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Blackrock-Chef Fink „Kauft endlich Aktien!“

 ·  Niemand verwaltet so viel Geld wie Larry Fink. Er findet die Euro-Krise halb so schlimm, lobt Obama über alles und rät den Anlegern, größere Risiken einzugehen.

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© Röth, Frank Der Herr des Geldes: Blackrock-Chef Larry Fink muss 3,5 Billionen Dollar anlegen

Herr Fink, Sie sind Chef des weltgrößten Vermögensverwalters Blackrock. In Amerika bezeichnet man Sie als König der Wall Street, Kritiker nennen Ihre Firma eine schwer kontrollierbare Finanzmacht. Was trifft zu?

Beides ist Unsinn. Ich bin jetzt seit 36 Jahren im Geschäft und muss sagen: Als König habe ich mich noch nie gefühlt. Wenn ich morgens aufstehe, springe ich unter die Dusche wie jeder andere auch. Danach nehme ich mir in der Regel eine Stunde Zeit, um für mich allein die Börsen zu analysieren, und wissen Sie was? Ich bin oft selbst darüber erstaunt, wie viel ich nach all den Jahren noch über die Finanzmärkte lernen kann. Wer in unserer Branche Erfolg haben will, darf nie glauben, er hätte die Märkte völlig durchschaut. Nein, Sie müssen immer auf dem Laufenden bleiben und offen für Neues. Sonst gehen Sie unter.

In der Euro-Krise dürfte Ihnen der Lernstoff nicht ausgehen: Die Europäische Zentralbank will unbegrenzt Staatsanleihen schwacher Euro-Länder kaufen.

Ich weiß, dass viele deutsche Investoren diese Käufe ablehnen - und ich kann das nachvollziehen. Deutschland hat jahrelang Entbehrungen auf sich genommen und sich daraus eine Position der Stärke erarbeitet. Natürlich fragen sich viele, warum anderen Staaten ein solch beschwerlicher Weg erspart bleiben soll. Aber bei aller Sympathie für Ihr Land muss ich sagen: Die Anleihekäufe sind notwendig. Denn der Euro darf nicht zerbrechen. Es steht einfach zu viel auf dem Spiel.

Viele Experten sagen, die Europäische Zentralbank (EZB) überschreite ihr Mandat.

Zugestanden: Das Ganze ist eine Notoperation. Aber um die kommt Europa nicht herum. Denn für mich sind die geplanten EZB-Maßnahmen ein entscheidendes Signal an Investoren in aller Welt: Hier ist eine Institution, die alles tut, um die Lage zu stabilisieren und die Anleiherenditen in Spanien und Italien zu senken. Dies schafft Vertrauen und ist langfristig der wesentlich günstigere Weg, als den Zusammenbruch der Währungsunion zu riskieren. Natürlich müssen im Gegenzug auch die Krisenstaaten liefern und die versprochenen Reformen durchsetzen.

Was macht Sie so sicher, dass dies der günstigere Weg ist? Viele Deutsche wünschen sich mittlerweile die D-Mark zurück.

In meiner Karriere habe ich eines gelernt: Abgerechnet wird immer erst am Schluss. Wissen Sie, nach der Lehman-Krise 2008 hat Blackrock im Auftrag der amerikanischen Regierung eine schwierige Aufgabe übernommen: Wir sollten die giftigen Wertpapiere in der Bilanz des verstaatlichten Versicherungsriesen AIG neu bewerten und abwickeln. Alle haben damals gedacht, dass die Verluste für den amerikanischen Steuerzahler hoch sein würden. Aber am Ende ist der Staat mit Gewinn aus der Angelegenheit herausgekommen. Das zeigt, dass die Dinge Zeit brauchen: Was kurzfristig nach einem schlechten Geschäft aussieht, kann sich langfristig lohnen. Genau aus diesem Blickwinkel sollte man die Euro-Krise betrachten. Als ein Investment, das auf kurze Sicht enorme Summen verschlingt, das sich aber auf lange Sicht auszahlen wird. Auch Deutschland braucht den Euro. Stellen Sie sich einmal vor, Ihr Land würde die D-Mark wieder einführen. Die neue Währung würde gewaltig aufwerten, im Gegenzug gingen Wettbewerbsfähigkeit und Jobs verloren. Das ist keine Option.

Trotzdem sind viele Anleger skeptisch und bleiben dem Aktienmarkt fern. Ist das die richtige Strategie?

Nein, ich halte das für einen großen Fehler. Sie können in Zeiten wie diesen nicht einfach auf Bares oder Zinspapiere setzen. Anleger müssen endlich wieder richtig investieren. Überlegen Sie doch mal: Sichere Anleihen aus den Vereinigten Staaten und aus Deutschland werfen nur noch Zinsen ab, die bei kaum mehr als einem Prozent liegen. Wie wollen Sie mit solchen Mini-Erträgen für die eigene Zukunft vorsorgen? Darum sage ich: Kauft Aktien - vor allem mehr hochwertige Dividendenpapiere. Und bitte nicht zu knapp: Man sollte ordentlich in Aktien investieren.

Meinen Sie das ernst? Die Aktienkurse schwanken wie nie, und Sie sagen: Augen zu und durch.

