16.12.2009 · Gestützt auf Kursgewinne bei den Finanzwerten ist der deutsche Aktienmarkt am Mittwoch mit moderaten Gewinnen in den Handel gestartet. Börsianer verweisen als Antrieb auf Medienberichte, wonach die Banken mehr Zeit für die Umsetzung neuer Regeln bekommen sollen.
Gestützt auf Kursgewinne bei den Finanzwerten ist der deutsche Aktienmarkt am Mittwoch mit moderaten Gewinnen in den Handel gestartet. Der Dax legt um 0,7 Prozent auf 5851 Punkte zu. Der MDax rückt um 0,9 Prozent auf 7433 Punkte vor und der TecDax steigt um 0,35 Prozent auf 815 Zähler.
Börsianer verweisen als Antrieb auf Medienberichte, wonach der Basler Ausschuss für die Bankenaufsicht der Branche mehr Zeit bei der Umsetzung von neuen Regeln für die Kapitalausstattung von Kreditinstituten einräumen will. Die Regeln sollen ab Ende 2012 Schritt für Schritt eingeführt werden, zitierte ein Börsianer den Bericht.
Die japanische Zeitung „Nihon Keizai“ berichtete indessen von einer zehn- oder zwanzigjährigen Übergangsfrist bei der Einführung von größeren Kapitalpuffern. Den japanischen Bankaktien hatte das schon Auftrieb gegeben. Commerzbank legen um 4,4 Prozent auf 6,21 Euro zu, Deutsche Bank um 3 Prozent auf 50,96 Euro und Aareal Bank um 1,7 Prozent auf 13,39 Euro.
Die Vorgaben aus den Vereinigten Staaten und aus Japan lieferten ansonsten kaum Impulse, sagen Händler. Im Handelsverlauf dürften hierzulande vor allem die amerikanischen Konjunkturdaten am Nachmittag wie die Verbraucherpreise und die jüngsten Zahlen zum Häusermarkt für Bewegung sorgen. Ebenfalls warten die Anleger mit Spannung auf Aussagen der amerikanischen Notenbank, die sich am Abend nach Börsenschluss in Deutschland zur Zinspolitik äußern wird. Vor der Entscheidung der Fed dürften sich die Anleger zurückhalten, sagten Börsianer.
Im MDax legen Aurubis nach Zahlen 1,3 Prozent auf 30,40 Euro zu. Der Kupferhersteller erwirtschaftete dank einer anziehenden Nachfrage und höherer Kupferpreise im Geschäftsjahr 2008/2009 einen überraschend hohen Gewinn.
Freundliche Tendenz am Rentenmarkt
Der deutsche Rentenmarkt tendiert am Mittwoch fester. Der richtungweisende Terminkontrakt auf die zehnjährige Bundesanleihe, der Bund-Future, gewinnt 8 Basispunkte auf 122,57 Prozent, der kürzer laufende Bobl-Future 14 Basispunkte auf 116,51 Prozent.
Im Blickpunkt dürften neue Konjunkturdaten aus den Vereinigten Staaten und Europa stehen, heißt es im Morgenkommentar der HSH Nordbank. Zudem wird die Zinsentscheidung der amerikanischen Notenbank erwartet. Wenngleich nicht mit einer Änderung des Leitzinses zu rechnen ist, dürften Hinweise auf eine künftige Zinswende genau beäugt werden. Den Bund-Future sieht die Landesbank zwischen 122,00 und 123,50 Punkten.
Euro vor Zinsentscheidung in Wartestellung
Der Euro ist am Mittwoch etwas fester zum Dollar in den europäisch dominierten Handel gestartet. „Der Euro stand die letzten Tage unter Druck, vor der Fed-Sitzung sehen wir momentan eine kleine Erholung“, kommentiert ein Händler die Bewegung. Dies bedeute, dass die zuletzt verkaufte Gemeinschaftswährung nun zurückgekauft werde. Ansonsten verlaufe der Handel in sehr ruhigen Bahnen.
Es wird erwartet, dass die amerikanische Notenbank bei der letzten Sitzung des Offenmarktausschusses in diesem Jahr an ihrer ultraexpansiven Ausrichtung festhalten und auch keine Signale für eine zinspolitische Wende geben wird. Weiter sind die geldpolitischen Experten davon überzeugt, dass die Fed auch in den kommenden Monaten am Leitzinskorridor von 0 bis 0,25 Prozent festhalten wird. Alles andere würde für eine faustdicke Überraschung sorgen, heißt es aus dem Handel.
