12.11.2009 · Der deutsche Aktienmarkt zeigt sich am Donnerstag weitgehend unentschlossen. Die negative Vorgabe der Börsen aus Übersee gebe zusammen mit einigen eher enttäuschenden Bilanzvorlagen den Ton am Markt an, sagen Händler.
Der deutsche Aktienmarkt zeigt sich am Donnerstag weitgehend unentschlossen.Der Dax notiert kaum verändert bei 5664 Punkten. Der MDax legt dagegen um 0,3 Prozent auf 7304 Zähler zu. Der TecDax notiert unverändert bei 760 Punkten.
Händlern zufolge wird die Luft für die Standardwerte nach oben dünner, nachdem der Leitindex Dax seit Monatsbeginn bis zu 7,45 Prozent gewonnen hatte. Die negative Vorgabe der Börsen aus Übersee gebe zusammen mit einigen eher enttäuschenden Bilanzvorlagen den Ton am Markt an, sagen Händler. Der Future auf den Dow Jones verlor seit Xetra-Schluss am Vortag 0,20 Prozent. In Tokio schloss der Nikkei 225 0,7 Prozent tiefer.
Salzgitter rutschen um 0,6 Prozent auf 62,90 Euro ab. Der Stahlkonzern stoppte zwar den Abwärtstrend und reduzierte seine Verluste im Vergleich zu den Vorquartalen - dennoch fiel das Minus höher aus als von Experten erwartet. Die Aktien von RWE reagieren mit Kursverlusten auf vorgelegte Zahlen zum dritten Quartal und büßen 0,8 Prozent auf 60,93 Euro ein.
Die Zahlen von K+S führen unterdessen nicht zu der von Börsianern erwarteten negativen Kursreaktion - zuletzt zählten die Anteile an dem Düngemittelhersteller mit plus 0,8 Prozent auf 38,16 Euro sogar zu den Favoriten in dem Index. Einer ersten Händlereinschätzung zufolge fiel die Bilanz wie erwartet aus. Es gebe aber viele Unsicherheiten für 2010.
Der im MDax notierte Bau- und Dienstleistungskonzern Hochtief profitiert unterdessen von den guten Geschäften seiner australischen Tochter Leighton. Der Kurs legt um 0,6 Prozent auf 57,50 Euro zu. Lanxess wartete laut Händlern mit guten Zahlen und einem schwachen Quartalsausblick auf. Der Kurs legt 1 Prozent auf 24,04 Euro zu.
Rentenmarkt tendiert freundlich
Der Rentenmarkt tendiert am Donnerstag freundlich. Der Kurs des richtungweisenden Euro-Bund-Future steigt um 13 Basispunkte auf 121,84 Prozent, der des Bobl-Future um 12 Basispunkte auf 115,91 Prozent.
Experten erwarten am Donnerstag eine behauptete Tendenz. Impulse könnten vor allem aus den Vereinigten Staaten kommen, wo neben Konjunkturdaten eine Auktion 30-jähriger Anleihen ansteht, heißt es bei der HSH Nordbank. Aufgrund der langen Laufzeit könnten die Papiere „schwer verdaulich“ sein und damit die Kurse zumindest zeitweise belasten. Den Bund-Future sieht die Landesbank im Tagesverlauf zwischen 121,24 und 122,11 Punkten.
Robuster Arbeitsmarkt in Australien stützt den Euro
Nach den Kursverlusten des Euro zum Dollar am Mittwochnachmittag hat sich die Gemeinschaftswährung am Donnerstag im asiatisch-pazifischen Handel erholt. Der Euro pendelt seitdem um die Marke von 1,50 Dollar. Händler führen die Erholung auf überraschend gute Arbeitsmarktdaten aus Australien zurück. Dort hat die Beschäftigung im Oktober um 24.500 Stellen zugenommen. Im Konsens hatten Volkswirte einen Rückgang von 10.000 Stellen erwartet.
