31.05.2011 · Spekulationen auf ein baldiges zweites Rettungspaket für Griechenland haben den Dax am Dienstag deutlich im Plus starten lassen. Laut einem Bericht des „Wall Street Journal“ ist Deutschland offenbar zu Zugeständnissen bereit und würde auch ohne Beteiligung der Gläubiger mehr Geld für weitere Hilfen beisteuern.
Freundliche Vorgaben haben dem Dax am Dienstag klar über die Marke bei 7200 Punkten verholfen. Der Standardwerteindex steigt um 1,2 Prozent auf 7.248 Punkte. Der MDax mittelgroßer Werte steigt am Morgen um 1 Prozent auf 10.837 Punkte und der TecDax klettert um 0,7 Prozent auf 918 Punkte.
Börsianer sehen neben den jüngsten Konjunkturdaten aus Japan vor allem einen Medienbericht als Triebfeder, wonach Deutschland bei der Hilfe für Griechenland offenbar zu Zugeständnissen bereit ist. Zudem werden an diesem Dienstag die Börsen in Großbritannien und den Vereinigten Staaten nach dem langen Wochenende wieder geöffnet, was für etwas mehr Schwung sorgen wird.
Der Future auf den amerikanischen Leitindex Dow Jones gewann 0,6 Prozent seit dem Xetra-Schluss am Vorabend und auch in Asien zeigten sich die Börsen überwiegend fester. Am Nachmittag könnten die aktuellen Daten zum amerikanischen Verbrauchervertrauen und dem Chicago Einkaufsmanagerindex neue Impulse geben.
Bei ruhiger Nachrichtenlage aus den Unternehmen kletterten BASF mit plus 2,5 Prozent auf 63,48 Euro an die Dax-Spitze. Die Chemietitel hatten seit Anfang Mai bis zu 15 Prozent verloren. Bayer-Aktien erholen sich derweil um 1,8 Prozent auf 56,81 Euro. Einem Bericht der „Financial Times Deutschland“ zufolge gibt der Pharmakonzern die amerikanischen Produktion des Multiple-Sklerose-Mittels Betaferon 2013 auf und lagert sie komplett an den Konkurrenten Boehringer Ingelheim aus.
Kaufempfehlungen von Goldman Sachs treiben die Kurse von Fresenius und FMC an. Analystin Veronika Dubajova hat sowohl für die Aktien des Gesundheitskonzerns als auch des Dialyse-Spezialisten mit „Buy“ bewertet. Bei Fresenius sei das Kerngeschäft unterbewertet trotz eines historisch überdurchschnittlichen Umsatzwachstumspotentials. Ihr Kursziel liegt hier bei 85,00 Euro, der Aktienkurs gewinnt 0,9 Prozent auf 71,73 Euro. Bei FMC gefällt Dubajova insbesondere die gute Positionierung, um starke demographische Trends auszunutzen. Zudem sei auch hier das Wachstumspotenzial nicht ausreichend eingepreist. Die Expertin setzte ein Kursziel von 63 Euro an, die Aktien verteuerten sich um 0,7 Prozent auf 49,935 Euro.
Deutsche Anleihen zum Start deutlich schwächer
Der deutsche Rentenmarkt tendiert am Dienstag leichter. Der richtungweisende Terminkontrakt auf die zehnjährige Bundesanleihe, der Bund-Future, verliert 31 Basispunkte auf 125,38 Prozent, der kürzer laufende Bobl-Future 15 Basispunkte auf 116,90 Prozent.
Händler verweisen zur Begründung der Kursverluste bei den Staatstiteln auf die freundlich erwarteten Aktienmärkte und auf Meldungen, wonach Deutschland bei der Hilfe für Griechenland offenbar zu Zugeständnissen bereit ist. Tendenziell seien die Schuldenprobleme Griechenlands jedoch unterstützend für die als sicheren Hafen geltenden Bundesanleihen, heißt es im Morgenkommentar der HSH Nordbank. Die Landesbank sieht den Bund-Future in einer Spanne zwischen 125,00 bis 126,00 Punkten.
