01.12.2009 · Gute Vorgaben aus Übersee und Erleichterung über einen Sanierungsplan der angeschlagenen Staatsholding Dubai World und nicht zuletzt eine neue Liquiditätsflutung durch die japanische Notenbank geben den Aktienkursen Auftrieb.
Angetrieben von positiven Vorgaben ist der deutsche Aktienmarkt am Dienstag mit Kursgewinnen in den Handel gestartet. Der Dax gewinnt im frühen Geschäft 1,5 Prozent auf 5710 Punkte. Der MDax mittelgroßer Werte legt 1,8 Prozent auf 7229 Punkte zu. Der TecDax steigt um 1,3 Prozent auf 792 Zähler.
Gute Vorgaben aus Übersee und Erleichterung über einen Sanierungsplan der angeschlagenen Staatsholding Dubai World und nicht zuletzt eine neue Liquiditätsflutung durch die japanische Notenbank geben den Aktienkursen Auftrieb. Der Kurs der Deutschen Bank steigt um fast 2 Prozent, nachdem die Titel besonders unter der Unsicherheit über Dubai gelitten hatten. Eine Kaufempfehlung verhilft den Aktien des IT-Dienstleisters Bechtle im TecDax zu einem Plus von 4 Prozent.
Rentenmarkt tendiert knapp behauptet
Der deutsche Rentenmarkt tendiert am Dienstag knapp behauptet. Der richtungweisende Euro-Bund-Future gibt 2 Basispunkte auf 123,61 Prozent ab, der Bobl-Future verliert ebensoviel auf 116,74 Prozent.
Der Fokus der Aufmerksamkeit liege klar auf den Daten zum ISM-Index für das verarbeitende Gewerbe am Nachmittag, schreiben die Experten der HSH Nordbank in einer Tagesvorschau. Zu beachten sei hier mit Blick auf die am Freitag anstehenden amerikanischen Arbeitsmarktdaten insbesondere die Beschäftigungskomponente. Auch aus der Eurozone stünden einige Daten an. Der Einzelhandelsumsatz in Deutschland hat sich in etwa wie erwartet entwickelt. Auch die Arbeitsmarktberichte aus Deutschland und der Eurozone seien im Tagesverlauf noch einen Blick wert, so die Landesbank.
Bank of Japan schwächt den Yen
Der Yen neigt beim Übergang in den europäisch geprägten Handel zur Schwäche gegen Dollar und Euro. Hintergrund ist eine außerordentliche Sitzung der japanischen Notenbank (BoJ), auf der eine weitere Lockerung der Geldpolitik angekündigt wurde. Die Deflation soll mit äußerster Anstrengung bekämpft werden. Die Zentralbank war zuletzt von der Regierung kritisiert worden, nicht genug gegen fallende Preise in Japan zu unternehmen. Die BoJ stellt 10 Bill Yen an neuer Fazilität zur Verfügung.
Der Euro zieht derweil leicht gegen den Dollar an und notiert wieder über der Marke von 1,5000 Dollar. Neben der Entwicklung an den Aktienmärkten als Gradmesser der Risikobereitschaft der Anleger werden am Berichtstag vor allem wichtige amerikanischen Konjunkturdaten das Geschehen bestimmen. Übergeordnet schauen die Anleger zudem bereits auf die Leitzinsentscheidung der Europäischen Zentralbank (EZB) am Donnerstag. Eine Bestätigung des bisherigen Zinsniveaus von 1,00 Prozent gilt dabei als ausgemachte Sache.
Wichtiger dürfte der begleitende Kommentar von Präsident Jean-Claude Trichet werden. Am Morgen hat derweil die australische Notenbank die Zinszügel wie erwartet weiter auf 3,75 Prozent nach 3,50 Prozent angezogen. Am Nachmittag werden unter anderem der ISM-Index für das verarbeitende Gewerbe der Vereinigten Staaten im November sowie Daten zu den Bauausgaben im Oktober veröffentlicht. Von Dow Jones befragte Analysten erwarten beim ISM im Schnitt einen Rückgang auf 55,0 Punkte von 55,7. Bei den Bauausgaben wird ein Minus von 0,5 Prozent gegenüber dem Vormonat erwartet.
Die Sorgen um Dubais Zahlungsfähigkeit sind zwar noch nicht vollends verebbt, die Volatilität hat zu Wochenbeginn aber dennoch nachgelassen, schreibt die Helaba. Der Euro pendele um die Marke von 1,5000 Dollar, ein Test des Novemberhochs bei 1,5145 Dollar sei bislang aber ausgeblieben. Im Tageschart sei auffällig, dass der Stochastic in den überkauften Bereich drehe. Auf Wochenbasis blieben zudem negative Divergenzen als Belastungsfaktoren erhalten. Unterstützungen fänden sich bei 1,4956/64 Dollar und
1,4890 Dollar, Widerstände bei 1,5063/84 Dollar und 1,5145 Dollar.
