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Blick auf den Finanzmarkt Deutsche Aktien nach Gipfel-Einigung fester

05.10.2011 ·  Die Beschlüsse der Euro-Staaten zur Lösung der Schuldenkrise treiben am Donnerstag die Kurse deutscher Aktien. „Es ist nicht der große Wurf, aber ein Schritt weiter“, heißt es.

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Die deutschen Aktien verzeichnen am Donnerstag nach dem EU-Gipfel zur Euro-Schuldenkrise mehrheitlich kräftige Kursgewinne. Der Dax steigt um 3,1 Prozent auf 6202 Punkte. Der marktbreite FAZ-Index legt 2,8 Prozent auf 1390 Zähler zu. Die Staats- und Regierungschefs der Eurozone haben sich in der Nacht nach langem Tauziehen in Brüssel auf ein Maßnahmenpaket zur Abwehr der Schuldenkrise geeinigt. Es enthält unter anderem ein neues Hilfspaket für Griechenland mit einem Schuldenschnitt sowie eine Hebelung des Rettungsfonds EFSF.

Marktstratege Stan Shamu von IG Markets nennt den Beschluss das letzte Puzzleteilchen, das die Mitgliedsstaaten der Europäischen Union zur Lösung der griechischen Schuldenkrise beschlossen hätten. Der gehebelte Eurorettungsfonds EFSF sei an den asiatischen Märkten von Anlegern gefeiert worden. Die Vorgabe entwickelte sich entsprechend deutlich positiv: der Future auf den Dow Jones Industrial gewann 2,4 Prozent seit dem Vortagesschluss auf Xetra. Zahlreiche Bilanzvorlagen aus dem In- und Ausland binden auch die Aufmerksamkeit der Börsianer. Auch auf der Konjunkturseite könnten Daten aus der Eurozone und den Vereinigten Staaten den Markt bewegen.

Rentenmarkt tendiert sehr schwach

Der deutsche Rentenmarkt tendiert am Donnerstag sehr schwach. Der richtungweisende Terminkontrakt auf die zehnjährige Bundesanleihe, der Bund-Future, verliert 143 Basispunkte auf 134,19 Prozent, der kürzer laufende Bobl-Future 60 Basispunkte auf 121,75 Prozent.

„Die Gipfel-Ergebnisse werden erst einmal als Erfolg gewertet“, so ein Händler. Das erhöhe die Risikobereitschaft und drücke auf so genannte safe havens wie den Bund-Future. Aus technischer Sicht trübe sich die Lage weiter ein, heißt es: Ein Fall unter 134 Prozent könnte den Bund-Future auf 132,80 Prozent drücken, heißt es bei candlestick.de. Neue Impulse könnten auch von ersten Daten zum amerikanischen Wirtschaftswachstum im dritten Quartal kommen.

Euro mit Gipfel-Ergebnis deutlich fester bei 1,40 Dollar

Der Euro zieht nach dem Brüsseler Gipfel zur Eurozonen-Krise weiter an. Gegen 7.59 Uhr steht die Gemeinschaftswährung bei 1,3991 Dollar nach 1,3906 Dollar im späten New Yorker Handel. „Besser irgendein Ergebnis als gar keines“, meint Ulrich Leuchtmann, Devisenanalyst der Commerzbank. Er spricht von anhaltenden Leereindeckungen - also Euro-Käufen derjenigen, die bisher auf einen fallenden Euro gesetzt hatten. Leuchtmann erwartet aber, dass der Euro bald wieder zurückfällt.

„Überzeugende Ergebnisse hat der Gipfel nicht vorgelegt“, so Leuchtmann. Mit dem Schuldenschnitt für Griechenland steige die Ansteckungsgefahr, meint der Devisenanalyst. Zum Hebeln des Rettungsschirms gebe es lediglich Absichtserklärungen. Daneben sei unklar, ob die diskutierten Modelle wie das Versicherungsmodell oder die Beteiligung privater Investoren über eine Zweckgesellschaft, ein so genanntes „Special Purpose Vehicle“, überhaupt funktionierten.

Aus technischer Sicht verbesserte sich die Situation mit einem nachhaltigen Anstieg über 1,3970 Dollar, denn dann kehre der Euro in die alte Spanne zwischen knapp 1,40 Dollar und gut 1,45 Dollar zurück. Eine erste Hürde liege nun an der 200-Tages-Linie bei 1,41 Dollar. Neue Impulse werden von ersten Daten zum amerikanischen Wirtschaftswachstum im dritten Quartal am Nachmittag erwartet.

