http://www.faz.net/-gv6-9bkso

Bank der Zentralbanken : „Eine heikle Gratwanderung“

Das Gebäude der Bank für Internationalen Zahlungsausgleich in Basel Bild: Reuters

Die Bank für Internationalen Zahlungsausgleich in Basel verwaltet die Devisenreserven der Welt. Ihr Chef warnt nun: Es gebe zahlreichen Risiken für die Weltwirtschaft.

          Die Bank für Internationalen Zahlungsausgleich (BIZ) – die „Bank der Zentralbanken“ – ruft die Notenbanken der Welt dazu auf, ihre Geldpolitik weiter zu normalisieren. Das sei notwendig, um auf einen Konjunkturabschwung reagieren zu können. In dem am Sonntag veröffentlichten Jahresbericht der in Basel ansässigen Bank appellierte BIZ-Generaldirektor Agustin Carstens an die Notenbanken, die derzeit günstigen Bedingungen für die Bekämpfung von Schwachstellen zu nutzen.

          Markus Frühauf

          Redakteur in der Wirtschaft.

          „Der Wirtschaftsaufschwung ist die Gelegenheit, um nötige Reformen durchzuführen und wirtschaftspolitische Maßnahmen neu auszurichten“, sagte der Mexikaner am Sonntag auf der Generalversammlung. „Wir sollten diese Gelegenheit auf keinen Fall verpassen.“ Die BIZ sieht die Notenbanken, deren Devisenreserven sie verwaltet und für die sie auch als wirtschaftswissenschaftliche Denkfabrik dient, vor einer „heiklen Gratwanderung“.

          Was denkt der Chefökonom der BIZ über die geldpolitische Lage der Welt? Lesen Sie hier mit FAZ plus das exklusive Interview mit Hyun Song Shin.

          Nach Ansicht Carstens' ist die Fortsetzung der geldpolitischen Normalisierung unabdingbar. Die amerikanische Notenbank Federal Reserve hat schon mit Zinserhöhungen und dem Abbau der durch den Kauf von Staats- und Hypothekenanleihen aufgeblähten Bilanz begonnen. Die Europäische Zentralbank (EZB) beabsichtigt, ihre Anleihekäufe Ende des Jahres einzustellen, erwartet aber eine Zinserhöhung nicht vor dem Sommer 2019.

          „Langsam entstehende Bedrohungen“

          Für Generaldirektor Carstens ist die Normalisierung der Geldpolitik in den fortgeschrittenen Volkswirtschaften unabdingbar, um Handlungsspielraum zurückzugewinnen. „Ziel sollte dabei sein, die Anfälligkeit gegenüber langsam entstehenden Bedrohungen zu verringern.“ Auf einen sich abzeichnenden Inflationsanstieg solle reagiert werden, aber eine Überreaktion müsse vermieden werden, wenn die Inflation leicht unter ihrer Zielgröße bleibe oder an den Finanzmärkten die Kurse schwankten. In den Vereinigten Staaten lag die Inflationsrate im Mai bei 2,8 Prozent und damit über die Zielrate von 2 Prozent. Das gleiche Ziel hat die EZB. Dem kam die Teuerung im Euroraum im Mai mit 1,9 Prozent sehr nahe.

          In seiner Rede vor den Vertretern der Notenbanken, die Anteilseigner der BIZ sind, sagte Carstens, die Weltwirtschaft sei durch den Aufschwung stärker geworden. Die Wachstumsraten lägen nahe der langfristigen Durchschnittswerte vor der Finanzkrise. Treibende Kraft sei der private Sektor, doch in einigen Ländern habe auch die expansive Fiskalpolitik das Wachstum gefördert.

          Carstens sieht im derzeit so günstigen Umfeld aber auch Risiken. Hier nannte er die äußerst lockeren Finanzierungsbedingungen in den vergangenen zehn Jahren seit der Finanzkrise. Er verwies auf die erheblich gestiegenen Preise für Vermögenswerte sowie die hohen Wohnimmobilienpreise in einigen Ländern. Sorge bereitet der BIZ auch die gestiegene Verschuldung privater Haushalte. Eine geringere Risikobereitschaft könnte auch die Staatsverschuldung bewirken, sollte an deren Tragfähigkeit gezweifelt werden. Hier nennt die Bank der Zentralbanken die jüngsten Verwerfungen italienischer Staatsanleihen als Beispiel.

          Schließlich hält die BIZ einen Abschwung aufgrund der Handelsstreitigkeiten für möglich. Nach den Worten von Carstens hat das offene Handelssystem den Grundstein für einen höheren Lebensstandard gelegt. Es gebe schon Hinweise darauf, dass die zunehmenden protektionistischen Tendenzen die Investitionstätigkeit gebremst hätten.

          Anmerkung der Redaktion: In einer früheren Version waren in der Grafik die Werte für Industrie- und Schwellenländer vertauscht. Wir bitten, den Fehler zu entschuldigen.

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Wartet auf eine Eingebung: Gesundheitsminister Jens Spahn

          Debatte um Migrationspakt : „Jens Spahn hat Panik“

          Abstimmung auf dem Parteitag und möglicherweise eine spätere Unterzeichnung – CDU-Vorsitz-Kandidat Jens Spahn sieht den Migrationspakt skeptisch. Führende Parteifreunde haben eine andere Meinung. Ein Politiker stimmt ihm jedoch zu.

          Tumulte in Tijuana : „Raus mit den Invasoren“

          Immer mehr Migranten strömen durch Mittelamerika Richtung Vereinigter Staaten. Doch auch in Mexiko sind viele der Flüchtlinge nicht willkommen. In der Grenzstadt Tiujanas könnten die Proteste bald eskalieren.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.