08.02.2010 · Dank positiver Impulse von der Wall Street hat der deutsche Aktienmarkt seine jüngste Talfahrt zum Wochenstart nicht fortgesetzt. Zudem lasse der „Super Bowl Indikator“ steigende Kurse an den amerikanischen Börsen erwarten.
Dank positiver Impulse von der Wall Street hat der deutsche Aktienmarkt seine jüngste Talfahrt zum Wochenstart nicht fortgesetzt. Der Dax steigt am Montag im frühen Handel um 1 Prozent auf 5489 Punkte. Drei tiefrote Tage in Folge hatten den deutschen Leitindex zuletzt knapp fünf Prozent seines Wertes gekostet. Der MDax steht 0,9 Prozent höher bei 7308 Zählern, der TecDax gewinnt 1 Prozent auf 784Punkte.
Börsianern gibt vor allem der Verlauf der amerikanischen Börsen am Freitag Hoffnung auf eine Stabilisierung. Dort hatte der Dow Jones den Kampf um die 10.000-Punkte-Marke mit einem Schlussspurt knapp gewonnen. Auch von eher ungewohnter Seite kommen positive Impulse: So haben in den Vereinigten Staaten überraschend die New Orleans Saints den Super Bowl gewonnen. Mit der Meisterschaft des Teams aus der National Football Conference (NFC) lässt der unter einigen Börsianern beachtete „Super Bowl Indikator“ jetzt steigende Kurse an den amerikanischen Börsen erwarten.
Die Sorgen um die Schuldenprobleme einiger Länder der Eurozone und der in der Folge schwache Euro dürften aber weiter für Störfeuer sorgen. Am Morgen stabilisierte sich die Gemeinschaftswährung aber.
Auf Unternehmensseite sorgte SAP für einen Paukenschlag: Europas größter Softwarehersteller kommt nicht zur Ruhe und baut nach mehrfachen Vorstandswechseln in kurzer Folge abermals radikal um. Statt des Vorstandssprechers Léo Apotheker, der am Sonntagabend überraschend zurücktrat, wird nun wieder eine Doppelspitze installiert. Die Aktie büßte als einer von drei Verlierern im Leitindex 0,6 Prozent ein auf 33,175 Euro. Laut Heino Ruland, Marktstratege bei Ruland Research, dürfte der plötzliche Rücktritt mit der schleppenden Geschäftsentwicklung einiger Bereiche zu tun haben. Sarah Friar, Analystin bei Goldman Sachs, erwartet vom neuen Management eine stärkere Fokussierung auf das Wachstum des Unternehmens.
Daimler-Aktien klettern dagegen nach einer Personalie um 2,07 Prozent auf 32,990 Euro. Mercedes-Vize Rainer Schmückle verlässt nach dpa-Informationen den Stuttgarter Autobauer und wird vom bisherigen Chef der Transportersparte, Wolfgang Bernhard, als neuer Verantwortlicher für die Produktion und den Einkauf der Pkw-Sparte Mercedes Cars abgelöst. Dieser Vorschlag von Aufsichtsratschef Manfred Bischoff muss noch im Kontrollgremium genehmigt werden. Börsianer begründeten das Plus mit dem guten Ruf Bernhards am Kapitalmarkt.
Im MDax gehören Klöckner & Co (KlöCo) mit plus 1,7 Prozent auf 16,66 Euro zu den Favoriten. Europas größter Stahlhändler will in der anstehenden Branchenkonsolidierung eine führende Rolle übernehmen und insbesondere im amerikanischen Markt durch Zukäufe stark wachsen. Jenoptik legen im TecDax nach „gemischten“ Zahlen 1,4 Prozent zu auf 4,41 Euro.
Rentenmarkt etwas leichter
Der deutsche Rentenmarkt zeigt sich am Montag etwas leichter. Der richtungweisende Terminkontrakt auf die zehnjährige Bundesanleihe, der Bund-Future, verliert 4 Basispunkte auf 124,16 Prozent, der kürzer laufende Bobl-Future verliert 5 Basispunkte auf 119,61 Prozent.
Experten rechnen auch im weiteren Verlauf nicht mit größeren Kursbewegungen. „Datenveröffentlichungen stehen ebenso wenig auf der Agenda wie Redetermine von Notenbankern“, heißt es im Morgenkommentar der HSH Nordbank. Hauptthema dürften abermals die haushaltspolitischen Probleme im Euroraum sein. Den Bund-Future sieht die Landesbank in einer Spanne von 123,78 bis 124,71 Punkten.
Euro zeigt sich zu Wochenbeginn weiter schwach
Weiter schwach zeigt sich der Euro am Montagmorgen. Zum Dollar notiert die Gemeinschaftswährung zu Beginn des europäisch geprägten Devisenhandels unterhalb des Niveaus, zu dem sie am Freitagabend in New York den Besitzer wechselte. Verglichen mit den Wechselkursen im späten europäischen Geschäft zu Wochenausklang gibt sie allerdings keinen weiteren Boden preis. Zum Yen geht es allerdings weiter nach unten.
