Gestützt auf eine positive Vorgaben der amerikanischen Börsen sind die wichtigsten deutschen Aktienindizes am Montag mit Kursgewinnen in die neue Handelswoche gestartet. Der Dax legt 1,4 Prozent auf 5614 Punkte zu und startet damit einen erneuten Erholungsversuch. Der marktbreite FAZ-Index steigt um 1,5 Prozent auf 1277 Zähler. Der MDax gewinnt 1,5 Prozent auf 8758 Punkte, der TecDax steigt um 1,3 Prozent auf 724 Punkte.
Marktstratege Ben Potter von IG Markets begründete das Plus unter anderem mit der „imposanten Kursrally“ im amerikanischen Handel. Notenbank-Chef Ben Bernanke hatte Potter zufolge am Freitag eine „kluge Rede“ gehalten, in der er nachdrücklich seinen Glauben an eine Wirtschaftserholung betont. Zugleich habe er aber auch die Hintertür für weitere Maßnahmen zur Stützung der Konjunktur offen gelassen. Die amerikanischen Börsen waren am Freitag nahe ihrem Tageshoch aus dem Handel gegangen und hatten damit letztlich sehr positiv auf die Rede Bernankes reagiert. Das stützte auch die Märkte in Asien am Morgen. Der Future auf den amerikanischen Leitindex Dow Jones Industrial gewann 1,6 Prozent seit dem Xetra-Handelsschluss am Freitag.
Im Auge behalten sollten Anleger weiter den Goldpreis, dessen kräftige Erholung vor dem Wochenende am Morgen nun etwas ins Stocken zu geraten scheint und rund zehn Dollar verliert.
Zu den größten Gewinnern zählen die Papiere von Adidas. Der Sportartikelhersteller peilt einen Rekordgewinn von rund 650 Millionen an, wie der Finanzvorstand Robin Stalker der „Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung“ sagte.
Gewinnmitnahmen am Rentenmarkt
Zu Wochenbeginn kommt es am deutschen Anleihemarkt zu Gewinnmitnahmen. Der September-Kontrakt des Bund-Futures verliert 39 Basispunkte auf 134,85 Prozent. Der Bobl-Future verliert 24 Basispunkte Ticks auf 121,91 Prozent. Insgesamt wurden die Aussagen des amerikanischen Notenbankpräsidenten Bernanke vom Freitag als positiv für risikoreichere Anklagen gewertet.
Laut dieser Interpretation ist die Lage der amerikanischen Wirtschaft nicht so schlecht, um den Beginn einer neuen Runde quantitativer Lockerungen zu rechtfertigen. Auch habe sich der Chairman alle Optionen für die Ende September stattfindende Sitzung der Notenbank offen gehalten, heißt es im Handel. Charttechnisch bleiben nach Einschätzung der Helaba die belastenden Indikationen der Oszillatoren und des MACD.
Da fundamental am Berichtstag keine Hiobsbotschaften zu erwarten seien, sehen die Analysten eine Fortsetzung der Konsolidierung unterhalb des Rekordhochs als wahrscheinlich an. Die Handelsspanne wird bei 134,25 Prozent bis 135,84 Prozent gesehen.
Euro startet fester gegen den Dollar
Der Euro präsentiert sich beim Übergang in den europäisch geprägten Handel am Montag bei Notierungen über 1,45 Dollar mit Aufschlägen gegenüber dem Dollar. Damit setzt die Gemeinschaftswährung die nach der Rede von Fed-Chairman Ben Bernanke eingeleitete Aufwärtsbewegung vom Freitag fort. Nachdem der Dollar zunächst mit Aufschlägen reagierte, nachdem der Notenbankpräsident keine neuen geldpolitischen Maßnahmen in Jackson Hole ankündigte, kehrte sich das Bild im Anschluss schnell um.