Euro von Hoffnung auf Transfer-Union getrieben
Sehr fest ist der Euro am Dienstag in den europäisch dominierten Handel gestartet. Mit einem Sprung bis auf 1,4406 Dollar im asiatischen Handel wird die gestiegene Wahrscheinlichkeit für ein neues Rettungspaket für Griechenland quittiert. Gute Nachrichten gibt es auch von der japanischen Konjunktur, in Asien ziehen die Aktienbörsen deutlich an. Aktuell zeigen sich leichte Gewinnmitnahmen, die Gemeinschaftswährung notiert mit 1,4375 Dollar.
Laut einem Artikel im „WSJ“ ist Deutschland bereit, auch ohne eine Beteiligung der privaten Bondholder mittels einer Verlängerung der Laufzeiten, ein neues Hilfspaket für Griechenland aufzulegen. Damit würde den Banken nicht nur eine potenziell katastrophale Insolvenz Griechenlands erspart, sondern auch ein „soft restructuring“ der gehaltenen Anleihen etwa über eine Laufzeitverlängerung. „Damit wäre der Weg in eine Transfer-Union offen“, sagt ein Händler. Dies seien zwar schlechte Nachrichten für den deutschen Steuerzahler, nicht aber für die internationale Akzeptanz des Euro.
Konjunktur-Nachrichten aus Japan drücken den Yen auf 81,31 Yen/Dollar. Hier lag die Industrieproduktion mit plus 1,0 Prozent im April zwar unter der Prognose von plus 2,9 Prozent, der Ausblick machte jedoch klar, dass es sich nur um Sondereffekte durch die Erdbeben-Tsunami-Atom-Katastrophe handelte. Gleichzeitig explodierten die Aufträge an die Bauwirtschaft um 31,4 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Kaum eine Auswirkung hatte dagegen, dass die Ratingagentur Moody's das „Aa2“-Rating für Japan auf eine mögliche
Abstufung hin überprüfen will.
Noch am Vortag hatte der Euro unter Berichten gelitten, dass Griechenland sämtliche verabredeten fiskalischen Ziele verfehlt habe. Die Veröffentlichung des Prüfberichts von EU und IWF wird für Ende dieser Woche erwartet.
Japans Industrie stimmt Börse in Tokio optimistisch
Die Aussicht auf eine Erholung der japanischen Industrieproduktion hat die Tokioter Börse am Dienstag beflügelt. Zusätzlich gestützt wurde der Aufwärtstrend von Solarwerten nach den am Montag vorgestellten Regierungsplänen zur Atomwende in Deutschland. In der europäischen Schuldenkrise sorgte ein Zeitungsbericht für Entspannung, wonach Kompromisssignale Deutschlands die Chancen für ein neues Rettungspaket für Griechenland erhöhen. Dies gab insbesondere dem Euro Auftrieb. Die drohende Herabstufung der Kreditwürdigkeit Japans durch die Ratingagentur Moody's spielte dagegen nur eine untergeordnete Rolle.
Der 225 Werte umfassende Nikkei-Index beendete den Handel 2 Prozent höher bei 9693 Punkten. Der breiter gefasste Topix-Index stieg 1,8 Prozent auf 838 Zähler. Die Börsen in Taiwan und Hongkong sowie die Märkte in Singapur und Südkorea legten ebenfalls zu.
Die Erholung der japanischen Industrieproduktion nach Beben, Tsunami und Atomkatastrophe fiel im April mit einem Plus von einem Prozent zwar nicht so stark aus wie von Analysten erwartet. Die Produzenten zeigten sich für die kommenden Monate aber umso optimistischer und erhöhten ihre Wachstumsprognose für Mai auf acht Prozent. Im Juni soll es dann noch mal 7,7 Prozent nach oben gehen. „Investoren haben die schwachen April-Daten abgehakt und begrüßen den starken Ausblick“, sagte Tsuyoshi Segawa, Stratege bei Mizuho Securities.
