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Beteiligungsgesellschaften Ungezügelter Appetit

02.04.2007 ·  Angloamerikanische Beteiligungsgesellschaften haben im ersten Quartal dieses Jahres mehr Geld für Übernahmen ausgegeben als jemals zuvor. Mittlerweile sind sie für gut 17 Prozent des Übernahmemarktes verantwortlich.

Von Daniel Schäfer
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Angloamerikanische Beteiligungsgesellschaften haben im ersten Quartal dieses Jahres mehr Geld für Übernahmen ausgegeben als jemals zuvor. Nach Daten des Analysehauses Thomson Financial haben die Finanzinvestoren bis Ende März weltweit rund 192 Milliarden Dollar für Firmenkäufe bezahlt, was im Vergleich zum Vorjahreszeitraum ein Zuwachs um fast die Hälfte ist.

„Die Bedeutung der Beteiligungsgesellschaften im Markt für Fusionen und Übernahmen hat stetig zugenommen und wird auch in diesem Jahr weiter steigen“, sagt Rainer Ender von der Schweizer Dachfondsgesellschaft Adveq. Beteiligungsfonds sind mittlerweile für gut 17 Prozent des Übernahmemarktes verantwortlich.

„Ramsch“-Status der Unternehmenskredite

Der am Montag angekündigte Großerwerb des amerikanischen Finanzdienstleisters First Data ist in diesen Zahlen noch nicht einmal enthalten. Angeheizt wird der beispiellose Übernahmeboom durch zwei Antriebskräfte: der florierende Fremdkapitalmarkt und das zunehmende Interesse institutioneller Investoren an Beteiligungsfonds.

Der erste Treiber wird durch die immer noch niedrigen Zinsen begünstigt. Beteiligungsgesellschaften, auch Private-Equity-Fonds genannt, finanzieren die Unternehmenskäufe meist zu mehr als zwei Dritteln mit Schulden. Diese Kredite („Leveraged Loans“) werden hernach den Unternehmen aufgelastet.

Zu den niedrigen Zinsen kommen neue Techniken in der Kreditvergabe. So nehmen die Banken die Darlehen nur noch kurzzeitig auf die eigenen Bücher und reichen sie rasch an andere Banken und Investoren weiter. Der Hauptabnehmer dieser Darlehen sind Hedge-Fonds. Diese weitgehend unregulierten Investoren halten nach Daten von Standard & Poor's (S&P) LCD mittlerweile in Amerika zwei Drittel der Unternehmenskredite mit „Ramsch“-Status, also mit einer hohen Ausfallwahrscheinlichkeit.

„Anleger wissen nicht mehr, was ein Ausfall ist“

Der hohe Risikoappetit dieser Investoren drückt auch die Fremdfinanzierungskosten. Der Gründer des amerikanischen Beteiligungsfonds Texas Pacific Group (TPG), David Bonderman, gab kürzlich auf einer Konferenz in Frankfurt ein Beispiel dafür: Der legendäre Kauf des Nahrungsmittel- und Tabakkonzerns RJR Nabisco für 31,3 Milliarden Dollar habe die Beteiligungsgesellschaft KKR vor 18 Jahren noch 14 Prozent Zinsen gekostet.

Für die Übernahme der Krankenhauskette HCA für eine ähnliche Summe habe KKR dagegen nur eine Zinslast von 8,5 Prozent. Die Investoren lassen sich vor allem von den historisch niedrigen Ausfallraten für derartige Kredite locken. „Die Anleger wissen schon gar nicht mehr, was ein Ausfall ist. Und sie vergessen daher zunehmend, sich das Ausfallrisiko bezahlen zu lassen“, mahnte jüngst Howard Marks, Chairman des auf notleidende Schulden spezialisierten Investors Oaktree Capital Management.

Jedoch trauen die Anleger den Beteiligungsfonds mitunter ein besseres Management der Unternehmen zu als börsennotierten Konzernen. „Mit einem Namen wie KKR hat man einen genauso guten oder sogar besseren Zugang zum Fremdkapitalmarkt als manches börsennotierte Unternehmen“, sagt Ender.

„Das Platzen der Kreditblase wird sich verzögern“

Eine weitere Triebfeder für die Übernahmen sind die stetig steigenden Fondsgrößen. Gesellschaften wie Blackstone, KKR, Goldman Sachs und TPG haben mittlerweile Fonds im Volumen von mehr als 15 Milliarden Dollar aufgebaut oder in der Planung. Nach Zahlen des Forschungsinstituts Private Equity Intelligence haben die auf Unternehmenskäufe spezialisierten Beteiligungsgesellschaften im vergangenen Jahr 212 Milliarden Dollar eingesammelt.

Fast die Hälfte davon geht auf das Konto der zehn größten Private-Equity-Gesellschaften. Mit der zunehmenden Größe wandeln sich die Finanzinvestoren nach Ansicht von Beobachtern von inhabergeführten, auf wenige Gründerpersonen fixierten Partnerschaften zu Konzernen, die mehr einer Investmentbank oder einem Konglomerat ähneln als einer Fondsgesellschaft. Die Beteiligungsgesellschaft Carlyle etwa ist derart verzweigt, dass sie kürzlich eine Übernahme aus kartellrechtlichen Gründen absagen musste.

Fachleute rechnen damit, dass sowohl die Zahl der Übernahmen als auch deren Größe weiter zunehmen wird - solange die Konjunktur gut läuft. Was danach kommt, darüber scheiden sich die Geister. „Das Platzen der Kreditblase wird sich um einige Jahre verzögern. Aber dafür wird die Krise auch weitaus größer“, sagt Marks. „Selbst wenn es zu einzelnen Übertreibungen kommen sollte, sind keine Kettenreaktionen in Form einer Bankenkrise zu erwarten“, hält Egbert Freiherr von Cramm, Partner des Dachfonds CAM, entgegen.

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