Am Berichtstag stehen am Nachmittag Konjunkturdaten auf der Agenda, die allerdings die Märkte nicht stärker bewegen sollten. Veröffentlicht werden Daten zu den persönlichen Ausgaben und Einkommen im Juli sowie zu den ausstehenden Hausverkäufen ebenfalls für den Monat Juli. Im weiteren Wochenverlauf stehen noch ISM-Daten bzw der Arbeitsmarktbericht für August zur Veröffentlichung an. Aufgrund des Feiertages in London sollte das Geschäft zu Wochenbeginn ruhig verlaufen.
Charttechnisch ist der Euro dabei, die zähe Seitwärtsphase seit dem Frühjahr zu verlassen. Hürden liegen bei 1,4578 Dollar. Darüber eröffnet sich nach Einschätzung der Helaba Potenzial in Richtung 1,4900/5100. Die Handelsspanne am Berichtstag wird zwischen 1,4450 bis 1,4600 Dollar gesehen.
Aktienbörse in Tokio schließt etwas fester
Gestützt von positiven Vorgaben aus Amerika ist die Börse in Tokio am Montag mit leichten Aufschlägen aus dem Handel gegangen. Der Nikkei schloss mit Plus von 0,6 Prozent bzw 54 Punkten bei 8.851, während der breiter aufgestellte Topix 0,3 Prozent bzw 3 Punkte auf 759 gutmachte.
Zwischenzeitlich deutlichere Gewinne gab der Nikkei aber wieder ab, nachdem der bisherige Finanzminister Yoshihiko Noda zum neuen Vorsitzenden der Regierungspartei DPJ gewählt wurde und damit de facto auch designierter Ministerpräsident des Landes ist. Analysten verwiesen auf die Bereitschaft von Noda zu Steuererhöhungen, die die ohnehin fragile Verfassung der japanischen Wirtschaft weiter belasten könnten.
„Die Tatsache, dass Noda so viele Stimmen für sich gewinnen konnte, zeigt, dass die Unterstützung von Steuererhöhungen in der Demokratischen Partei höher ist als gedacht“, so ein Analyst von Mitsubishi UFJ Morgan Stanley Securities. Dennoch dürfte der Schwerpunkt Nodas auf die Haushaltsdisziplin langfristig positiv für Japan sein, vor allem hinsichtlich der Schuldenentwicklung, merkte der Experte aber an.
Unter den Einzelwerten verteuerten sich Sony um 2,8 Prozent auf 1.637 Yen und Nintendo um 1,8 Prozent auf 12.950 Yen. Ausländische Investoren bauten wieder verstärkt Positionen in internationalen Bluechips auf, hieß es am Markt dazu. Bei Toshiba (+2,8 Prozent auf 332 Yen) stützten unterdessen Erwartungen auf neue Atomkrafttechnologie-Exporte. Medienberichten zufolge haben Japan und Vietnam Gespräche über gemeinsame Atomprojekte wieder aufgenommen, nachdem diese im Zuge des Fukushima-Unglücks eingestellt worden seien.
Elpida Memory zogen um 3,2 Prozent auf 552 Yen an, gestützt von einem Anstieg bei den Speicherchippreisen. „Die Erholung der Spotpreise dürfte einige Anleger dazu bewegt haben, Leerpositionen einzudecken“, kommentierte ein Analyst von Goldman Sachs.
Gegen den allgemeinen Trend des Marktes standen Autowerte und Aktien von Reifenherstellern unterdessen unter Druck. Wie es in Medienberichten hieß, deute sich eine Reifen- und Autoteileknappheit in Japan an, die die erwartete Produktionserholung in der zweiten Jahreshälfte bremsen könne. Toyota Motor schlossen mit einem Minus von 1,9 Prozent bei 2.715 Yen, während Honda Motor 1,2 Prozent auf 2.415 Yen und Bridgestone um 1 Prozent auf 1.668 Yen nachgaben.
Aktienbörse in China am Mittag uneinheitlich
Die Börse in Schanghai zeigt sich am Montagmittag (Ortszeit) schwächer, belastet von der Ankündigung der chinesischen Zentralbank, die Mindestreserveanforderungen ausweiten zu wollen. Dies dürfte die Liquidität am Markt erneut verringern, befürchten Analysten. Der Shanghai Composite Index verliert zur Mittagspause 1,1 Prozent auf 2.584 Punkte. In Hongkong stützen unterdessen die positiven Vorgaben von den amerikanischen Börsen. Der HSI gewinnt 1,5 Prozent auf 19.880 Zähler.