Asiens Börsen im Plus
Die Aktienmärkte in Fernost haben am Dienstag Gewinne verbucht. Gestützt wurden die asiatischen Börsen durch die Gewinne an der Wall Street in New York. In Tokio setzte der Markt zum Höhenflug an, nachdem die japanische Notenbank eine Dringlichkeitssitzung einberief. Anleger hoffen, die Notenbank werde eine Politik zur Stützung der Wirtschaft beschließen. Eine Pressekonferenz der BOJ wurde für 08.30 Uhr MEZ angesetzt. Analysten zufolge kam es ansonsten aber zu keinen neuen Entwicklungen, die die Kurse weiter nach oben hätten treiben können. Daher legten viele Investoren zunächst eine Verschnaufpause ein. Sorgen über die Schulden in Dubai konnten sie jedoch nicht gänzlich abschütteln.
Der 225 Werte umfassende Nikkei-Index ging in Tokio 2,4 Prozent höher bei 9572 Zählern aus dem Handel, seinem höchsten Schlussstand seit knapp zwei Wochen. Der breiter gefasste Topix-Index gewann 2,1 Prozent auf 857 Punkte. Die Börsen in Südkorea, Hongkong, Taiwan und Shanghai und Singapur verzeichneten ebenfalls Gewinne.
„Falls sich die Zentralbank zu einer quantitativen Lockerung der Geldpolitik entschließt, dann wäre das eine Maßnahme gegen die Deflation“, sagte der Stratege Soichiro Monji von Daiwa SB Investments. „Aber nur wenige glauben, dass dies allein das Deflationsproblem lösen könnte. Der Fakt, dass die Bank of Japan und die Regierung angesichts der jüngsten Verluste am Aktienmarkt ein Notfall-Gefühl zeigen, scheint derzeit positiv genug für Investoren.“
Gestützt wurde der Markt auch durch Exportwerte. So legten die Titel des Autobauers Honda 3,9 Prozent zu, die des Konkurrenten Toyota 2,3 Prozent. Die Anteilsscheine des Roboter-Herstellers Fanuc gewannen zwei Prozent. Papiere des Batterie-Produzenten GS Yuasa kletterten 7,2 Prozent. Analysten von Goldman Sachs stuften das Unternehmen auf „neutral“ von „verkaufen“.
Neuigkeiten und nachbörsliche Kursbewegungen an der Wall Street
Die amerikanischen Aktien zeigten sich am Montag nach dem Ende des offiziellen Handels an der Börse etwas fester. Der Nasdaq 100 After Hours Index gewann 0,23 Punkte auf 1767,66 Zähler.
Die Aktien von Guess sind am Montagabend im nachbörslichen New Yorker Geschäft äußerst gefragt gewesen. Der Bekleidungseinzelhändler hatte nach der Schlussglocke überzeugende Quartalszahlen über Markterwartung vorgelegt und zugleich
die Prognose erhöht. Der Kurs der Aktie kletterte um 7,9 Prozent auf 39,98 Dollar.
Für das dritte Quartal verbuchte das Unternehmen einen Gewinn von 0,69 (Vorjahr: 0,67) Dollar je Aktie. Analysten hatten im Konsens einen anteiligen Überschuss von 0,50 Dollar vorhergesagt. Auch die Umsatzentwicklung übertraf die Vorhersagen. Für das vierte Quartal rechnet der Konzern nun mit einer Gewinnspanne von 0,77 Dollar bis 0,80 Dollar pro Schein. Im Konsens hatten Analysten lediglich einen Wert von 0,69 Dollar je Aktie prognostiziert.
Wall Street schließt nach später Rally etwas fester
Nach einer Rally der Finanztitel in der letzten Handelsstunde haben die amerikanischen Börsen am Montag in New York mit einer etwas festeren Tendenz geschlossen. Offenbar hätten neue Nachrichten aus Dubai für mehr Gelassenheit angesichts der dortigen Schuldenprobleme gesorgt, hieß es. Dagegen fielen Einzelhandelstitel in Erwartung einer trägen Weihnachtssaison.
Der Dow-Jones-Index für die 30 größten Industriewerte gewann 0,3 Prozent oder 35 Punkte auf 10.345. Der S&P-500-Index kletterte um 0,8 Prozent oder 8 Punkte auf 1.096. Der Nasdaq Composite-Index stieg um 0,3 Prozent oder 6 Punkte auf 2.145.
Die Probleme in Dubai sahen Händler mit dem Abstand zu den Ereignissen der vergangenen Woche jetzt entspannter. Die ersten Schockwellen des Schuldenmoratoriums aus Dubai seien abgeklungen. Die Bedeutung der Kreditstundung könne nun besser eingeschätzt werden. Ein allgemeiner Anstieg der Risikoaversion sei nicht zu beobachten, hieß es. Am Montagabend gab Dubai World dann bekannt, mit Banken in konstruktiven Gesprächen über eine Restrukturierung von 26 Milliarden Dollar Schulden zu stehen, was viele Anleger beruhigte.