„Angst essen Euro auf“, sagt Ralf Umlauf von der Landesbank Hessen-Thüringen mit Blick auf die anhaltenden Sorgen über die Haushaltsprobleme von Griechenland und Portugal und die damit verbundene Furcht vor einem Auseinanderbrechen der Währungsunion.
Ohne Auswirkungen ist das Treffen der G7-Finanzminister am Wochenende in der kanadischen Inuit-Siedlung Iqaluit geblieben. „Zu den Wechselkursen hat es nichts Neues gegeben, selbst ein Kommunique ist nicht verabschiedet worden“, sagt ein Devisenhändler. Unter dem Strich habe das Treffen keinen wirklichen Fortschritt gebracht, zumindest sei jedoch auch kein weiterer Schaden angerichtet worden.
Wichtige Konjunkturdaten stehen am Montag nicht auf der Agenda. Am Abend treffen sich allerdings eine Reihe hochkarätiger Notenbanker in Sydney anlässlich des 50-jährigen Bestehens der Reserve Bank of Australia.
Charttechnisch hat der Euro nach Einschätzung der Landesbank Hessen-Thüringen derzeit freilich die Chance auf eine Gegenbewegung zum Dollar. Widerstände lägen dann bei 1,3750 Dollar, 1,3833 Dollar und 1,3900 Dollar. Unterstützungen macht das Haus bei 1,3582 Dollar und 1,3493 Dollar aus.
Nikkei sinkt auf Zweimonatstief
Sorgen um die Staatsfinanzen in Europa und ein starker Yen haben den japanischen Aktienmarkt am Montag unter Druck gesetzt. Der Nikkei-225-Index gab um 1,05 Prozent auf 9.951,82 Punkte nach und schloss damit auf dem niedrigsten Stand seit zwei Monaten. Der breiter gefasste Topix verlor 0,98 Prozent auf 883,01 Zähler.
„Es ist schwierig zu beurteilen, ob die Abwärtskorrektur an den globalen Aktienmärkte schon vorbei ist oder nicht“, sagte Takashi Ushio, Investmentstratege bei Marusan Securities. „Für den Nikkei ist die 200-Tage-Linie bei rund 9.940 Punkten entscheidend.“
Vor allem Exportwerte litten unter der starken Landeswährung. Sony verloren 3,6 Prozent auf 2.973 Yen und Honda verbilligten sich um 2,1 Prozent auf 3.035 Yen. Für Toyota-Aktien ging es um 1,1 Prozent auf 3.280 Yen bergab, nachdem sich der Präsident des Unternehmens am Freitag für die Sicherheitsprobleme des Autobauers entschuldigt hatte.
Aktienkurse in China im Verlauf etwas leichter
Erneut mit Abgaben zeigen sich am Montag im Verlauf die Kurse an den Börsen in China. Die europäische Schuldenkrise sorge weiterhin für Verunsicherung, heißt es aus dem Handel. Der Shanghai Composite Index gibt um 0,4 Prozent auf 2.939 Punkte nach. In Hongkong reduziert sich der Hang-Seng-Index (HSI) bis zum Ende der ersten Sitzungshälfte um 0,2 Prozent auf 19.624 Punkte. Der Index setzt damit die Abwärtstendenz der vergangenen beiden Sitzungen fort. Die Investoren würden sich im Vorfeld der chinesischen Feiertage deutlich zurückhalten.
Die Sorgen in Bezug auf die Schuldenkrise in Europa würden die Bedenken hinsichtlich weiterer geldpolitischer Maßnahmen in China derzeit stark in den Hintergrund drängen, so ein Teilnehmer. In den kommenden Handelstagen wird mit einem Test der Unterstützung bei 2.900 Punkten gerechnet. „Kurzfristig dürften die Kurse weiter unter Druck bleiben“, so ein Beobachter.
Neuigkeiten und Kursbewegungen nach Börsenschluss an der Wall Street
Die amerikanischen Aktien tendierten am Freitag nachbörslich fester. Der Nasdaq-After-Hours-Index gewann 0,15 Prozent auf 1748,75 Zähler.
Mit einem leichten Aufschlag zeigten sich die Aktien von Broadcom. Die amerikanische Börsenaufsicht Securities und Exchange Commission (SEC) hat mitgeteilt, nicht gegen vier Manager des Unternehmens wegen Optionsgeschäften zu ermitteln. Die Aktien legten um 0,3 Prozent auf 29.48 Dollar zu.
Dagegen zeigten sich Xerox mit einem leichten Minus. Die Aktie fiel um 0,9 Prozent auf 8,39 Dollar. Die Aktionäre von Xerox haben einer Übernahme von Affiliated Computer Services zugestimmt. Das Unternehmen will die Übernahme nun schnellstmöglich abschließen. Affiliated Computer Services legten um 0,5 Prozent auf 59,91 Dollar zu.