„Der nun angekündigte Schritt der Zentralbank hat die Anleger erschreckt, da dem Bankensystem dadurch eine große Menge liquider Mittel entzogen wird“, kommentiert ein Analyst von Huatai Securities die jüngsten geldpolitischen Maßnahmen Chinas. Banken- und Immobilienwerte führen vor diesem Hintergrund die Verliererliste in Schanghai an. Hua Xia Bank geben um rund 4 Prozent nach, während China Vanke rund 1 Prozent einbüßen. Die in Hongkong gelisteten Indexschwergewichte HSBC legen unterdessen um 1,1 Prozent auf 65,75 Hongkong-Dollar zu.
Neuigkeiten und Kursbewegungen nach Börsenschluss an der Wall Street
Fester präsentierten sich die Aktienkurse im nachbörslichen amerikanischen Handel am Freitag im Vergleich zum regulären Geschäft. Der Nasdaq After Hours Indicator stieg um 0,16 Prozent auf 2165,43 Zähler.
Research In Motion (RIM) legten um weitere 0,9 Prozent zu auf 29,43 Dollar, nachdem sie zuvor bereits um 3,4 Prozent gestiegen waren, gestützt von einer Hochstufung auf „Buy“ durch Sterne Agee. Andere Technologiepapiere zeigten sch unterdessen ohne einheitliche Richtung. Während Microsoft um 0,9 Prozent nachgeben, zeigten sich Cisco unverändert. Intel zogen um weitere 0,2 Prozent leicht an.
Irene“ wirbelt Wall Street auf
Nach dem Wirbelsturm „Irene“ werden sich die New Yorker Börsen in dieser Woche voraussichtlich schnell wieder den Konjunkturdaten zuwenden. „Das Augenmerk wird sich rasch auf die Arbeitsmarktdaten richten. Die Investoren werden 'Irene' aus ihren Köpfen verdrängen“, sagte Kat hy Lien von GFT Forex in New York. Trotz des Hurrikans werden die New Yorker Aktienmärkte am Montag wie gewohnt geöffnet. Die Umsätze könnten jedoch etwas geringer als üblich ausfallen, da ein Teil Börsianer angesichts des Ausfalls der öffentlichen Transportmittel nicht zur Arbeit gelangen kann.
Der Hurrikan war am Wochenende mit großer Wucht über die Ostküste der Vereinigte Staaten hinweggefegt. Millionen Haushalte mussten ohne Strom ausharren. Allein in New York, wo im Stadtteil Manhattan einige Straßen unter Wasser standen, mussten Hunderttausende vorübergehend ihre Wohnungen verlassen. Alle U-Bahnen und Busse wurden gestoppt, die Flughäfen geschlossen. Die Hauptstadt kam dennoch vergleichsweise glimpflich davon. Es gab keine Berichte über größere Schäden.
Ersten Schätzungen zufolge rechnen Experten von der Risikoabschätzungsfirma Eqecat mit einem Gesamtschaden für die Versicherer von bislang 500 Millionen Dollar bis eine Milliarde Dollar. Einige Analysten hatten im Vorfeld mit bis zu zehn Milliarden Dollar kalkuliert. Börsianer warten deshalb mit Spannung auf neue Schätzungen am Montag, um sich bei den Anteilsscheinen von Versicherern richtig positionieren zu können. Am Freitag waren die Kurse der US-Versicherer Allstate und Travelers
aus Sorge vor Milliardenschäden im Handelsverlauf auf Zwei-Jahres-Tiefs gefallen.