Bei den Einzelwerten standen Aktien im Mittelpunkt, die besonders sensibel auf den Euro-Kurs reagieren. Einem Bericht des „Wall Street Journal“ zufolge erwägt die Bundesregierung, Griechenland auch ohne die Beteiligung von Gläubigern mehr Geld zur Verfügung zu stellen. Die Zugeständnisse könnten eine Lösung in den Verhandlungen über ein weiteres Hilfspaket für das akut von der Staatspleite bedrohte Euro-Land bringen, hieß es in dem Bericht.
Vom Euro-Kurs profitierten unter anderem die Aktien von Mazda, die 1,5 Prozent zulegten, und Canon, die mehr als zwei Prozent gewannen. Auch Papiere aus der Solarenergiebranche zogen deutlich an, nachdem Deutschland den Ausstieg aus der Atomenergie bis 2022 beschloss. Anteilsscheine von Sharp kletterten um 2,7 und Ulvac-Papiere um 2,1 Prozent.
Zu den Verlieren gehörten dagegen die Aktien des Betreibers des havarierten Atomkraftwerks Fukushima, Tepco. Sie fielen um knapp drei Prozent. Die Ratingagentur Standard & Poor's hatte die langfristige Kreditwürdigkeit des Konzerns auf Ramschstatus gesenkt.
Aktienkurse in China von Konjunktursorgen belastet
Die Börse in Schanghai hat die Gewinne aus den frühen Handel am Dienstagmittag (Ortszeit) wieder eingebüßt und tendiert knapp behauptet. Der Shanghai Composite Index verliert 0,1 Prozent auf 2.703 Punkte. Der HSI in Hongkong liegt unterdessen mit 0,9 Prozent im Plus bei 23.398 Stellen, gestützt von Kursgewinnen bei Hutchison (+4 Prozent) und dem Indexschwergewicht HSBC (+0,7 Prozent). Hongkong schließe sich den Gewinnen an vielen Börsen in Ostasien an und verzeichne mittlerweile den sechsten Handelstag in Folge Kursaufschläge, so Teilnehmer.
In Schanghai hatten am Morgen noch Nachrichten über eine für Juni geplante Strompreiserhöhung die Versorgerbranche gestützt. Wie es am Markt heißt, wird dieser positive Impuls überwiegen aber von Sorgen über eine Abschwächung des chinesischen Wirtschaftswachstums überwogen. „Die kurzfristige Erholung an diesem Morgen war nicht bedeutsam“, kommentiert ein Analyst von Everbright Securities und sieht die am Mittwoch anstehenden Zahlen zur Industrieproduktion als bestimmend für das Sentiment an.
Immobilienwerte bauen die jüngsten Verluste weiter aus. Poly Real Estate verlieren 3,8 Prozent auf 9,15 Yüan und Gemdale Corp. büßen 1 Prozent auf 5,78 Yüan ein. Huaneng Power liegen nach Ablauf der ersten Handelsphase 1,3 Prozent im Plus bei 5,60 Yüan.
Wall Street
Die amerikanischen Finanzmärkte blieben am Montag wegen des Feiertags „Memorial Day“ geschlossen.
| Name | Kurs | Prozent |
|---|---|---|
| DAX | 6.339,94 | +0,38% |
| FAZ-INDEX | 1.377,69 | −0,11% |
| TecDAX | 752,47 | +0,08% |
| MDAX | 10.196,40 | −0,34% |
| SDAX | 4.817,28 | +0,29% |
| REX | 434,70 | −0,15% |
| Eurostoxx 50 | 2.161,87 | +0,25% |
| F.A.Z. EURO | 69,61 | +0,13% |
| Dow Jones | 12.454,80 | −0,60% |
| Nasdaq 100 | 2.527,05 | −0,17% |
| S&P500 | 1.317,82 | −0,22% |
| Nikkei225 | 8.580,39 | +0,20% |
| EUR/USD | 1,2515 | −0,14% |
| Rohöl Brent Crude | 106,90 $ | +0,14% |
| Gold | 1.569,50 $ | +0,06% |
| Bund Future | 144,35 € | +0,25% |