Kräftige Gewinne an Tokios Börse

Der japanische Aktienmarkt hat am Donnerstag mit einem kräftigen Plus auf das von der Europäischen Union beschlossene Paket zur Bekämpfung der Schulden- und Bankenkrise reagiert. Zudem hatte die japanische Notenbank am Morgen mitgeteilt, angesichts der hohen Wachstumsrisiken künftig noch mehr Anleihen kaufen zu wollen. Mit ihrer sehr expansiven Geldpolitik reagiert die Notenbank auf den starken Yen, der die Erholung der exportorientierten Wirtschaft Japans bedroht. Der Nikkei-225-Index schloss 2 Prozent höher bei 8927 Punkten, und der marktbreite Topix ging mit einem Plus von 2,2 Prozent bei 763 Punkten aus dem Handel.

Die Beschlüsse der EU sorgten für kräftigen Aufwind im Bankensektor. Die Aktien von Mitsubishi UFJ etwa kletterten um 5,74 Prozent auf 350 Yen. Besonders gefragt waren zudem die Exportwerte. Die Titel des Baumaschinenherstellers Komatsu rückten um 3,96 Prozent vor, und die des Maschinenbauers Fanuc stiegen um 4,56 Prozent. Sony-Titel legten 5,43 Prozent zu, die Papiere von Nissan schlossen mit einem Plus von 4,20 Prozent. Olympus schnellten nach dem Rücktritt von Tsuyoshi Kikukawa um mehr als 23 Prozent hoch. Der Verwaltungsratschef hatte damit am Vortag die Schlüsse aus dem Streit um verdächtige Firmenkäufe gezogen.

Aktienbörse in China am Mittag etwas fester

Die Börse in Schanghai zeigt sich am Donnerstagmittag mit leichten Aufschlägen und kommt damit von zeitweise kräftigeren Gewinnen wieder zurück. Händler verweisen auf negative Analystenkommentare, nach denen die Kommentare von Premierminister Wen Jiabao vom Vortag, nach denen die chinesische Geldpolitik ein „Fine-Tuning“ benötige, nicht überbewertet werden sollten. Der Shanghai Composite liegt 0,4 Prozent im Plus bei 2.47 Punkten.

Der HSI in Hongkong zieht unterdessen deutlich stärker an und notiert zur Mittagspause mit einem Aufschlag von 1,7 Prozent bei 19.399 Zählern. Die Anleger begrüßten die auf dem EU-Gipfel zur Lösung der europäischen Schuldenprobleme gefassten Beschlüsse, heißt es im Handel. Vor allem die Einigung auf eine Bankenrekapitalisierung stütze die Stimmung.

Unter den meist gehandelten Einzelwerten in Schanghai ziehen China Vanke um 0,4 Prozent auf 7,69 Yüan an, während Jiangxi Copper um 0,6 Prozent auf 27,53 Yüan klettern.

Nachbörsliche Meldungen aus Amerika

Die amerikanischen Handelsplätze zeigten sich am Mittwoch nachbörslich gut behauptet. Der Nasdaq-100 After Hours Indicator stieg um 1,22 Punkte auf 2336,01 Zähler.

McDermott International und Akamai Technologies standen im Mittelpunkt des Interesses. McDermott brachen um 20,1 Prozent ein auf 11,69 Dollar, nachdem das Unternehmen mit seinem Ausblick auf die am 8. November erwarteten Drittquartalszahlen die Erwartungen des Marktes vor allem beim Umsatz deutlich verfehlte.

Akamai schossen dagegen um 12,7 Prozent nach oben auf 26,80 Dollar, beflügelt von einem besser als erwartet ausgefallenen Umsatzausblick für das vierte Quartal. Zudem hatte Akamai Drittquartalszahlen berichtet, die etwas über den Konsensschätzungen lagen.

Novellus wurden 3,3 Prozent höher gehandelt mit 33,62 Dollar, nachdem der Hersteller von Maschinen zur Chipproduktion einen Ausblick abgegeben hatte, der über den bisherigen Annahmen der Analysten lag. Der Kurs des Chipherstellers LSI gab um 2 Prozent nach auf 5,81 Dollar. Das Unternehmen hatte angekündigt, den Chipentwickler Sandforce für 370 Millionen Dollar übernehmen zu wollen. Die außerdem vorgelegten Drittquartalszahlen hatten die Schätzungen des Marktes knapp erreicht.

