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Blick auf den Finanzmarkt Dax im Minus

09.09.2010 ·  In Erwartung neuer amerikanischen Konjunkturdaten halten sich die Anleger am Donnerstag bedeckt. Das Augenmerk richtet sich Händlern zufolge vor allem auf die wöchentlichen Erstanträge auf Arbeitslosenhilfe und die Handelsbilanz im Juli.

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Belastet von der späten Entwicklung an der Wall Street tendiert der deutsche Aktienmarkt am Donnerstag etwas leichter. Der Dax sinkt um 0,35 Prozent auf 6143 Punkte, nachdem er am Vortag noch 0,76 Prozent zugelegt hatte. Der MDax mittelgroßer Werte fällt um 0,2 Prozent auf 8505 Punkte. Der Index für Technologiewerte TecDax gibt 0,4 Prozent auf 758 Punkte nach.

Die amerikanischen Börsen hätten zwar höher geschlossen, im späten Handel aber einen Teil ihrer Kursgewinne abgegeben, sagt Analyst Ben Potter von IG Markets. Das drücke nun trotz der nachlassenden Unsicherheit in der Eurozone auf die Stimmung. In Tokio konnte sich der Leitindex Nikkei 225 indes aber etwas von seinen Abgaben des Vortages erholen, doch die chinesische Börse gab nach. Die Agenda fülle sich unterdessen etwas, sagte ein Händler, wobei vor allem Daten aus den Vereinigten Staaten am Nachmittag Impulse bringen könnten.

Beiersdorf können sich gegen den schwachen Markt stemmen und steigen um 0,9 Prozent auf 43,75 Euro. Händler sprechen von Übernahmephantasie für den Konsumgüterhersteller. In einer Studie der Deutschen Bank werde über mögliche Zukaufspläne von Procter & Gamble (P&G) diskutiert, wofür der Analyst Beiersdorf als Top-Kandidaten sehe, sagt ein Händler. Ein Börsianer äußerte sich aber skeptisch, da P&G zum einen nicht an einer feindlichen Übernahme interessiert sei und zum anderen die Eigentümerstruktur von Beiersdorf gegen einen Verkauf spreche.

Bei den Versorgern bleibt die Zukunft der Atomenergie in Presseberichten ein Thema. Die Aktien von Eon verlieren 0,8 Prozent auf 23,28 Euro und RWE büßen 1 Prozent auf 53,67 Euro ein. Händler werten negativ, dass Zeitungen berichten, dass der Kompromiss die Betreiber der 17 deutschen Kernkraftwerke teurer zu stehen kommen könnte als erwartet.

Rentenmarkt tendiert gut behauptet

Der deutsche Rentenmarkt tendiert am Donnerstag gut behauptet. Der richtungweisende Terminkontrakt auf die zehnjährige Bundesanleihe, der Bund-Future, gewinnt 13 Basispunkte auf 131,38 Prozent, der kürzer laufende Bobl-Future 1 Basispunkt auf 120,93 Prozent.

Die neu entflammte Sorge um die Staatsfinanzen in Europa sei nicht ausgestanden, meint ein Händler. „Dies ist eines der großen Themen, auf die der Markt derzeit schaut“. Weitere Impulse dürften am Nachmittag von amerikanischen Konjunkturdaten ausgehen. Hier wird die Handelsbilanz für den Monat Juli veröffentlicht. Zudem stehen die wöchentlichen Erstanträge auf Arbeitslosenhilfe auf der Agenda.

Die technischen Signale des Bund-Future sind laut den Analysten der Helaba derzeit gemischt. Sie erwarten eine Handelsspanne zwischen 130,74 Prozent und 132,14 Prozent. Den nächsten Widerstand sehen sie bei 132,81 Prozent, eine Unterstützung machen sie bei 131,10 Prozent aus.

Euro gibt im Vorfeld neuer Anleiheauktionen nach

Etwas schwächer zum Dollar zeigt sich der Euro am Donnerstag zu Beginn des europäisch geprägten Handels mit Ständen um die Marke von 1,27 Dollar. Händler verweisen auf wieder gestiegene Risikoaversion vor den Anleiheauktionen in Irland und Ungarn am Vormittag.

Die positiv verlaufene Auktion portugiesischer Staatsanleihen am Mittwoch hatte zwischenzeitlich für Entspannung in der Gemeinschaftswährung gesorgt. Dennoch sei die neu entflammte Sorge um die Staatsfinanzen in Europa nicht ausgestanden, meint ein Händler. „Dies ist eines der großen Themen, auf die der Markt derzeit schaut“. Irland will Schuldtitel im Wert von 400 Millionen bis 600 Millionen Euro unter die Anleger bringen und Ungarn Schuldtitel im Volumen von 50 Milliarden Forint versteigern.

