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Biotechnologie Wilex gelingt das Börsendebüt

 ·  Wilex hat als erstes größeres deutsches Biotechnologieunternehmen in diesem Jahr den Sprung an die Börse geschafft und einen akzeptablen ersten Handelstag hingelegt, im Gegensatz zum miserablen Börsengang des Konkurrenten Liponova.

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Wilex hat als erstes größeres deutsches Biotechnologieunternehmen in diesem Jahr den Sprung an die Börse geschafft und einen akzeptablen ersten Handelstag hingelegt. Damit steht Wilex im Gegensatz zu anderen kleineren Neulingen aus der Branche, die in diesem Jahr an der Börse durchfielen. Für Privatanleger sind Biotechnologieaktien auch nach dem Börsengang sehr risikoreich, weil die meisten Unternehmen noch ausschließlich forschen und keine Medikamente für Patienten zugelassen sind. Auch Wilex konnte keine Privatanleger als Aktionäre gewinnen. Gleichwohl ist es der größte Börsengang aus der Biotechnologie-Branche in Deutschland seit fünf Jahren.

Der Start an der Börse am Montag morgen war kein Selbstläufer: Der erste Wilex-Kurs betrug 13,80 Euro und war damit identisch mit dem Zuteilungspreis, der vom Konsortialführer WestLB am unteren Ende der bis 15,80 Euro reichenden Preisspanne festgelegt worden war. Im weiteren Handelsverlauf legte Wilex dann bis auf knapp 14 Euro zu. Anders als andere Kandidaten, die wegen der geringen Nachfrage zuletzt die Zahl der angebotenen Aktien und die Preisspanne hatten senken oder wie der Quarzhersteller Q-Sil den Börsengang ganz hatten abblasen müssen, hielt Wilex die Parameter konstant und nahm wie geplant 55 Millionen Euro ein.

Niedriger Umsatz am ersten Handelstag

Den Börsengang mußte Wilex-Altaktionär und SAP-Gründer Dietmar Hopp retten, der 30 Prozent der neuen Aktien kaufte. „Obwohl Wilex zu den Top-Biotechnologieunternehmen in Deutschland gehört, war es wegen der Zuteilung am unteren Ende der Preisspanne und des Eingriffs von Dietmar Hopp keine einfache Emission“, sagt Jürgen Raabe, Händler bei der Bank Closebrothers Seydler. „Der niedrige Umsatz in Wilex-Aktien am ersten Handelstag zeigt aber, daß die Aktien in festen Händen liegen.“ Die Qualität der Aktionäre, die Wilex fand, dürfte insofern gut und der Abgabedruck auf die Aktien in den nächsten Tagen nicht allzu groß werden.

Dies war bei der Emission von Liponova Ende Oktober offensichtlich anders. Zu 30 Euro wurden die neuen Aktien ausgegeben, am ersten Handelstag rutschte der Kurs auf 23 Euro ab. 7 Millionen Euro mußte das Biotechnologieunternehmen Liponova einnehmen, um weitere Studien in Auftrag geben zu können und die nächsten drei Quartale zahlungsfähig zu bleiben. Dies gelang mit dem Börsengang, indem das Aktienangebot wegen der geringen Nachfrage um ein Drittel gekürzt wurde, die Emission von der VEM Aktienbank jedoch nicht ganz am unteren Ende der von 29 bis 33 Euro reichenden Preisspanne zugeteilt wurde.

Investoren für neue Fonds schwer zu finden

Zudem verzichtete der Konsortialführer auf eine Aktienreserve (Greenshoe), die die Altgesellschafter um die Beteiligungsgesellschaft KST mit deren Vorstand und ehemaligen Fondsmanager Kurt Ochner bereitgestellt hatten. „Die Kursentwicklung ist sehr unerfreulich. Wir haben aber keine handwerklichen Fehler begangen“, weist Andreas Beyer, Vorstand von VEM, Vorwürfe zurück. Trotz des miserablen Börsendebüts lehnte sich Liponova-Vorstandschefin Claudia Ulbrich anschließend weit aus dem Fenster. „Um die Kapitalmarktperspektiven von Liponova ist mir nicht bange“, schrieb sie an „Freunde und Wegbegleiter“ mit Blick auf die hohe Bewertung von Konkurrent Wilex. Liponova werde hoffentlich bald erfolgreich Gespräche mit großen internationalen Pharmaunternehmen über eine Partnerschaft abschließen. Die Anleger sind offenbar skeptisch. Der Liponova-Kurs liegt derzeit unter 20 Euro. Anleger haben somit seit dem Börsengang mehr als 30 Prozent verloren.

Doch nicht nur Aktienanleger, auch Wagniskapitalgeber meiden zunehmend die risikoreiche Biotechnologie-Branche. Nach einer Studie der Unternehmensberatung Ernst & Young haben Wagniskapitalfonds im ersten Halbjahr in Deutschland insgesamt 10 Prozent weniger investiert. Die Biotechbranche war hiervon am stärksten betroffen: Lediglich 89 Millionen Euro haben die Fondsgesellschaften in Biotech- und Pharmaunternehmen gesteckt. Ein Jahr zuvor hatten diese Kapitalgeber den jungen Unternehmen noch 141 Millionen Euro zur Verfügung gestellt. Abgesehen von wenigen großen Wagniskapitalgebern gelingt es den deutschen Risikokapitalgebern nach den Worten von Uwe Fleischhauer, Partner von FHP Private Equity Consultants, derzeit nur mit großer Mühe, Investoren für neue Fonds zu finden. Auch staatliche Investoren „konnten bisher keinen signifikanten Impuls für die Auflegung neuer Fonds leisten“.

Quelle: ham. / da. / F.A.Z., 14.11.2006, Nr. 265 / Seite 21
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