Die Helaba erwartet, dass in der Stellungnahme der Fed erneut der Passus „for an extended period“ verwendet wird. In diesem Fall könnte der Dollar tendenziell geschwächt werden. Dass sich die amerikanische Konjunktur erhole, dürften die anstehenden Immobilienzahlen bestätigen. Sowohl bei den Hausbaubeginnen als auch bei den Baugenehmigungen zeichneten sich leichte Anstiege ab, nachdem es im Vormonat zu überraschend starken Rückgängen gekommen sei. Insgesamt bleibe aber festzuhalten, dass die Belebung im Bausektor nur schleppend vorankommt.
Ein weiterer wichtiger Termin ist die Veröffentlichung der amerikanischen Verbraucherpreise für den Monat November um 14.30 Uhr. Die Jahresteuerung dürfte zum ersten Mal seit Februar wieder in den positiven Bereich zurückgekehrt sein.
Asiens Börsen uneinheitlich
Die Börsen in Fernost haben vor einer erwarteten Erklärung der amerikanischen Notenbank Fed uneinheitlich notiert. Zwar gingen Anleger nicht von einer Zinsveränderung aus, doch erhofften sie sich neue Hinweisen zur Stabilität der
wirtschaftlichen Erholung in den Vereinigten Staaten.
Die Börse in Tokio schloss dank deutlichen Kursgewinnen bei Finanzwerten auf dem höchsten Stand seit sieben Wochen. Medienberichten zufolge zeichnen sich nur sanfte internationale Auflagen für eine Rekapitalisierung der Banken ab. Demnach will der Basler Ausschuss als gemeinsames Gremium der Notenbanken Übergangsfristen von bis zu zehn Jahren einräumen, was praktisch einem Aufschub der Verschärfung gleichkommt.
Der Nikkei-Index schloss 0,9 Prozent Plus bei 10.177 Punkten und damit auf dem höchsten Stand seit dem 27. Oktober. Der breiter gefasste Topix-Index legte 1,5 Prozent zu auf 898 Zähler. Auch die Börsen in Schanghai und Singapur tendierten im Plus, während die Märkte in Taiwan, Hongkong und Korea Verluste verzeichneten.
Die japanische Wirtschaftszeitung „Nikkei“ berichtete, der Basler Ausschuss bleibe bei seiner Ankündigung, der Branche für die Umsetzung der neuen Vorgaben ein ganzes Jahrzehnt lang Zeit zu lassen. Davon profitierte die Aktie der Mitsubishi UFJ Financial, die um 4,9 Prozent zulegte. Der Wert der zweitgrößten Bank Mizuho Financial verteuerte sich um 15,2 Prozent. Aktien von Sumitomo Mitsui legten 14,3 Prozent zu. „Eine der größten Sorgen am Markt war, dass vor allem Banken zusätzliches Eigenkapital aufbringen müssen“, sagte ein Händler.
Suzuki und Volkswagen werden zu Beginn des neuen Jahres über die Einzelheiten ihrer geplanten Partnerschaft verhandeln. Die Gespräche über gemeinsame Projekte starteten nach dem 10. Januar, sagte der japanische Konzernchef Osamu Suzuki am Mittwoch. Dazu gehöre auch die Zusammenarbeit auf dem indischen Markt. Die Suzuki-Aktie schloss 1,4 Prozent im Minus.
Aktienkurse in China im Verlauf kaum verändert
Kaum verändert zeigt sich die Börse in Schanghai am Mittwoch im Nachmittagshandel. Weiter hielten Sorgen vor Maßnahmen der Regierung zur Eindämmung der Preisentwicklung vor allem im Immobiliensektor die Börsianer von Käufen ab, berichten Händler. Der China Shanghai-Composite gibt minimal nach auf 3.274 Punkte. In Hongkong verliert der HSI zur Mittagspause 0,9 Prozent auf 21.624 Punkte. Hier belaste der zum Dollar schwächelnde Hongkong-Dollar mit damit verbundenen Sorgen vor dem möglichen Abfließen von Fondsgeldern aus dem Hongkonger Markt.