Darüber hinaus steht die geldpolitische Entscheidung Bank of England auf dem Programm. Beobachter rechnen daher damit, dass die Währungshüter das Leitzinsniveau von 0,5 Prozent bestätigen werden. Auch das Volumen des Ankaufprogramms für Staatsanleihen von 200 Milliarden Pfund dürfte nicht verändert werden. Am Nachmittag richten sich die Blicke in die Vereinigten Staaten, wenn die Handelsbilanz für Juli veröffentlicht wird. Ebenfalls im Fokus der Marktteilnehmer dürfte die wöchentlichen Erstanträge auf Arbeitslosenhilfe in den Vereinigten Staaten stehen.

Der Yen zeigt sich unterdessen weiter fest zum Dollar in der Nähe des 15-Jahres-Hochs. Die anhaltende Diskussion um ein mögliches Eingreifen der japanischen Notenbank am Devisenmarkt beeindruckt die Marktteilnehmer wenig. Händler gehen davon aus, dass vor dem 14. September keine Intervention stattfinden wird, wenn sich der Machtkampf an der Spitze der regierenden Demokratischen Partei entschieden haben dürfte.

Aus technischer Sicht habe sich der Euro in einer Handelsspanne zwischen 1,2605 Dollar und 1,2770 Dollar eingerichtet, heißt es in einem Marktkommentar der Helaba. „Erst ein Abrutschen unter 1,2605 dürfte als klare Richtungsvorgabe gelten“, so die Analysten. Die nächsten Widerstände machen sie bei 1,2775 Dollar und 1,2856 Dollar aus.

Aufatmen an Asiens Börsen nach Anleihe-Auktionen in Europa

Nach den positiven Vorgaben aus den Vereinigten Staaten und Europa haben sich die Aktienmärkte in Fernost am Donnerstag weitgehend fester präsentiert. Die erfolgreiche Auktion polnischer und portugiesischer Staatsanleihen dämpfte auch in Asien Sorgen über die Schuldenkrise. Händlern zufolge blieb die Verunsicherung allerdings groß - zu tief sitzen die Bedenken über die Finanzstabilität in Europa und den Erholungskurs der amerikanischen Wirtschaft. In Japan hielt zudem der nur leicht gebremste Höhenflug des Yen, der nahe seines 15-Jahres-Hochs gegenüber dem Dollar verharrte, die Aufschläge in Grenzen.

Der 225 Werte umfassende Nikkei-Index legte in Tokio 0,8 Prozent auf 9098 Punkte zu. Der breiter gefasste Topix-Index gewann 0,7 Prozent auf 826 Zähler. Auch die Aktienmärkte in Hongkong, Singapur und Südkorea verbuchten Gewinne. Taiwan und der chinesische Leitindex rutschten hingegen ins Minus. Auslöser in Schanghai waren Abschläge an den dortigen Rohstoffbörsen, die von Spekulationen über ein Vorgehen der chinesischen Regierung gegen illegale Fonds herrührten.

Die in den vergangenen Tagen besonders stark gefallenen Titel der exportorientierten Unternehmen gehörten am Donnerstag wegen der etwas niedrigeren Notierung des Yen zu den größten Gewinnern. Toyota-Titel legten um 1,9 Prozent zu, die von Canon um 1,1 Prozent. Die Papiere des Herstellers von Anti-Viren-Software Trend Micro schossen getrieben von Übernahmefantasien um mehr als zehn Prozent in die Höhe. Der Unternehmenschef hatte einer Zeitung gesagt, seine Firma erhalte regelmäßig Übernahmeangebote und werde aktuelle Offerten prüfen.

Neuigkeiten und Kursbewegungen nach Börsenschluss an der Wall Street

Etwas fester haben sich die Aktienkurse im nachbörslichen amerikanischen Handel am Mittwoch im Vergleich zum regulären Geschäft entwickelt. Der Nasdaq After Hours Indicator stieg um 0,71 Punkte auf 1880,71 Zähler.

Questcor Pharmaceuticals fielen um 5,6 Prozent auf 9,80 Dollar, nachdem die amerikanischen Aufsichtsbehörde FDA abermals die Zulassung ihres Medikaments Actahr gegen Spasmen bei Kindern verschoben hat. Sie benötige noch etwas mehr Zeit, teilte die FDA mit. Ihre Geschäftsstrategie und -pläne für Acthar blieben aber intakt, sagte Vorstandschef Don Bailey.

Men's Wearhouse stiegen nach einem guten Quartalsausweis um 2,3 Prozent auf 21,48 Dollar. Die Bekleidungskette hatte für das zweite Quartal bei einem Umsatz von 537 Millionen Euro einen bereinigten Gewinn von 0,83 Dollar je Aktie ausgewiesen. Analysten hatten 535 Millionen Dollar oder 0,78 Dollar je Aktie erwartet. Für das dritte Quartal rechnet das Unternehmen mit einem Gewinn zwischen 40 und 47 Cent je Aktie, während die Durchschnittsprognose bisher bei 41 Cent steht.