Mit diesen Zahlen habe die Risikoneigung von Investoren wieder zugenommen, sagen Händler. Hiervon profitiere der Euro. Am Nachmittag dürften wöchentliche Arbeitsmarktdaten aus den Vereinigten Staaten die weitere Richtung der großen Währungspaare bestimmen. „Von einer normalen Arbeitsmarktsituation sind die Vereinigten Staaten noch weit entfernt“, merkt die Helaba an. Die Prognose lautet, dass die Erstanträge auf Arbeitslosenhilfe um 2.000 auf 510.000 zurückgegangen sind.
Goldpreis setzt Rekordjagd fort
Der Goldpreis setzt seine Rekordjagd am Donnerstag fort. Eine Feinunze (31,1 Gramm) des Edelmetalls kostete am Morgen bis zu 1121,75 Dollar und damit so viel wie noch nie. Der alte Rekord vom Mittwoch wurde damit leicht übertroffen. Seit Jahresbeginn hat sich Gold um knapp 30 Prozent verteuert. Hauptgrund für den Höhenflug ist laut Experten die Dollarschwäche. Darüber hinaus werde der Preis auch von der Erwartung getrieben, dass zahlreiche Notenbanken insbesondere in Asien künftig nicht mehr als Verkäufer, sondern als Käufer auf dem Goldmarkt auftreten könnten.
Asiens Börsen trotz guter amerikanischer Vorgaben schwächer
Die Börsen in Fernost haben trotz überraschend starker Konjunkturdaten aus China und positiver amerikanischer Vorgaben überwiegend schwächer notiert. In Tokio belasteten am Donnerstag unter anderem die Kursverluste bei Reederei-Titeln den Markt. Der verlustreiche japanische Branchenführer Nippon Yusen will bis zu 1,6 Milliarden Dollar durch die Ausgabe neuer Aktien einnehmen. Anleger erfreute das nicht.
Der Nikkei-Index der 225 führenden Werte schloss 0,7 Prozent tiefer bei 9804 Zählern. Der breiter gefasste Topix-Index, in dem Technologiewerte nicht so stark vertreten sind, büßte 0,5 Prozent auf 867 Punkte ein.
Die Aktie von Nippon Yusen beendete den Handel knapp vier Prozent im Plus. Zu den Kursgewinnern gehörten die Titel von Autokonzernen nach positiven Einschätzungen von Goldman Sachs. Honda und Toyota legten 1,8 Prozent beziehungsweise 2,6 Prozent zu. Die Anteilsscheine von Fuji Heavy Industries, dem Hersteller von Autos der Marke Subaru, gewannen wegen einer Kaufempfehlung der Bank 4,4 Prozent. Die übrigen asiatischen Börsen notierten uneinheitlich bei insgesamt geringen Kursveränderungen. Die Märkte in Shanghai und Taiwan notierten leicht im Plus, während in Hongkong, Singapur, Südkorea und Australien die Kursverluste überwogen.
Kurse und Meldungen nach Börsenschluss an der Wall Street
Die Aktienkurse in Amerika tendierten am Mittwoch nach Börsenschluss etwas fester. Der Nasdaq-100 After Hours Indicator stieg um einen Punkt auf 1783,95 Zähler.
Der Aktienkurs von Hewlett-Packard (HP) gab etwas nach, nachdem das Unternehmen Akquisitionspläne bekanntgegeben hat. HP will 3Com für 2,7 Milliarden Dollar kaufen und damit auf dem Markt für Netzwerke, Server und Speicherprodukte den Wettbewerber Cisco angreifen. Der HP-Kurs fiel um 0,6 Prozent auf 49,68 Dollar. 3Com verteuerten sich um 35 Prozent auf 7,68 Dollar.
Applied Materials reagierten kaum auf die nachbörslich vorgelegten Geschäftszahlen des Unternehmens und den geplanten Stellenabbau. Die Aktien notierten bei 13,32 Dollar und damit um 0,5 Prozent über dem Schlusskurs der regulären Sitzung. Umsatz und Ergebnis des Ausrüsters der Halbleiterindustrie waren im vierten Geschäftsquartal deutlich zurückgegangen, übertrafen aber gleichwohl die Erwartungen der Analysten. Wie Applied Materials weiter mitteilte, sollen bis zu 1.500 Arbeitsplätze, entsprechend 12 Prozent der Belegschaft, bei dem Unternehmen wegfallen.