Positiv überrascht war der Markt auch vom starken Anstieg des Einkaufsmanager-Index (PMI) Chicago im November. Vor allem die stark gestiegene Auftragskomponente ließ auch für die kommenden Monate eine steigende Auslastung der Kapazitäten erwarten. „Der Anstieg auf 56,1 Punkte im November ist jedenfalls ein richtig guter Wert“, sagte ein Analyst. Volkswirte hatten stattdessen mit einem leichten Rückgang auf 53,5 nach 54,2 Indexpunkten im Oktober gerechnet.
Die Titel der Einzelhändler schlossen nach wenig begeisternden Umsatzzahlen vom so genannten 'Black Friday' nach dem Thanksgiving-Feiertag, der als Eröffnung des Weihnachtsgeschäftes gewertet wird, zumeist im Minus. Analysten warnten vor zu hohen Hoffnungen. Die Konsumenten würden wohl nur selektiv einkaufen und mehr sparen, sagte ein Analyst. Gleichzeitig seien die Einkaufsmärkte mit einer Discount-Schlacht ins Geschäft gestartet, weshalb sich auch höhere Umsätze nicht zwingend in höheren Gewinnen widerspiegeln müssten. Im Dow büßten Wal-Mart 0,1 Prozent auf 54,55 Dollar ein, während Macy's um 3,9 Prozent auf 16,31 Dollar einbrachen.
Gesucht waren dagegen Finanztitel. Sie hatten zunächst am stärksten unter den Sorgen um eine Ausbreitung der Schuldenkrise in Dubai gelitten und profitierten nun stark von der neuen Gelassenheit. J.P. Morgan stiegen um 2,8 Prozent auf 42,49 Dollar, American Express um 2,4 Prozent auf 41,83 Dollar und Bank of America um 2,5 Prozent auf 15,85 Dollar.
Caterpillar legten um 1,6 Prozent auf 58,39 Dollar zu. Der Baumaschinenhersteller übernimmt den südkoreanischen Komponentenhersteller JCS. Vom Markt wurde dieser kleinere Zukauf als positiv für die Verbesserung der Marktposition in Südkorea gewertet.
Amerikanische Anleihen zeigen sich gut behauptet
Die amerikanischen Anleihen präsentieren sich am Montag im späten Geschäft in New York mit einer gut behaupteten Tendenz, nachdem späte Aufschläge noch für den Dreh ins Plus gesorgt hatten. Händler begründeten dies mit Käufen zum Monatsende.
Zehnjährige Titel mit einem Kupon von 3,375 Prozent stiegen um 2/32 auf 101-1632 und rentierten mit 3,20 Prozent. Der mit 4,375 Prozent verzinste Longbond gewann 5/32 auf 103-3/32. Seine Rendite fiel auf 4,19 Prozent.
Händler hatten zunächst von nachlassenden Ängsten hinsichtlich der Schuldensituation von Dubai gesprochen, die am Freitag mit der 'Flucht in sichere Häfen' noch für deutliche Kursgewinne bei den Treasury-Kursen gesorgt hatten. Die Zentralbank der
Vereinigten Arabischen Emirate hatte am Sonntag mitgeteilt, dass sie hinter den Kreditgebern des Landes stünde, denen möglicherweise hohe Verluste wegen ihres Engagements bei Dubai World bevorstehen, die wiederum zur Zeit mit Verbindlichkeiten von 60 Milliarden Dollar zu kämpfen hat.
„Der allgemeine Konsens scheint zu sein, dass sich die Auswirkungen der Probleme wohl auf die Golfregion beschränken werden“, sagte ein Analyst.
Von Konjunkturseite hat sich die Stimmung der Industrie-Einkaufsmanager in der Region Chicago im November überraschend weiter verbessert, was die Anleihekurse ebenfalls etwas belastet hatte. Der Einkaufsmanagerindex stieg auf 56,1 Punkte von 54,2 im Oktober. Von Dow Jones Newswires befragte Ökonomen hatten hingegen einen Rückgang auf 53,5 prognostiziert. Werte über 50 Punkte deuten auf eine Expansion, Zahlen darunter auf eine Kontraktion der Geschäftsaktivität im verarbeitenden Gewerbe der Region.
| Name | Kurs | Prozent |
|---|---|---|
| DAX | 6.339,94 | +0,38% |
| FAZ-INDEX | 1.377,69 | −0,11% |
| TecDAX | 752,47 | +0,08% |
| MDAX | 10.196,40 | −0,34% |
| SDAX | 4.817,28 | +0,29% |
| REX | 434,70 | −0,15% |
| Eurostoxx 50 | 2.161,87 | +0,25% |
| F.A.Z. EURO | 69,61 | +0,13% |
| Dow Jones | 12.454,80 | −0,60% |
| Nasdaq 100 | 2.527,05 | −0,17% |
| S&P500 | 1.317,82 | −0,22% |
| Nikkei225 | 8.580,39 | +0,20% |
| EUR/USD | 1,2515 | −0,14% |
| Rohöl Brent Crude | 106,90 $ | +0,14% |
| Gold | 1.569,50 $ | +0,06% |
| Bund Future | 144,35 € | +0,25% |