Finanztitel verhelfen amerikanischen Börsen zu Gewinnen

An der Wall Street hat sich die Stimmung am Mittwoch wieder etwas aufgehellt: Die amerikanischen Börsen folgten den Märkten in Europa und notierten fester. Gefragt waren vor allem Finanztitel, von denen sich die Anleger noch am Dienstag aus Sorge um das europäische Bankensystem getrennt hatten. Eine trotz des schwierigen Marktumfelds erfolgreiche Auktion portugiesischer Staatsanleihen stimmte die Investoren auch in den Vereinigten Staaten optimistischer. Die geplante Aufspaltung der Anglo Irish Bank wurde ebenfalls als positives Zeichen aus Europa aufgenommen. Gleichzeitig hielten die Börsianer die Konjunkturentwicklung fest im Blick. Doch das „Beige Book“ der Fed bestätigte lediglich, dass sich das Wirtschaftswachstum in den Sommermonaten verlangsamt hat.

Der Dow-Jones-Index der Standardwerte pendelte im Verlauf zwischen einem Hoch von 10.426 und einem Tief von 10.335 Punkten. Er schloss 0,5 Prozent höher bei 10.387 Zählern. Der breiter gefasste S&P-500-Index kletterte um 0,6 Prozent auf 1098 Stellen. Der Technologieindex Nasdaq legte 0,9 Prozent auf 2228 Punkte zu.

Der Konjunkturbericht der amerikanischen Notenbank Fed ließ die Anleger letztlich kalt. Der Eindruck der Gesamtwirtschaft entscheide letztlich über die Kurse, sagte ein Händler. „Ich glaube, wir werden nun einige Anzeichen dafür sehen, dass sich die Wirtschaft auf eine langsame Wachstumsrate einspielen wird“, sagte Peter Cardillo, Chef-Marktanalyst von Avalon Partners in New York. „Zusammen mit Zinsen auf dem derzeit niedrigen Niveau ist das positiv für den Aktienmarkt.“ David Chalupnik von FAF Advisors sagte, die im Ausverkauf des Vortages gebeutelten Papiere seien gefragt. So legten die Aktien der Großbank JP Morgan Chase 2,2 Prozent zu.

In New York gehandelte Aktien des britischen Ölriesen BP erhöhten sich um 3,2 Prozent. Das Unternehmen hatte in einem internen Bericht Partnern wie Transocean und Halliburton gravierende Mitschuld an der Bohrinsel-Explosion gegeben. Transocean und Halliburton lagen ebenfalls im Plus.
Gefragt waren auch die Anteilsscheine der Einzelhändler Staples und Costco, die beide von einer Heraufstufung durch Goldman Sachs profitierten. Staples-Aktien legten knapp ein, Costco-Papiere rund ein Prozent zu.

Amerikanische Anleihen im späten Geschäft schwächer

Nach der Vortagesrally haben die Notierungen der amerikanischen Staatsanleihen am Mittwochabend im späten New Yorker Geschäft einen Teil ihrer Gewinne wieder abgegeben und schwächer tendiert. Daran vermochte auch eine erfolgreich verlaufene Auktion neuer amerikanischen Schuldtitel nichts zu ändern. Zehnjährige Staatsanleihen mit einem Kupon von 2,625 Prozent fielen um 16/32 auf 99-25/32 und rentierten mit 2,65 Prozent. Der mit 3,875 Prozent verzinste Longbond gab 1-6/32 auf 102-20/32 nach, seine Rendite stieg damit auf 3,73 Prozent.

Händler sprachen von einem Überangebot oder einer wahren Flut an Neuemissionen, die am Markt untergebracht wurden. Neben der Versteigerung von amerikanischen Notes im Volumen von 21 Milliarden Dollar nahmen auch zahlreiche Unternehmen den Kapitalmarkt in Anspruch. In zwei aufeinander folgenden Sitzungen überstieg der Umfang von neuen Papieren mit guter Bonität die Marke von 30 Milliarden Dollar. Im September könnten damit Unternehmensanleihen im Volumen von 75 Milliarden bis 100 Milliarden begeben werden.

Bei der Versteigerung neuer Schuldtitel mit einer Laufzeit von zehn Jahren durch das amerikanische Schatzamt fiel die Rendite auf den niedrigsten Stand seit Januar 2009. Die Höchstrendite erreichte 2,670 Prozent nach zuletzt 2,730 Prozent. Die Zeichnungsquote (Bid-to-Cover-Ratio) stellte sich auf 3,21 (3,04).

Insgesamt gehe die Nachfrage nach vermeintlich sicheren Anlagen etwas zurück. Eine erfolgreich verlaufene Versteigerung portugiesischer Staatsanleihen habe beruhigend auf die Märkte gewirkt, hieß es. Damit ließen die Sorgen über das Bankensystem und die Staatsverschuldung in der Euro-Zone etwas nach. „Es gibt keine neuen Schreckensmeldungen aus Europa, daher konzentrieren sich Anleger auf die amerikanischen Auktionen und die heimischen Schlagzeilen“, fasste Rentenstratege Thomas Roth von Mitsubishi UFJ Securities in New York die Stimmungslage zusammen.

Quellen: FAZ.NET, dpa-AFX, Reuters, dpa, AP, AFP, Dow Jones, Bloomberg, F.A.Z.

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