Wall Street in Turbulenzen
Der Wall Street stehen in der kommenden Woche weitere Turbulenzen bevor: Anleger beobachten die Konjunktur voller Sorge und fürchten die ausufernden Staatsdefizite in Europa. Das Vertrauen in die Stabilität der Eurozone lässt angesichts der Schuldenkrisen in Griechenland, Portugal und Spanien nach. Auch belastet die ungeklärte Zukunft der Gesundheits- und Finanzreform in den Vereinigten Staaten. Die Erholung der größten Volkswirtschaft droht unter der Last eines Rekorddefizits und der hohen Arbeitslosigkeit nicht richtig in Schwung zu kommen.
Viele Analysten rechnen nach der Rally der vergangenen Monate ohnehin mit einem Abwärtstrend. „Die Stimmung ist auf kurze Sicht negativ“, sagt Eric Kuby von NorthStar Investment. Der Enthusiasmus klinge ab und es sei schwierig für den Markt, voranzukommen. An den letzten beiden Handelstagen der vergangenen Woche fiel der Leitindex Dow Jones zweimal unter die für Anleger wichtige Marke von 10.000 Punkten. Auch der S&P-Index durchbrach bei 1085 Stellen eine Schlüsselmarke und beendete die vierte Woche in Folge mit Verlusten. Börsianer schätzen, dass das Barometer bis auf 1036 Zähler fallen könnte, dies wären zehn Prozent unter dem Höchststand vom 19. Januar.
Nach den Korrekturen im Juli und Oktober 2009 hatte der Markt mit Hilfe von Schnäppchenjägern wieder auf den Aufwärtspfad zurückgefunden. Am Freitagabend gab es erste Anzeichen dafür, dass sich viele Anleger bereits wieder auf die Suche nach günstigen Werten machen, vor allem im Technologie- und Rohstoffsektor. „Wenn alles schwarz aussieht, sollte man nach Gutem Ausschau halten“, sagt Ron Florance von Wells Fargo. „Korrekturen sind wie Diäten. Sie sind niemals wirklich schön, eigentlich hasst man sie, aber am Ende des Jahres sieht man besser aus und fühlt sich gesünder. „
In der kommenden Woche legen Konzerne wie Coca-Cola, PepsiCo, Marriott und Walt Disney ihre Quartalszahlen vor und geben Aufschluss über die Ausgabenfreude der Konsumenten. Die Januar-Umsätze im Einzelhandel werden wie Daten zu den Lagerbeständen am Donnerstag erwartet. Am Mittwoch soll amerikanischen Notenbankchef Ben Bernanke vor einem Ausschuss im Repräsentantenhaus Auskunft darüber geben, wie er die umfangreichen Krisenhilfen der Fed wieder eindämmen will.
Die vergangene Woche schlossen die amerikanischen Börsen erneut mit Verlusten ab: Der S&P-500 mit minus 0,7 Prozent bei 1066 Punkten; der Dow-Jones-Index minus 0,6 Prozent bei 10.012 Punkten und die Technologiebörse Nasdaq minus 0,3 Prozent bei 2141 Stellen.
Amerikanische Anleihen setzen Rally fort
Die amerikanischen Anleihen haben am Freitag weiter von der im Zuge der Verschuldungsprobleme von Griechenland, Portugal und Spanien ausgelösten Flucht in sichere Anlagen profitiert und sich im späten New Yorker Handel fester gezeigt. Zehnjährige Staatsanleihen mit einem Kupon von 3,375 Prozent stiegen um 10/32 auf 98-14/32 und rentierten mit 3,57 Prozent. Der mit 4,375 Prozent verzinste Longbond gewann 13/32 auf 97-18/32. Seine Rendite betrug 4,52 Prozent.
Anleihehändler Thomas Roth von Mitsubishi UFJ Securities sprach von einer Flucht in Qualität. Portfoliomanager Tony Crescenzi von Pacific Investment Management Co. sagte, das überragende Thema der Woche sei der verstärkte Fokus auf Risiken bei Staatskrediten gewesen. Es blieben Fragezeichen bezüglich der Fähigkeit mancher Staaten, ihre Schuldenprobleme rasch zu bewältigen, was den Treasurys-Markt unterstützt habe.
| Name | Kurs | Prozent |
|---|---|---|
| DAX | 6.339,94 | +0,38% |
| FAZ-INDEX | 1.377,69 | −0,11% |
| TecDAX | 752,47 | +0,08% |
| MDAX | 10.196,40 | −0,34% |
| SDAX | 4.817,28 | +0,29% |
| REX | 434,70 | −0,15% |
| Eurostoxx 50 | 2.161,87 | +0,25% |
| F.A.Z. EURO | 69,61 | +0,13% |
| Dow Jones | 12.454,80 | −0,60% |
| Nasdaq 100 | 2.527,05 | −0,17% |
| S&P500 | 1.317,82 | −0,22% |
| Nikkei225 | 8.580,39 | +0,20% |
| EUR/USD | 1,2515 | −0,14% |
| Rohöl Brent Crude | 106,90 $ | +0,14% |
| Gold | 1.569,50 $ | +0,06% |
| Bund Future | 144,35 € | +0,25% |