Konjunkturdaten aus China heben amerikanischen Börsen ins Plus
Als überraschend stark interpretierte Konjunkturdaten aus China haben die amerikanischen Börsen am Mittwoch auf den höchsten Stand seit mehr als einem Jahr gehoben. Die Rückkehr der Volksrepublik zu Wachstumsraten aus der Boomphase und Aussagen von Vertretern der amerikanischen Notenbank Fed, die noch länger niedrige Zinsen signalisiert hatten, weckten die Risikobereitschaft der Investoren.
Der Dow-Jones-Index der Standardwerte schloss 0,4 Prozent höher bei 10.291 Punkten. Der breiter gefasste S&P-500 kletterte 0,5 Prozent auf 1098 Zähler. Beide Indizes schlossen auf dem höchsten Stand seit 13 Monaten. Der Index der Technologiebörse Nasdaq gewann 0,7 Prozent auf 2166 Punkte.
„Die Nachrichten aus China heben die Stimmung hinsichtlich der weltweiten Wirtschaft“, sagte Peter Cardillo von Avalon Partners. Die chinesische Industrie hatte ihre Produktion so stark gesteigert wie seit März 2008 nicht mehr, bevor die Finanzkrise den Welthandel in die Knie gezwungen hatte.
Doch auch Unternehmensnachrichten sorgten für Aufsehen. Die Aktien des auf Luxushäuser spezialisierten Baukonzerns Toll Brothers gingen um 16,5 Prozent nach oben, nachdem das Unternehmen eine Umsatzsteigerung weit über den Erwartungen bekanntgegeben hatte. Die Anteilsscheine des weltgrößten Paketdienstes UPS stiegen um 2,2 Prozent. Konzernchef Scott Davis sagte der Nachrichtenagentur Reuters, er gehe für 2010 von mehr Aufträgen aus.
Die Papiere der Kaufhauskette Macy's gaben indes um acht Prozent nach, obwohl das Unternehmen im Sommer weniger Verlust angehäuft hatte als erwartet. Experten verwiesen jedoch auf einen gemischten Ausblick auf das Jahresende.
Der Chef des Versicherungskonzerns AIG kündigte einem Zeitungsbericht zufolge vor dem Führungsgremium des Unternehmens an zurückzutreten. Robert Benmosche sei unzufrieden über die Vorgaben, die der Konzern von staatlichen Aufsehern erhalte, berichtete das „Wall Street Journal“ unter Berufung auf informierte Personen. Die AIG-Aktien verloren 2,2 Prozent, nachdem sie am Vortag noch kräftig zugelegt hatten.
Die Anteilsscheine von Motorola sanken um rund ein Prozent. Der Handy-Hersteller erwägt Kreisen zufolge den Verkauf seiner Sparte für Digitalempfänger und Netzwerkausrüstung für etwa 4,5 Milliarden Dollar.
Wegen des Veteranentags blieben der Anleihenmarkt und Regierungseinrichtungen in den Vereinigten Staaten am Mittwoch geschlossen.
| Name | Kurs | Prozent |
|---|---|---|
| DAX | 6.339,94 | +0,38% |
| FAZ-INDEX | 1.377,69 | −0,11% |
| TecDAX | 752,47 | +0,08% |
| MDAX | 10.196,40 | −0,34% |
| SDAX | 4.817,28 | +0,29% |
| REX | 434,70 | −0,15% |
| Eurostoxx 50 | 2.161,87 | +0,25% |
| F.A.Z. EURO | 69,61 | +0,13% |
| Dow Jones | 12.454,80 | −0,60% |
| Nasdaq 100 | 2.527,05 | −0,17% |
| S&P500 | 1.317,82 | −0,22% |
| Nikkei225 | 8.580,39 | +0,20% |
| EUR/USD | 1,2515 | −0,14% |
| Rohöl Brent Crude | 106,90 $ | +0,14% |
| Gold | 1.569,50 $ | +0,06% |
| Bund Future | 144,35 € | +0,25% |