15.12.2006 · Die großen Investmentbanken haben an den globalen Finanzmärkten in diesem Jahr Rekordumsätze erwirtschaftet. Nun erwartet die Banker ein wahrer Geldregen. Viele Häuser schütten Milliarden-Boni aus.
Soviel steht jetzt schon fest: Die großen Investmentbanken haben durch das lebhafte Fusions- und Übernahmegeschäft sowie durch das allgemein gute Klima an den globalen Finanzmärkten 2006 Rekordumsätze und -gewinne erwirtschaftet. Und da sie nach einer Faustregel 40 bis 50 Prozent ihrer Einnahmen als Einkommen an ihre Mitarbeiter ausschütten, erwartet die Investmentbanker ein wahrer Geldregen.
Nach Schätzung der Nachrichtenagentur Bloomberg werden allein die fünf größten amerikanischen Investmentbanken für 2006 an ihre insgesamt 173.000 Mitarbeiter Boni im Rekordbetrag von 36 Milliarden Dollar zahlen. Das sind 208.000 Dollar pro Kopf. Andere Häuser schütten ebenfalls Milliarden-Boni aus - und bisweilen noch höhere Pro-Kopf-Beträge: So hat jeder der 13.500 Mitarbeiter im Investmentbanking der Deutschen Bank im Jahr 2005 im Durchschnitt 415.000 Euro verdient. 2006 dürfte der Durchschnittsverdienst noch höher ausgefallen sein.
Stärkster Geldregen in London und New York
Trotz der Hochkonjunktur herrsche bei den Investmentbanken immer noch ein recht striktes Kostenbewußtsein, sagt Robert Grübner, der beim Beratungsunternehmen Boston Consulting Group für das europäische Investmentbanking zuständig ist. So seien die Umsätze der großen Banken in den ersten drei Quartalen um 27 Prozent gestiegen, die entsprechenden Boni hingegen nur um schätzungsweise 20 Prozent. „Anders als in den Hochkonjunkturjahren 1999 und 2000 schütten die Investmentbanken die Boni nicht mehr mit der Gießkanne aus“, hat auch Friedrich-Wilhelm Graf von Pfeil beobachtet, ein Partner im deutschen Büro des Personalberaters Korn/Ferry International. Vielmehr würden die Boni nun stärker als früher nach dem individuellen Ergebnisbeitrag des einzelnen Mitarbeiters differenziert.
Vor allem für die Investmentbanker auf den höheren Hierarchie-Ebenen macht der Bonus den größten Teil des Jahreseinkommens aus. Die Leistungsprämie kann dabei durchaus das Fünffache oder mehr des jährlichen Festeinkommens betragen und sich auf einen Millionenbetrag belaufen. Um die Mitarbeiter an das eigene Unternehmen zu binden, werden Boni allerdings typischerweise zu einem Drittel oder mehr in Aktienoptionen ausgezahlt, die erst nach drei oder vier Jahren ausgeübt werden können. Am stärksten wird der Geldregen in London und New York prasseln. Denn in diesen beiden globalen Finanzzentren arbeiten die Eigenhändler der Investmenbanken, die mit dem Eigenkapital der Banken auf die Jagd nach Rendite gehen dürfen. Sind sie dabei erfolgreich, werden Spitzenkräfte für ihr Geschick mit Boni in zweistelliger Millionenhöhe belohnt.
Größerer Bonus-Pool für 2006
„Trotz der rekordhohen Gesamtausschüttung wird es bei vielen Investmentbankern Enttäuschung geben“, meint Tim Zühlke von Smith & Jessen, einem Frankfurter Personalberater mit Schwerpunkt Investmentbanking und Vermögensverwaltung. Wegen des kräftigen Zuwachses bei Umsatz und Gewinn erwarteten viele Mitarbeiter einen um 30 oder 40 Prozent höheren Bonus. Doch werde es dazu wegen der stärkeren Differenzierung nach individueller Leistung oft nicht kommen. Zühlke erwartet, daß der Bonus-Pool für 2006 um rund 15 Prozent größer ausfallen wird als für 2005, als der Pool ebenfalls schon um 10 bis 15 Prozent anschwoll. Die Mehrzahl der Mitarbeiter müsse sich aber auf einen unterproportionalen Anstieg des eigenen Bonus einstellen, meint Zühlke.
Durch die stärkere Individualisierung der Boni gelinge es den Investmentbanken besser, ihre Spitzenkräfte an sich zu binden, sagt Grübner. Das habe den personellen Aderlaß von den Investmentbanken in Richtung Hedge-Fonds gemindert. Abgesehen davon fällt es den Fonds wegen des zunehmenden Konkurrenzdrucks zuletzt immer schwerer, deutlich überproportionale Renditen - und damit überproportionale Boni - zu erwirtschaften. Wechselwillige Investmentbanker erhielten heutzutage deutlich geringere Bonusgarantien als vor einigen Jahren, als die Boni gelegentlich auf zwei oder mehr Jahre hinaus garantiert wurden, berichten Branchenkenner. Dabei müssen Banken aus der zweiten Reihe neuen Mitarbeitern höhere Garantien gewähren als die Spitzeninstitute.
Neidisch auf "Mack the Knife"?
Fionn Huber (fionn)
- 16.12.2006, 11:23 Uhr
Mehr als gerechfertigt...
Pjiotr Schulz (pjiotrschulz)
- 16.12.2006, 19:22 Uhr
Ich bin neugierig, Herr Schulz: Wie kriege ich ein Bonus?
Sophia Orti (rum)
- 16.12.2006, 22:01 Uhr
Gott sei Dank ...
Frank Geiser (geiser123)
- 17.12.2006, 22:33 Uhr
| Name | Kurs | Prozent |
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| DAX | 6.339,94 | +0,38% |
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| EUR/USD | 1,2515 | −0,14% |
| Rohöl Brent Crude | 106,90 $ | +0,14% |
| Gold | 1.569,50 $ | +0,06% |
| Bund Future | 144,35 € | +0,25% |