Das lustlose Geschäft in Schanghai komme wenig überraschend, da zum Jahresende hin traditionell das Kaufinteresse nachlasse, heißt es. „Ich wäre nicht überrascht, wenn der Index in Schanghai kommende Woche auf 3.150 Punkte fällt“, so ein Experte von Capital Securities. Im Immobiliensektor verlieren Gemdale 1,4 Prozent und Citic Securities 0,3 Prozent.
Neuigkeiten und nachbörsliche Kursbewegungen an der Wall Street
Die amerikanischen Aktien zeigten sich am Montag nach Ende des offiziellen Handels etwas leichter. Der Nasdaq 100 After Hours Index fiel um 0,15 Punkte auf 1808,94 Zähler.
Adobe Systems zeigten sich nach dem Ausweis der Viertquartalszahlen unverändert gezeigt. Der Umsatz übertraf die Erwartungen des Marktes knapp, wenngleich er sich im Jahresvergleich deutlich reduzierte. Zudem wies das Unternehmen beim Ergebnis ein Minus aus, nachdem vor Jahresfrist noch ein Gewinn zu Buche gestanden hatte.
Broadcom legten minimal zu auf 30,41 Dollar, nachdem das Unternehmen seinen Umsatzausblick für das vierte Quartal auf 1,32 Milliarden von zuvor 1,25 Milliarden Dollar angehoben und dies mit einer verbesserten Nachfrage begründet hatte.
Wall Street schließt etwas leichter
Nachdem der Dow-Jones-Index zu Wochenbeginn noch auf den höchsten Schlussstand des Jahres 2009 geklettert war, sorgten am Dienstag Abgaben bei den Finanzwerten und uneinheitliche amerikanischen Konjunkturdaten für eine etwas leichtere Tendenz. Zudem habe im Vorfeld der mit Spannung erwarteten Zinsentscheidung der Federal Reserve am Mittwoch Zurückhaltung geherrscht, so ein Marktbeobachter.
Der Dow Jones reduzierte sich um 0,5 Prozent auf 10.452 Punkte. Im Tagesverlauf notierte der Index zwischen 10.427 und 10.499 Punkten. Für den S&P-500 ging es um 0,6 Prozent auf 1108 Zähler nach unten. Der Nasdaq Composite verzeichnete einen Abschlag von 0,5 Prozent auf 2.201 Punkte.
Alles komme darauf an, ob die amerikanische Notenbank am Mittwoch den Märkten weiter für einen längeren Zeitraum extrem niedrige Zinsen am kurzen Ende zusichern werde, sagte ein Händler mit Blick auf die Zinsentscheidung. Deute sich nach den zuletzt überraschend guten Arbeitsmarkt- und Einzelhandelsdaten bei den Aussagen der Federal Reserve eine Zinswende an, sei die Liquiditätshausse wohl zu Ende.
Belastet wurde das Sentiment von den veröffentlichten amerikanischen Konjunkturdaten. So ist der Empire-State-Index im Dezember auf 2,55 von 23,51 Punkten im Vormonat eingebrochen. Volkswirte hatten jedoch einen Anstieg auf 23,90 Punkte erwartet. Dagegen stieg die Industrieproduktion im November binnen Monatsfrist um 0,8 Prozent, Volkswirte hatten hier lediglich eine Zunahme um 0,5 Prozent erwartet.
Die Erzeugerpreise stiegen im November um 1,8 Prozent im Vergleich zum Vormonat. Ökonomen hatten eine Zunahme um 1,0 Prozent prognostiziert. Auch die um die volatilen Nahrungsmittel- und Energiebestandteile bereinigte Kernrate erhöhte sich mit einem Plus von 0,5 Prozent überraschend stark. „Vielleicht ist Inflation doch bereits schon jetzt ein Thema“, so ein Händler. „Inflationssorgen brauchen sich die Vereinigten Staaten aber dennoch nicht zu machen. Die Vorjahresveränderungsraten bewegen sich jetzt eher in einer komfortablen Größenordnung als zuvor. Sie weisen weder auf Deflation noch auf Inflation hin“, sagte dagegen ein Volkswirt.
