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Bericht vom internationalen Finanzmarkt Warten auf die Entscheidungen der Notenbanken

02.09.2007 ·  Die amerikanische Notenbank hat zwar zugesagt, alles zu unternehmen, um eine Ausweitung der Immobilienkrise zu verhindern. Mit Zinsreaktionen hält sie sich aber ebenso zurück wie andere Zentralbanken. Denn die Konjunktur ist viel zu gut, um sofort an der Zinsschraube zu drehen.

Von Bettina Schulz, London
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Die Börsianer suchen derzeit mit besonderem Eifer nach Nachrichten, die die Lage an den Finanzmärkten beruhigen könnten. Geradezu mit Erleichterung haben sie am vergangenen Freitag darauf reagiert, dass sowohl der Präsident der Federal Reserve, Ben Bernanke, wie auch der amerikanische Präsident George Bush angedeutet haben, es werde alles unternommen, um eine Ausweitung der Krise am amerikanischen Immobilienmarkt auf die Realwirtschaft zu verhindern. Bush versprach, strauchelnden Hypothekeninhabern solle die Chance gegeben werden, sich abermals günstig zu refinanzieren.

Zu Beginn der Woche wurden in den Vereinigten Staaten zwar schwächere Konjunkturdaten veröffentlicht. Vor allem Berichte, nach denen die Zuversicht der Verbraucher so stark eingebrochen sei wie seit dem Jahr 2005 nicht mehr, schwächten den Markt. Am Freitag nahm der Markt jedoch die Versprechungen von Bush zum Anlass, die Woche mit deutlichen Kurssteigerungen an den Aktienmärkten ausklingen zu lassen. Der Standard & Poor's Index schloss die Woche mit einem Gewinn, nachdem er am Freitag allein um mehr als ein Prozent zulegte. Der Deutsche Aktienindex Dax legte gar um 1,7 Prozent auf einen Stand von 7638 Punkten zu. In ganz Asien und Europa stiegen die Kurse wieder.

Festes globales Wirtschaftswachstum

In der vergangenen Woche zeigte sich, dass die Finanzmärkte doch sehr unterscheiden zwischen der Krise am amerikanischen Immobilienmarkt und den Turbulenzen am Geldmarkt einerseits und der nach wie vor starken Nachfrage und dem festen globalen Wirtschaftswachstum andererseits. Dies erklärt die im Vergleich zu den Vereinigten Staaten relative Ruhe an den asiatischen und europäischen Aktienmärkten und die wieder kräftigen Kursgewinne an den Schwellenmärkten.

Diese Woche werden sich die Blicke vor allem auf die Sitzungen der Notenbanken richten. Trotz ihrer gezielten Hilfsaktionen am Geldmarkt haben die führenden Notenbanken der Welt, allen voran die Federal Reserve (Fed) in den Vereinigten Staaten, die Europäische Zentralbank (EZB) und die Bank von England, sehr deutlich signalisiert, dass für eine Reaktion an der Zinsfront eine wesentlich ernstere Situation an den Finanzmärkten eintreten müsse. Und die müsse auch deutlichere Zeichen auf eine Auswirkung auf die Realwirtschaft haben.

Schwellenländer neigen zu weiteren Zinserhöhungen

Sowohl der Chef der Fed, Ben Bernanke, wie auch Mervyn King, der Gouverneur der Bank von England, haben fast wortgleich betont: „Es ist nicht die Aufgabe der Notenbank, mit der Zins- und Geldpolitik Investoren vor den Konsequenzen ihrer früheren, unklugen Entscheidungen zu schützen.“ Erst deutlich schlechtere Konjunkturdaten würden in den Vereinigten Staaten und in Großbritannien zu einem Umdenken der Notenbanken führen.

In der Tat zeigt das Sitzungsprotokoll der Federal Reserve vom 7. August bereits eine vorsichtigere Einschätzung der Notenbank bezüglich des künftigen Verbraucherverhaltens. Aber die Finanzmärkte werden bis zum 18. September abwarten müssen, wie eine neuere, aktuelle Einschätzung der Federal Reserve ausfallen wird. Die Märkte gehen derzeit davon aus, dass die Federal Reserve die Zinsen im September um 25 Basispunkte auf dann 5 Prozent senken wird.

Bank von England kann Marktentwicklung abwarten

Anders wird die Reaktion der Zentralbanken in Europa und in den Schwellenländern ausfallen. Die Krise an den Finanzmärkten hat bisher nicht zu einer drastisch steigenden Risikoaversion der Anleger geführt und keine wirklich ernsten globalen Auswirkungen auf andere Teile des Finanzsystems gehabt. Im Gegenteil: die Märkte in Europa und Asien haben angesichts der ernsten Lage am Interbanken-Geldmarkt sehr ruhig reagiert. Die Zentralbanken in den Schwellenmärkten werden daher geneigt sein, ihre Politik der Zinserhöhungen möglicherweise fortzusetzen, zumal eine steigende Risikoaversion der Anleger zu potentiellem Kapitalabfluss, einem Druck auf ihre Währungen und damit zusätzlichen Inflationsgefahren führen könnte.

Andere Notenbanken werden abwarten: Die Bank von Japan hat ihre zuvor in Erwägung gezogene Zinserhöhung bereits verschoben. Die Notenbank in Kanada wird diese Woche ebenfalls auf eine Zinsbewegung verzichten, wie voraussichtlich auch die Bank von England. Ursprünglich hatte sie diese Woche den Basiszins anheben wollen, aber die Lohninflation hält sich in Grenzen. Die Bank von England muss jetzt nicht reagieren und kann abwarten, wie sich die Korrektur an den Märkten weiterentwickelt.

Zusage der Fed sorgte für Beruhigung

An diesem Donnerstag wird sich zudem entscheiden, wie die EZB reagieren wird, die eigentlich eine Zinserhöhung von 4 auf 4,25 Prozent signalisiert hatte. Es darf jedoch nicht vergessen werden: Noch sind die höheren Finanzierungskosten der Banken auf dem Interbankenmarkt nicht über das Finanzsystem an die Verbraucher weitergegeben worden. Dies dürfte sich in den kommenden Monaten ändern. Die um 50 Basispunkte teureren Refinanzierungskosten der Banken, so berechnet JP Morgan, kommen letztlich aber einer Situation gleich, in der die EZB die Zinsen wie geplant erhöht hätte. Diese Sichtweise würde es der EZB erlauben, möglicherweise nun doch auf einen Zinsschritt zu verzichten.

Die Finanzmärkte mögen in der ersten Panik auf Zinssenkungen der Notenbanken gehofft haben. Das sofortige Signal der Federal Reserve, angesichts des politischen Drucks zu signalisieren, „alle Instrumente“ zur Beruhigung des Marktes einzusetzen, gab den Börsianern in der größten Krise vor zwei Wochen auch Zuversicht. Aber bei kühlerem Kopf muss den Marktteilnehmern jetzt klar sein, dass es angesichts des starken weltweiten Wirtschaftswachstums eigentlich keinen Grund gibt, sofort an der Zinsschraube zu drehen.

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Wirtschaftskorrespondentin in London.

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