Erste Ergebnisse vom EU-Gipfel beruhigen Wall Street

Die Hoffnung auf eine Lösung der Schuldenkrise in Europa hat am Mittwoch zu steigenden Kursen an der Wall Street geführt. Die wichtigsten Indizes gingen mit Zuwächsen aus dem Handel, nachdem erste Details über die geplante Verstärkung des Rettungsfonds EFSF bekanntgeworden waren.

Auch Quartalsberichte wichtiger Unternehmen sorgten für Optimismus bei Investoren. Schlechte Nachrichten von der amerikanischen Konjunktur hatten dagegen kaum Auswirkungen auf die Stimmung. Die Industrie erhielt im September wegen der sinkenden Nachfrage nach Autos und Flugzeugen weniger Aufträge.

Der Dow-Jones-Index der Standwerte schloss bei 11.869 Punkten, was einem Plus von 1,4 Prozent entspricht. Der breiter gefasste Standard & Poor’s 500 stieg um 1,05 Prozent auf 1242 Zähler. Der Index der Technologiebörse Nasdaq legte um 0,5 Prozent auf 2650 Stellen zu.

Der Nasdaq wurde anfangs von der Quartalsbilanz des weltgrößten Händlers im Internet, Amazon.com, heruntergezogen. Das Unternehmen schockierte Investoren mit einem Gewinnrückgang um 73 Prozent und warnte, dass es im Weihnachtsquartal sogar einen operativen Verlust geben könnte. Die Aktie verlor 12,7 Prozent.

Bei den Einzelwerten stand auch Boeing im Mittelpunkt. Der Flugzeugbauer legte überraschend starke Quartalsergebnisse vor und erhöhte seine Prognose fürs Gesamtjahr. Zudem setzte der Kunde All Nippon Airways den neuen Langstreckenflieger 787 erstmals im regulären Betrieb mit Passagieren ein. Die Aktie des Airbus-Rivalen legte 4,5 Prozent zu.

Ebenfalls zu den Gewinnern gehörte Wellpoint mit einem Plus von 3,9 Prozent. Der Versicherer steigerte seinen Gewinn stärker als prognostiziert.

Der zweitgrößte amerikanische Autobauer Ford setzte seine Erholung im dritten Quartal dank der robusten Pkw-Nachfrage auf dem Heimatmarkt fort und baute seine Schulden weiter ab. Beim Gewinn verbuchte Ford jedoch einen Rückgang, weil der Vorstand die Entwicklung der Rohstoffkosten falsch einschätzte und den Wert der Absicherungsgeschäfte in der Bilanz abschreiben musste. Die Aktie gab um 4,5 Prozent nach.

Nach oben ging es auch mit Aktien des Ölkonzerns Conoco-Phillips , der im abgelaufenen Quartal mehr verdiente als von Analysten erwartet. Anleger honorierten die Bilanz - die Aktie ging um 1,7 Prozent nach oben.

Amerikanische Anleihen mit positiven Erwartungen an EU-Gipfel unter Druck

Positive Erwartungen an den EU-Gipfel zur europäischen Schuldenkrise haben die amerikanischen Anleihen am Mittwoch belastet. Zeitweise stützte die Auktion fünfjähriger
Notes, die nach Meinung von Beobachtern gut verlief.

Zehnjährige Anleihen mit einem Kupon von 2,125 Prozent fielen im späten New Yorker Handel um 26/32 auf 99-11/32. Ihre Rendite stieg auf 2,20 Prozent. Der mit 3,750 Prozent verzinste Longbond gab um 1-26/32 auf 110-7/32 nach und rentierte mit 3,21 Prozent.

Die Auktion fünfjähriger Notes im Volumen von 35 Milliarden Dollar traf auf eine rege Nachfrage und ließ die Anleihekurse ihre Verluste vorübergehend verringern. Auffallend war nach Aussage von Beobachtern der hohe Anteil indirekter Bieter, zu denen auch ausländische Notenbanken gehören. Die Unsicherheit vor dem EU-Gipfel dürfte das Interesse an den als sichere Anlageklasse gelten den amerikanischen Staatsanleihen befördert haben, hieß es.

Quelle: Quellen: FAZ.NET, dpa-AFX, Reuters, dpa, AP, AFP, Bloomberg, Dow Jones.
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Nasdaq 100 2.527,05 −0,17%
S&P500 1.317,82 −0,22%
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