Nach „Irene“ legt sich der Fokus wieder auf die schwächelnde Konjunktur und den Arbeitsmarkt. Am Freitag steht die Veröffentlichung der Arbeitslosenzahlen im August an. Experten erwarten, dass die Wirtschaft 80.000 Stellen geschaffen hat. Die Arbeitslosenquote soll aber bei 9,1 Prozent stagnieren. Präsident Obama hat angekündigt, in der übernächsten Woche detaillierte Pläne für die Schaffung von Jobs vorzulegen. Während Anleger in der abgelaufenen Woche mit Spannung auf die Rede von Notenbankchef Bernanke in Jackson Hole gewartet hatten, stehen nun Obamas Vorschläge im Mittelpunkt.
Fed-Chef Bernanke hatte den Aktienmärkten Auftrieb gegeben, in dem er Hoffnung auf eine dritte
Finanzspritze machte, das sogenannte Quantitative Easing (QE3). Zugleich gab er den Staffelstab an die Regierung und den Kongress weiter. Er betonte, dort müsse die Grundlage für langfristiges Wirtschaftswachstum gelegt werden. „Die Märkte denken, dass sie nun Impulse von der Regierung erhalten“, sagte Analyst Lance Roberts von Streettalk Advisors.
Die mehrtägigen Talfahrten an den amerikanischen Börsen dürften dazu führen, dass der August für die Aktienmärkte der schlechteste Monat seit Februar 2009 wird. Bisher ist der Dow-Jones-Index im August um 7,1 Prozent gefallen, der S&P um 8,9 Prozent und die Nasdaq um zehn Prozent. Diese Verluste überlagern dann auch das Plus vom Freitag, als alle drei Indizes Gewinne verzeichneten.
Neben „Irene“ und dem Job-Bericht stehen zahlreiche Konjunkturdaten in der neuen Woche an. So werden unter anderem der ISM-Index, Zahlen zum Konsum und den persönlichen Einkommen sowie zum Auftragseingang in der Industrie veröffentlicht.
Amerikanische Anleihen fester
Schwache Konjunkturdaten haben die Kurse amerikanischer Anleihen am Freitag gestützt. Kursgewinne an den Aktienmärkten bremsten den Anstieg der Anleihekurse kaum. Aussagen von Notenbankpräsident Bernanke waren dahingehend interpretiert worden, dass es um die Konjunktur vielleicht doch nicht so schlimm steht wie befürchtet.
Im späten New Yorker Handel stiegen zehnjährige Anleihen mit einem Kupon von 2,125 Prozent um 12/32 auf 99-14/32 und rentierten mit 2,19 Prozent. Der mit 3,750 Prozent verzinste Longbond gewann 1-7/32 auf 103-30/32. Seine Rendite fiel auf 3,53 Prozent.
Wider Erwarten kündigte Bernanke in seiner Rede auf dem Notenbanker-Treffen in Jackson Hole keine neuen Maßnahmen zur Unterstützung der Wirtschaft an. Das wurde zunächst mit Enttäuschung aufgenommen und trieb die Anleger vorübergehend aus Aktien verstärkt in den Anleihemarkt.
Später setzte sich aber die Überzeugung durch, dass die Konjunktur wohl doch nicht am Rande einer Rezession steht, wie es die überwiegend schwachen Konjunkturdaten der jüngsten Zeit nahelegten. Daraufhin kehrten die Aktienkurse deutlich in positives Terrain zurück, während die Anleihen ihre Gewinne verringerten.
Die Konjunkturdaten des Tages verhinderten allerdings ein deutlicheres Abrutschen des Anleihemarkts. Der Index der Universität Michigan für die Verbraucherstimmung erreichte in der zweiten Umfrage Ende August einen Stand von 55,7. Damit lag er zwar über dem Ergebnis der ersten Umfrage von 54,9 Indexpunkten, aber unter der Ökonomenschätzung von 56,0.
Ferner wurde das Bruttoinlandsprodukt des zweiten Quartals am Berichtstag in der zweiten Veröffentlichung nach unten revidiert. Demnach wuchs die Wirtschaft in den Monaten April bis Juni um nur 1 Prozent; vorläufig war ein Plus von 1,3 Prozent gemeldet worden. Die Abwärtsrevision deckte sich allerdings mit der Konsensschätzung der Volkswirte.