Es kann doch nicht sein, dass sich Investoren von Kursschwankungen derart verunsichern lassen. Wo eine Aktie gerade notiert, ist doch eine reine Momentaufnahme. Wer investiert, um sein Vermögen für die nächsten 30 Jahre zu erhalten, darf sich um die Kurse von heute nun wirklich nicht scheren. Schließlich ist der Anlagehorizont ein ganz anderer. Und es sind beileibe nicht nur die jungen Leute, die langfristig denken sollten: Denn die Menschen leben immer länger, selbst die meisten 55-Jährigen haben heute glücklicherweise noch mindestens 30 Lebensjahre vor sich. Ohne Aktien, da bin ich sicher, wird es ihnen im Alter an Einkommen fehlen.

Aber nicht jeder Aktienkauf lohnt sich. Selbst auf Sicht von zehn Jahren ließ sich mit manchen Dax-Werten kein Geld verdienen.

Klar, der Einwand kommt immer. Aber es gibt Aktienunternehmen, deren Kauf sich mit Sicherheit auszahlt: In Deutschland habe ich besonders eine Lieblingsaktie - Siemens. Natürlich gibt es auch da Kursschwankungen, aber auf lange Sicht finden Sie kaum ein besseres Investment. Denn Siemens ist ein internationaler Konzern, er ist nicht nur in Europa und in Amerika aktiv, sondern auch in den Schwellenländern. Und schauen Sie auf die Dividende: Sie übertrifft die Rendite von Siemens-Anleihen bei weitem.

Allein mit Siemens werden Anleger nicht über die Runden kommen.

Natürlich nicht. Die Kriterien treffen genauso gut auf eine Firma wie den Schweizer Lebensmittelkonzern Nestlé und auf viele andere multinationale Unternehmen zu. Für Aktien spricht zudem: Nie waren die Papiere in Europa und Amerika günstiger bewertet.

Welche Titel gefallen Ihnen derzeit in Amerika besonders gut?

Ich mag Agrarfirmen wie Dupont, weil sie von einem wirklich langfristigen Trend profitieren: Immer mehr Menschen steigen in die Mittelklasse auf und verändern ihre Lebensgewohnheiten. Sie wollen mehr und besser essen, wofür wiederum mehr Ackerland und Biotechnologie notwendig sind - für mich das Investmentthema der Zukunft. Die Dupont-Aktie habe ich sogar in meinem privaten Depot.

Sie machen sich sehr für die Wiederwahl von Barack Obama stark. Dabei will er die Steuern für Reiche erhöhen. Keine gute Nachricht für Ihr privates Depot.

Naja, so würde ich das nicht sagen. Ich bin ein großer Fan Obamas, und höhere Steuersätze finde ich absolut richtig.

Trotzdem geht es Amerika nicht gut: Die Wirtschaft lahmt, die Arbeitslosigkeit ist hoch.

Zugegeben: Das Haushaltsdefizit ist hoch, genau wie die Schuldenlast - daran muss die nächste Regierung arbeiten. Trotzdem ist die Lage viel besser als in Europa. Denn zum einen sind die Vereinigten Staaten bei der Lösung ihrer Bankenkrise viel aggressiver vorgegangen. Schon 2009 gab es einen großen Stresstest, heute sind die Institute darum in einem besseren Zustand als Europas Banken. Zum anderen zeigt der amerikanische Häusermarkt deutliche Zeichen der Erholung: Bereits 2014 wird es in Amerika wieder an Immobilien mangeln, die Einwanderung steigt, jedes Jahr brauchen wir bis zu zwei Millionen neue Häuser. Ausgerechnet der Markt, der 2007 die Krise mit auslöste, macht also jetzt Hoffnung für die Konjunktur.

Banken und Hausbau - das allein reicht nicht für einen neuen Wirtschaftsaufschwung.

Vergessen Sie nicht, dass es noch einen weiteren wichtigen Faktor gibt: Amerika ist jetzt schon der drittgrößte Ölproduzent der Welt. Durch neue Abbaumethoden wie Fracking können wir noch viel mehr Öl fördern als bisher und werden so zum größten internationalen Ölexporteur aufsteigen. So schlecht sind die Aussichten also nicht.

Ihr Vater war Schuhverkäufer. Konnten Sie von ihm etwas für das Finanzgeschäft lernen?

Von ihm habe ich alles gelernt. Schon als Zehnjähriger habe ich im Laden ausgeholfen und Schuhe verkauft. Dabei kommt es letztlich auf dieselben Dinge an wie bei der Vermögensverwaltung: Sie müssen Ihren Kunden zuhören, herausfinden, was sie wollen. Und dann das richtige Produkt für sie auswählen. So gesehen gibt es zwischen guten Schuhen und guten Aktien eigentlich keinen Unterschied.

Das Gespräch führten Dennis Kremer und Georg Meck.

Der König der Wall Street

Auf der Forbes-Liste der mächtigsten Menschen der Welt steht er auf Platz 52, doch nur die wenigsten würden ihn erkennen: Larry Fink, Jahrgang 1952, agiert im Hintergrund, gilt aber wegen seiner exzellenten Kontakte zur Politik als heimlicher König der Wall Street. Fink ist Chef von Blackrock, mit verwalteten Geldern in Höhe von 3,5 Billionen Dollar der größte Vermögensmanager der Welt. Das Unternehmen ist an allen Dax-Konzernen beteiligt. Die Blackrock-Tochtergesellschaft iShares ist der weltweit größte Anbieter börsengehandelter Indexfonds.

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