächer. Hier belasten die Sorgen über die europäische Schuldenkrise, nachdem nun auch Fitch das Rating für die griechischen Schulden abermals gesenkt habe. Zudem drücke die Warnung von Moody's vor einer möglichen Senkung der amerikanischen Bonität auf die Kurse, heißt es. Der HSI verliert 0,8 Prozent auf 21.760 Punkte.

Unter den stärksten Einzelwerten in Schanghai legen Zijin Mining um 5,7 Prozent auf 5,75 Yüan zu und China Coal Energy klettern um 2,3 Prozent auf 10,51 Yüan.

Neuigkeiten und Kursbewegungen nach Börsenschluss an der Wall Street

Leichter präsentierten sich die Aktienkurse im nachbörslichen amerikanischen Handel am Mittwoch im Vergleich zum regulären Geschäft. Der Nasdaq After Hours Indicator fiel um 0,25 Prozent auf 2346,51 Zähler.

Unter den Einzelwerten standen unter anderenYum Brands im Fokus, nachdem das Unternehmen über den Erwartungen ausgefallene Quartalszahlen mitgeteilt hatte. Yum gewannen eit bei regem Handel 2,5 Prozent auf 56,95 Dollar. Der etreiber von Schnellimbissketten wie KFC, Taco Bell und Pizza Hut hatte zudem seinen Ausblick angehoben und dies mit dem starken internationalen Geschäft begründet.

Belastet von einem schwachen Ausblick ging es dagegen für Marriott International um 4,9 Prozent nach unten auf 35,33 Dollar. Hartford Financial verloren 3,2 Prozent auf 24,77 Dollar. Der Versicherer hatte unter anderem wegen gestiegener Kosten angesichts diverser Naturkatastrophen einen Gewinnrückgang um 68 Prozent berichtet.

Bernankes Bereitschaft zu Hilfe beruhigt Wall Street

Die Bereitschaft der amerikanischen Notenbank zu einer weiteren Stützung der lahmenden Wirtschaft hat der Wall Street am Mittwoch Kursgewinne beschert. Fed-Chef Ben Bernanke erklärte vor einem Kongressausschuss, falls die Wirtschaft nicht in die Gänge komme und eine neue Deflationsgefahr drohe, würde dies für weiteren Stützungsbedarf sprechen.

„Er war spezifischer denn je, und das fand der Markt aufregend. Er sagte zwar nicht, dass sie die Wirtschaft stimulieren werden, aber es ist offensichtlich, dass sie darüber geredet haben“, sagte Tim Ghriskey von Solaris Asset Management. Auch das nahezu ungebremste Wachstum der chinesischen Wirtschaft verschaffte der Wall Street nach drei verlustreichen Tagen eine Ablenkung von der Schuldenkrise in Europa und im eigenen Land.

Der Dow-Jones-Index der Standardwerte ging 0,4 Prozent fester bei 12.491 Punkten aus dem Handel. Der breiter gefasste S&P 500 gewann 0,3 Prozent auf 1317 Zähler. Der Index der Technologiebörse Nasdaq erhöhte sich um 0,5 Prozent auf 2796 Stellen. Die Aktien schlossen damit weit unter ihren Tageshochs - zwischenzeitlich hatten die Indizes allesamt über ein Prozent im Plus gelegen.

Analysten fürchteten, dass die Schuldenprobleme dem Handel bald wieder den Takt vorgeben werden. Die Rating-Agentur Fitch stufte Griechenland kräftig auf „CCC“ herunter - die schlechteste Note vor einem Zahlungsausfall. Deshalb würden die optimistischen China-Vorgaben sicher nicht zu einer Rally führen, sagte Nicholas Colas von der Converg-Ex Group: „Uns beschäftigen wirklich die Staatsschulden-Probleme. Die Euro-Krise dürfte demnächst von der Debatte um die amerikanische Schuldenobergrenze abgelöst werden - und das ist auch nicht positiv für die Börsen.“

Dass sich demokratische Regierung und Republikaner in der Frage trotz des engen Zeitfensters weiter unversöhnlich gegenüber stehen, frustriert Investoren. Den Vereinigten Staaten droht die Zahlungsunfähigkeit - und den Finanzmärkten in diesem Fall weltweite
Erschütterungen.

Zu den Gewinnern gehörten die Aktien aus den Branchen Energie und Rohstoffe. Die entsprechenden Branchenindizes von S&P legten jeweils knapp ein Prozent zu. Die Aktien des unter immensen politischen Drucks stehenden News Corp-Konzerns legten einen Kurssprung von etwa vier Prozent hin, nachdem das Unternehmen des umstrittenen Medienmoguls Rupert Murdoch kurz vor Handelsbeginn in New York seine Milliardenofferte für die Komplettübernahme der britischen Sendergruppe BSkyB zurücknahm.

Netflix-Aktien legten etwa drei Prozent zu. Investoren erhofften sich von einer Erhöhung der Preise des Filmverleihers langfristig bessere Geschäfte.

Amerikanische Anleihen knapp behauptet

Die Rally bei den Notierungen der amerikanischen Staatsanleihen hat sich am Mittwoch nicht fortgesetzt. Allerdings erholten sich die Kurse im späten New Yorker Handel deutlich von ihren Tagestiefs und zeigten sich knapp behauptet. Händler verwiesen auf eine äußerst positiv aufgenommene Auktion von Neuemissionen und die Abstufung der griechischen Bonität auf „CCC“ durch Fitch. Zehnjährige Titel mit einem Kupon von 3,125 Prozent verloren 2/32 auf 102-1/32 und rentierten mit 2,88 Prozent. Der mit 4,375 Prozent verzinste Longbond gab 2/32 auf 103-14/32 ab, seine Rendite stieg damit auf 4,17 Prozent.

Am Berichtstag lieferte die europäische Schuldenkrise zunächst Signale der Entspannung und belastete die Anleihen. Der italienische Wirtschaftsminister Giulio Tremonti kündigte eine Verschärfung des Sparpakets in Italien an, das bereits am Freitag verabschiedet werden soll. Darüber hinaus soll auf einem möglichen EU-Gipfeltreffen in den kommenden Tagen das zweite Rettungspaket für Griechenland endgültig in trockene Tücher gebracht werden. Zudem gab es belastende Konjunkturdaten aus China.

Doch mit der Abstufung Griechenlands durch Fitch sei die Schuldenkrise schlagartig in das Bewusstsein der Anleger zurückgekehrt, hieß es. Die Notierungen erholten sich deutlich. Marktteilnehmer verwiesen zudem auf die äußerst erfolgreiche Auktion zehnjähriger amerikanischen Titel. Die Rendite von 2,918 Prozent war die niedrigste im laufenden Jahr. Zugleich rangierte der Wert unter den Erwartungen der Regierung. „Investoren greifen selbst bei derart niedrigen Renditen noch zu, obwohl die Rückkäufe der Fed ausgelaufen sind - allen Unkenrufen zum Trotz“, sagte ein Rentenanalyst. Am Donnerstag emittiert das Schatzamt dann Langläufer im Umfang von 13 Milliarden Dollar.

Quellen: FAZ.NET, dpa-AFX, Reuters, dpa, AP, AFP, Dow Jones, Bloomberg, F.A.Z.

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