Unter Druck standen vor allem die Finanzwerte, die im Monat November erneut hohe Abschreibungen im Kreditkarten-Bereich vornehmen mussten. So schrieben J.P. Morgan 8,81 Prozent und die Bank of America 13 Prozent der überfälligen Forderungen in diesem Bereich ab. Bei der Bank of America lag die Quote damit zwar unter dem Niveau des Vormonats, doch wies das Institut weiterhin den höchsten Wert unter den großen Anbietern auf, so ein Analyst. Die Aktien von J.P.Morgan verloren 2,2 Prozent auf 40,86 Dollar. Bank of America gaben um 2,8 Prozent auf 15,19 Dollar nach und waren damit schwächster Wert im DJIA.
Im S&P-500-Index stiegen dagegen Wells Fargo um 0,7 Prozent auf 25,66 Dollar. Die Bank will die staatlichen Hilfsgelder aus dem TARP-Programm in Höhe von 25 Milliarden Dollar komplett zurückzahlen. Dazu soll das Kapital um 10,4 Milliarden Dollar erhöht werden.
Gesucht waren auch die Konsumwerte. So kletterten Home Depot um 0,5 Prozent auf 29,02 Dollar und Walt Disney verbesserten sich um 1,1 Prozent auf 32,18 Dollar. Letztere waren damit stärkster Wert im DJIA. Der wieder über 70 Dollar je Barrel gestiegene Ölpreis sorgte bei den Energiewerten für Kursgewinne. So legten die Aktien von National Oilwell Varco um 1 Prozent auf 44,73 Dollar zu.
Mit einem deutlichen Minus von 8,5 Prozent auf 41,53 Dollar schlossen Best Buy die Sitzung. Die Umsätze bei Laptops, Fernsehern und anderen elektronischen Geräten sorgten für ein besser als erwartetes Ergebnis im dritten Quartal. Allerdings erklärte der größte Elektronik-Einzelhändler in den Vereinigten Staaten, dass der Umsatz vor allem bei Geräten mit einer niedrigen Profitabilität zugenommen habe.
Amerikanische Anleihen etwas leichter
Die besser als erwartet ausgefallenen Daten zur amerikanischen Industrieproduktion haben bei den amerikanischen Anleihen am Dienstag in New York im späten Handel für Abgaben gesorgt. Zudem sei es im Vorfeld der Zinsentscheidung der amerikanischen Notenbank am Mittwoch zu Positionsanpassungen gekommen, so ein Teilnehmer.
Zehnjährige Papiere mit einem Kupon von 3,375 Prozent verloren 10/32 auf 98-8/32 und rentierten mit 3,59 Prozent. Der mit 4,375 Prozent verzinste Longbond verzeichnete einen Abschlag von 20/32 auf 97-19/32, seine Rendite stieg auf 4,52 Prozent. Insgesamt sei der Handel aber in sehr ruhigen Bahnen verlaufen, sagte ein Beobachter. Viele Investoren hätten ihre Bücher für das Jahr 2009 bereits geschlossen. Der Fokus sei auf die letzte Sitzung des Offenmarktausschusses der amerikanischen Notenbank in diesem Jahr gerichtet.
Auch Sorgen um eine gesunkene Nachfrage nach amerikanischen Staatsanleihen hätten den Markt erneut belastet. Der schwache Verlauf der Auktion einjähriger Titel am Berichtstag verstärkte bei den Anlegern die Befürchtungen hinsichtlich der Aufnahmefähigkeit des Marktes für weitere neue Anleihen. Immerhin würden in den letzten Handelswoche des Jahres 2009 noch Papiere im Gesamtvolumen von 118 Milliarden Dollar begeben, hieß es.
| Name | Kurs | Prozent |
|---|---|---|
| DAX | 6.339,94 | +0,38% |
| FAZ-INDEX | 1.377,69 | −0,11% |
| TecDAX | 752,47 | +0,08% |
| MDAX | 10.196,40 | −0,34% |
| SDAX | 4.817,28 | +0,29% |
| REX | 434,70 | −0,15% |
| Eurostoxx 50 | 2.161,87 | +0,25% |
| F.A.Z. EURO | 69,61 | +0,13% |
| Dow Jones | 12.454,80 | −0,60% |
| Nasdaq 100 | 2.527,05 | −0,17% |
| S&P500 | 1.317,82 | −0,22% |
| Nikkei225 | 8.580,39 | +0,20% |
| EUR/USD | 1,2515 | −0,14% |
| Rohöl Brent Crude | 106,90 $ | +0,14% |
| Gold | 1.569,50 $ | +0,06% |
| Bund Future | 144,35 € | +0,25% |