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Biotechnologie Patente entscheiden über Aktienkurse

Von Christian Garbe, Biotech-Analyst bei der GZ-Bank
08.02.2001
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Patente sind in der Biotechnologie und der Pharmaindustrie der Grundstein für einen kommerziellen Erfolg. Patente sichern die innovativen Leistungen eines Unternehmens schon zu einem Zeitpunkt ab, in dem noch viele Jahre bis zur Produkteinführung vergehen. Jedoch ist die Bewertung von Patenten für Analysten eine schwierige Aufgabe: Patente beschreiben schließlich die Einzigartigkeit eines Produktes und sind daher untereinander kaum vergleichbar.

Die alleinige Anzahl der Patente sagt noch nichts über die Zukunftsperspektiven eines Unternehmens aus. Analysten müssen vielmehr klären, was für ein Wert auf dem Markt für das gesicherte Wissen erzielt werden kann. Unter den Biotechnologie- und Pharmaunternehmen nimmt die Zahl der Patentstreitigkeiten immer mehr zu. Die Ausgaben für Patentanwälte in den Unternehmen steigen stetig und verdeutlichen, welche kommerzielle Bedeutung hinter den Patenten für Wirkstoffe oder Technologieplattformen stehen kann.

Human Genome Projekt stößt Patentierungsfrage an

Neuen Auftrieb hat die Diskussion über Patente im Bereich der Bio- und Gentechnologie im vergangenen Jahr durch die Entschlüsselung des Human Genome erhalten. Hinter vorgehaltener Hand diskutierten Experten bereits lange: Welche Validität besitzen Patente auf Gene. Denn ein Patent auf ein Gen beschreibt letztlich einen biologischen Prozess, der in der Natur existent ist. Allgemein gilt aber, dass Gene und Gensequenzen nicht patentierbar sind, solange sie in der Natur vorkommen.

Patentvoraussetzungen steigen

Die amerikanische Patentbehörde hat jedoch seit den frühen 80er Jahren Patente auf Gene wie Interleukin und Interferon mit der Begründung gegeben, dass die alleinige Sequenz offensichtlich nicht in der Natur vorkommt. Im vergangenen Jahr haben die Wächter über die amerikanischen Patente eingeräumt, dass nur dann ein Gen patentiert werden kann, wenn die Funktion oder der Nutzen substanziell, spezifisch und nachvollziehbar ist. Diese Voraussetzungen müssen die Biotechs nun erst einmal nachweisen.

Problematisch ist auch, dass das automatisierte Sequenzieren von Genen nicht die Leistung von Menschen, sondern von Maschinen ist. Somit fällt die Zuordnung der innovativen Leistung schwer. Auch kann der automatisierte Sequenzierungsprozess fehlerhaft sein, so dass ein Unternehmen möglicherweise ein Patent auf ein falsch definiertes Gen erhält. Ungewiss ist zudem die Patentierung von einzelnen Genschnipseln, die aber nur ein Teil der gesamten Gensequenz sind. Zur Zeit prüft die amerikanische Behörde über drei Millionen Patente auf Genschnipsel (Expressed Sequence Tag, EST).

Business-Modelle auf wackeligen Beinen

Einige Biotechnologieunternehmen im Bereich der Diagnostika- und Medikamentenentwicklung bauen auf den EST's ihre Businessmodelle auf und gehen von einer Exklusivität der patentierten Gene aus, die sie dann später kommerziell nutzen können. Sollte die Rechtslage gegen diese Patentierung sprechen, so verlieren die Unternehmen ihre Geschäftsgrundlage. Die Exklusivität eines Genschnipsels kann in der Forschung aber auch negative Folgen haben, indem andere Unternehmen und Institute an diesem Gen nicht forschen dürfen. Ein Beispiel hierfür ist Myriad Genetics, die Patente auf die möglichen Gene für Brustkrebs (BRCA1 und BRCA2) besitzen und diese nicht auslizensieren.

Genpatente als Schlüssel für Aktienkurse

Für die Biotechnologieunternehmen ist es notwendig, ein kommerzielles Monopol auf die von ihnen sequenzierten Genen zu bekommen, um die hohen Kosten der Produktentwicklung wieder einspielen zu können. Es ist aber fraglich, ob die Regeln der Patentierung von chemischen Substanzen /Wirkstoffen auf die Biotechnologie übertragen werden können. Die Unsicherheit in der Patentfrage hat auch Auswirkungen auf den Kapitalmarkt. Viele Biotechs haben eine Bewertung erreicht, die voraussetzt, dass sie ein lukratives Geschäft aus ihren patentierten Informationen (Genen, Gendatenbanken) machen können. Human Genome Science hat im vergangenen Februar ein US-Patent für ein Gen erhalten, welches das HIV-Virus zu seiner Vervielfältigung in menschlichen Zellen benötigt. Der Aktienkurs sprang innerhalb von zwei Tagen um 41 Prozent. In der Zukunft werden daher häufiger als bisher Aktienkurse der Biotechunternehmen aus den Patentämtern und den Gerichtssälen beeinflußt werden.

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